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Vechtaer Schulen warten auf Corona-Selbsttests

Bisher haben die Schulen im Kreis Vechta keine Lieferungen aus Hannover erhalten. Die Zeit bis zu den Ferien wird knapp. Und: Gegen das Testen in der Schule regt sich Kritik von verschiedenen Seiten.

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Werden in den Vechtaer Schulen sehnlichst erwartet: Antigen-Schnelltests vom Land Niedersachsen. Symbolfoto: dpa

Werden in den Vechtaer Schulen sehnlichst erwartet: Antigen-Schnelltests vom Land Niedersachsen. Symbolfoto: dpa

Mit flächendeckenden Selbsttests zu mehr Normalität und Sicherheit in der Schule: Soweit die Vorstellung der niedersächsischen Politik. Die Woche vor den anstehenden Osterferien soll dafür laut Kultusminister Grant-Hendrik Tonne als "Testwoche" genutzt werden. Dazu wurden in der vergangenen Woche die ersten 400.000 Testkits an die Schulen verschickt, im Laufe dieser Woche sollen weitere 1,2 Millionen folgen.

Mit den gelieferten Tests sollen sich sowohl Schüler als auch Lehrkräfte mindestens einmal pro Woche kostenlos selbst testen können. Es deutet sich aber für den Landkreis Vechta an, dass die Testwoche vor den Osterferien nicht genutzt werden kann: Denn nach übereinstimmenden Aussagen von mehreren Schulleitungen wurden die Schulen im Landkreis Vechta bei den ersten 400.000 Tests nicht berücksichtigt. Auch am Montag haben die Schulen noch keine Lieferungen erhalten. "Wir wissen nicht genau, wann die Tests diese Wochen ankommen. Die Kommunikation mit dem Kultusministerium ist nicht gleich null, aber schon etwas seltsam", meint die Schulleiterin der Vechtaer Alexanderschule, Antje Nasch.

Bisher keine Zusagen über Liefertermine

Der stellvertretende Pressesprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Ulrich Schubert, konnte gegenüber OM online keine genauen Liefertermine für den Landkreis Vechta zusagen. "Wir sind aber zuversichtlich, dass alle Schulen diese Woche ausreichend beliefert werden und damit das Testen testen können", sagt Schubert. Das hänge aber unter anderem von dem Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN) ab, das die Lieferungen koordiniere, sowie von der DHL, die die Tests ausliefert.

Geplant ist, dass die Selbsttests direkt in den Schulen durchgeführt werden. Nur in den Grundschulen sollen die Tests gemeinsam mit den Eltern zu Hause gemacht werden. Dafür ist einiges an Dokumentationsarbeit nötig: "Eltern müssen für den Erhalt der Selbsttests eine Einwilligung unterschreiben", berichtet Nasch für die Grundschulen. Durch den Wechselunterricht verzögere sich die Rückmeldung, bisher seien noch keine Einwilligungen zurückgeleitet worden. Deshalb könne bisher auch nicht abgeschätzt werden, wie viele Eltern das Angebot für ihre Kinder in Anspruch nehmen werden.

Gute Resonanz bei Test-Einwilligungen

An den weiterführenden Schulen, wo direkt in der Schule getestet wird, ist ebenfalls eine Einwilligung der Eltern notwendig. "Wir haben bislang eine gute Resonanz bei den Einwilligungen, sowohl bei den Schülern, als auch bei den Lehrkräften", freut sich Ina-Maria Gärtner, Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Oberschule Vechta. Auch ihre Schule hat bisher noch keine Tests erhalten. "Das ist sehr schade, vor allem weil in der Testwoche vorwiegend von Montag bis Mittwoch getestet werden sollte", erklärt Gärtner. "Wenn die Tests kommen, sind wir aber direkt startklar."

Mehrere Varianten von Corona-Schnelltests, wie zum Beispiel der Spuck- oder der Nasentest, sind mittlerweile auf dem Markt. Laut dem niedersächsischen Kultusministerium werde nicht ausschließlich eine spezielle Variante beschafft, sondern sich vielmehr nach dem Angebot auf dem Markt gerichtet. Durchgeführt werden soll der Selbsttest zu Beginn des Unterrichtstages unter Anleitung der Lehrkräfte. Eine spezielle Schulung der Lehrkräfte gebe es nicht, "wie es geht, steht auf der jeweiligen Packungsbeilage", sagt Gärtner. Von den Selbsttests in den Schulen erhofft sich Gärtner eine gewisse Beruhigung: "Viele Lehrkräfte und Schüler haben Angst, sich in der Schule mit Corona anzustecken. Durch den Selbsttest hätten wir ein Stückchen Sicherheit."

Kreiselternrat gegen Testungen in der Schule

Der Kreiselternrat Vechta spricht sich generell für die Testungen, jedoch gegen Testungen in den Schulen aus: "Die Kinder sollten zu Hause in Verantwortung der Eltern getestet werden", fordert die 1. Vorsitzende des Kreiselternrates Vechta, Melanie Schockemöhle. Denn einige Eltern hätten vor allem bei dem als etwas schmerzhafteren bekannten Nasentest Bedenken. "Mit den aktuellen Planungen würden einige Eltern beim Testen also wahrscheinlich nicht mitmachen", befürchtet die Kreiselternratsvorsitzende. Zudem fordert Schockemöhle, wieder mehr Schüler in den Präsenzunterricht zurückzuholen. "Das geht aber nur mit ausreichenden Tests mehrmals pro Woche. Unsere Kinder sollten es uns wert sein!"

"Mit den aktuellen Planungen würden einige Eltern beim Testen wahrscheinlich nicht mitmachen"Melanie Schockemöhle, Vorsitzende Kreiselternrat Vechta

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Franz-Josef Meyer aus Langförden, zweifelt ebenfalls an dem Modell, die Schüler direkt in der Schule zu testen: "Warum können die Tests nicht wie an den Grundschulen einfach zu Hause durchgeführt werden?" So müsse zum einen bei einem positiven Corona-Fall nicht die gesamte Klasse in Quarantäne, zum anderen würden die Lehrkräfte von der Aufgabe, die Selbsttests zu beaufsichtigen, entlastet werden. Auf Nachfrage von OM online bestätigte das Gesundheitsamt Vechta zwar nicht die automatische Quarantäne, sagt aber: "Das Gesundheitsamt (...) prüft, ob gegebenenfalls weitere Schüler als enge Kontaktpersonen in Quarantäne versetzt werden müssen."

VBE fordert externes Personal bei den Testungen

"Wenn es bei der Testung in der Schule bleiben sollte, braucht es externes, geschultes Personal, die die Selbsttests betreuen", fordert Meyer. Denn es sei zu vernehmen, dass viele Lehrkräfte durch die "komplizierte" Handreichung des Landes zur Aufsicht von Selbsttests verunsichert seien. Mit den wöchentlichen Testungen in den Schulen sieht Meyer indes keinen Spielraum für die Rückkehr von mehr Schülern in den Präsenzunterricht: "Das Testen alleine reicht nicht, es bietet nur Gewissheit für einige Stunden." Einen umfassenden Schutz gebe es nur durch die Impfungen, die vom VBE auch weiterhin vorrangig für die Lehrkräfte gefordert wird.

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