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Vechtaer Moorbach bekommt eine Fischtreppe

Im Rahmen des Hochwasserschutzes soll eine ökologische Aufwertung des Gewässers erfolgen. Der Baumaßnahme fallen allerdings etliche Bäume zum Opfer.

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Wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzeptes: Der Moorbach soll zwischen Wassermühle und Willohstraße ausgebaut werden, um bei Hochwasser einen möglichst schnellen Abfluss durch die Vechtaer Innenstadt zu gewährleisten. Die Kosten belaufen sich auf rund 3 Millionen Euro. Foto: Speckmann

Wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzeptes: Der Moorbach soll zwischen Wassermühle und Willohstraße ausgebaut werden, um bei Hochwasser einen möglichst schnellen Abfluss durch die Vechtaer Innenstadt zu gewährleisten. Die Kosten belaufen sich auf rund 3 Millionen Euro. Foto: Speckmann

Die Stadt Vechta will in diesem Jahr einen weiteren Teil ihres umfangreichen Hochwasserschutzkonzeptes umsetzen. Der  Moorbach soll zwischen der Wassermühle und der Willohstraße ausgebaut werden. Im Zuge der aufwendigen Maßnahmen ist auch eine ökologische Aufwertung vorgesehen. Dafür müssen allerdings etliche Bäume entlang des Ufers verschwinden.

Ziel des Gesamtkonzeptes ist es, bei Hochwasser einen möglichst schnellen Wasserabfluss durch die Innenstadt zu gewährleisten und somit Schäden an Gebäuden und Straßen zu vermeiden. Dafür sind in den vergangenen 5 Jahren bereits neue Kanal- und Grabensysteme, Wehranlagen und Schutzwälle an mehreren Standorten installiert worden. Abschließend sollen vor den Toren Vechtas noch zwei Rückhaltebecken entstehen.

Durch die sechs Einzelprojekte sollen sich Schadenereignisse möglichst nicht wiederholen. In diesem Zusammenhang erinnert Bürgermeister Kristian Kater (SPD) an das Hochwasser im Oktober 1998, als auch der Moorbach über seine Ufer trat und der Bereich rund ums Krankenhaus sowie andere Stadtgebiete überschwemmt waren. „Wir wollen das Wasser vorher aufstauen und den Durchfluss in der Stadt optimieren“, kündigt der Verwaltungschef an.

Natürliche Hindernisse: Für den Ausbau des Moorbaches sollen etliche Bäume abgeholzt werden. Foto: SpeckmannNatürliche Hindernisse: Für den Ausbau des Moorbaches sollen etliche Bäume abgeholzt werden. Foto: Speckmann

Durch die bevorstehende Maßnahme sollen angrenzende Grundstücke des Moorbaches vor Überflutungen im Hochwasserfall geschützt werden, darunter ein Teil des Friedhofes der evangelischen Kirchengemeinde, und zwar mit dem Einbau einer Spundwand sowie der Geländeauffüllung mit Bodenmaterial, wie Fachdienstleiter Jürgen Werring mit Blick auf die vorliegende Planung erläutert.

Mehr Volumen durch Aufweitung des Baches

Der Verwaltungsvertreter verweist auf die Ausmaße des Überschwemmungsgebietes, das vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) festgelegt wird. Die Sicherung des Staurechts sei hier von elementarer Bedeutung für den Hochwasserschutz. Durch die Aufweitung des Baches und die Arbeiten an der Gewässersohle werde mehr Volumen geschaffen.

Um den bisher sehr gradlinigen Moorbach in seinen natürlichen Ursprung zu versetzen und an der Gewässersohle arbeiten zu können, müssen auf der rund 180 Meter langen Ausbaustrecke zahlreiche zumeist nicht heimische Gehölze weichen, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben. Laut Verwaltung handelt es sich um etwa 25 Jungbäume und 8 Altbäume. Die Wurzeln standorttypischer Erlen ließen sich wieder eingraben.

Die Grünen haben die geplante Baumfällung bereits in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Bauen infrage gestellt. „Ich finde das extrem bedauerlich, dass so viele Bäume abgeholzt werden müssen“, erklärt Fraktionsmitglied Bernhard Schwarting. Durch die Entnahme sei die ökologische Aufwertung des Gewässerbereiches nicht mehr so groß, sodass das erhoffte Ergebnis geschmälert werde.

"Zurzeit befindet sich der Gewässerabschnitt in einem sehr schlechten ökologischen Zustand. Wir werden diesen Bereich sehr hoch aufwerten!“Fachdienstleiter Jürgen Werring

Die Baumfällung und weitere Maßnahmen gehen mit einer baubiologischen Begleitung durch ein Fachbüro einher, kündigt Fachdienstleiter Werring an. Er macht keinen Hehl daraus, dass auch ihm die Abholzung weh tut, aber der Diplom-Bauingenieur lenkt den Blick aufs große Ganze: „Zurzeit befindet sich der Gewässerabschnitt in einem sehr schlechten ökologischen Zustand. Wir werden diesen Bereich sehr hoch aufwerten!“

Eine ganz wichtige Rolle spielt die Sohlgleite, die entsprechend der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie hergestellt wird. Die so genannte Fischtreppe macht den Moorbach für Fische und andere Wassertiere in beide Richtungen durchgängig. Sie haben somit die Möglichkeit, Standorte mit guten Laich- und Nahrungsbedingungen zu erreichen, aber auch ruhige Orte für den Winteraufenthalt aufzusuchen.

Die Fischtreppe beginnt direkt neben der Wehranlage an der Wassermühle. Sie ist etwa 2,50 Meter breit und verläuft auf einer Länge von etwa 90 Metern nahezu parallel zum Moorbach. Dabei wird sie zweimal von dem Fußweg gekreuzt, der mit Hilfe von Stelzen neu gestaltet wird und somit einen Beitrag zur Naherholung leisten soll. Er ist bisher mehrere Monate im Jahr wegen Überschwemmungen nicht passierbar.

Bauarbeiten sollen im April beginnen

Die Kosten für die Hochwasserschutzmaßnahme zwischen Wassermühle und Willohstraße beziffert die Verwaltung mit etwa 3 Millionen Euro. Davon werden rund 1 Million Euro durch Bundes- und Landesmittel aus der Gemeinschaftsausgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ abgedeckt. Das entspricht 70 Prozent der förderfähigen Kosten.

Fachdienstleiter Werring geht davon aus, dass die Baumfällungen noch im Februar über die Bühne gehen. Sobald Ausschreibung und Auftragsvergabe erfolgt seien, könnten die Bauarbeiten im April oder Mai beginnen. Die Arbeiten in der Gewässersohle würden sich über ein halbes Jahr erstrecken. Bei optimalen Witterungsbedingungen könnte das Projekt im Frühjahr 2023 fertiggestellt werden.

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