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Vechtaer Landrat Gerdesmeyer: Landkreis soll Denkfabrik sein

Der neue Chef im Kreishaus wurde in der konstituierenden Kreistagssitzung vereidigt. Er forderte Gemeinschaftssin ein. Die Opposition wollte einen Vize-Landrat stellen - das machte die CDU nicht mit.

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Start in die neue Wahlperiode: Landrat Tobias Gerdesmeyer (CDU/Mitte) mit (von links) Dr. Tanja Meyer (Fraktionsvorsitzende der Grünen), Matthias Elberfeld (AfD-Fraktionschef), Heinrich Luhr (Vorsitzender der Gruppe UWG/Linke), Gerd Muhle (CDU/stellvertretender Landrat), Walter Goda (Kreistagsvorsitzender), Martina Spille (CDU/stellvertretende Landrätin), Josef Kläne (CDU/stellvertretender Landrat), Heiko Bertelt (FDP-Fraktionschef), Eckhard Knospe (SPD-Fraktionschef) und Sabine Meyer (CDU-Fraktionsvorsitzende). Foto: Dorgelo

Start in die neue Wahlperiode: Landrat Tobias Gerdesmeyer (CDU/Mitte) mit (von links) Dr. Tanja Meyer (Fraktionsvorsitzende der Grünen), Matthias Elberfeld (AfD-Fraktionschef), Heinrich Luhr (Vorsitzender der Gruppe UWG/Linke), Gerd Muhle (CDU/stellvertretender Landrat), Walter Goda (Kreistagsvorsitzender), Martina Spille (CDU/stellvertretende Landrätin), Josef Kläne (CDU/stellvertretender Landrat), Heiko Bertelt (FDP-Fraktionschef), Eckhard Knospe (SPD-Fraktionschef) und Sabine Meyer (CDU-Fraktionsvorsitzende). Foto: Dorgelo

Gegen 17.15 Uhr war die knappe Zeremonie vollzogen, es folgte kräftiger Applaus der Kreistagsabgeordneten für Tobias Gerdesmeyer (47), zuvor Lohner Bürgermeister, nun neuer Landrat des Landkreises Vechta. Die Vereidigung von Gerdesmeyer (CDU) hatte Alterspräsidenten Dr. Lutz Neubauer (78), der der Gruppe "UWG/Linke“ angehört, vorgenommen.

Der 47-jährige Jurist Gerdesmeyer sagte in seiner Antrittsrede während der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Kreistags, er empfinde "große Dankbarkeit angesichts des großen Vertrauens", das die Wählerinnen und Wähler ihm am 12. September geschenkt haben, aber auch "Respekt und Demut vor der neuen Aufgabe und dem neuen Amt".

Gerdesmeyer, der bei seiner Wahl zum Landrat 92,64 Prozent der Stimmen erhalten hatte, versprach, dass er sich in den nächsten fünf Jahren mit all seiner Kraft und seinen Kompetenzen "für unseren schönen Landkreis Vechta einsetzen werde". Er komme neu in eine von seinem Vorgänger Herbert Winkel "gut geführte Behörde" mit etwa 700 Mitarbeitern.

So wahr mir Gott helfe“: (von links) Tobias Gerdesmeyer bei seiner Vereidigung als Landrat, für die er die christliche Formel wählte, durch Alterspräsident Dr. Lutz Neubauer. Foto: Tzimurtas„So wahr mir Gott helfe“: (von links) Tobias Gerdesmeyer bei seiner Vereidigung als Landrat, für die er die christliche Formel wählte, durch Alterspräsident Dr. Lutz Neubauer. Foto: Tzimurtas

Als große Herausforderungen nannte Gerdesmeyer den Klimawandel, die Digitalisierung, den Grundwasserschutz, die gesundheitliche Versorgung und die Mobilität. Diese Themen würden "ein Umdenken in vielen Lebensbereichen erforderlich" machen. Der Landkreis solle bei diesen "großen Themen" die Richtung "und vor allem das Ziel vorgeben", sagte Gerdesmeyer. Er betonte: "Der Landkreis sollte nicht nur eine Behörde, sondern eine Denkfabrik für die Zukunft sein."

Es gelte, selbst Zukunftsthemen und Zukunftslösungen zu definieren. Gerdesmeyer: "Die Visionen sollten wir nicht anderen überlassen, sondern wir sollten sie gemeinsam im Kreistag – über Parteigrenzen hinweg – erarbeiten und dann auch umsetzen." Auch diesen Appell richtete der neue Landrat an die Abgeordneten: Es sei "wichtig, dass wir das Kirchturmdenken überwinden". Nur in einer "starken Gemeinschaft aller zehn Städte und Gemeinden – zusammen mit einem starken Landkreis Vechta – können wir die Weichen für die Zukunft richtig stellen", hob Gerdesmeyer hervor.

Gerdesmeyer appelliert an Gemeinschaftssinn

Ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn – dafür warb Gerdesmeyer auch mit diesen Sätzen: Die Südoldenburger seien "ein besonderer Menschenschlag". Und das sei ganz unabhängig davon, ob die familiären Wurzeln seit Jahrhunderten in der Region liegen, ob Eltern oder Großeltern als türkische Gastarbeiter oder als Spätaussiedler aus Russland hergekommen seien. Oder ob es "Neu-Südoldenburger" mit Wurzeln im Irak oder in Syrien seien.

"Den Südoldenburger macht nicht die Herkunft, sondern seine Mentalität aus", sagte Gerdesmeyer. "Und dieser einmaligen Mentalität sollten wir Raum zur Entfaltung lassen", unterstrich er.

Walter Goda (CDU) ist Kreitagsvorsitzender

Dem Kreistag gehören 50 Abgeordnete an sowie der Landrat qua Amt. Zur konstituierenden Sitzung waren 49 Abgeordnete anwesend. Der neue Kreistagsvorsitzende ist Walter Goda (CDU) aus Damme. Er erhielt in geheimer Wahl, die von der AfD beantragt worden war, 37 Ja-Stimmen und sieben Nein-Stimmen, es gab zwei Enthaltungen. Sein Stellvertreter ist Josef Kläne (CDU) aus Langförden-Calveslage. Er erhielt, ebenfalls in einer von der AfD beantragten geheimen Wahl, 44-Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen; es gab vier Enthaltungen.

Gleich zu Beginn der neuen Wahlperiode kam es im Kreistag auch zu einer ersten Kraftprobe zwischen der CDU (sie stellt mit 27 Sitzen weiter die absolute Mehrheit) und der erstarkten Opposition. SPD-Fraktionschef Eckhard Knospe hatte dafür geworben, dass das gesamte Wahlergebnis sich bei der Besetzung der Positionen der stellvertretenden Landräte widerspiegeln solle. Einer der drei ehrenamtlichen Vizes sollte der Opposition angehören, sagte Knospe.

Deshalb schickte die SPD den Abgeordneten Sam Schaffhausen ins Rennen. Knospe hatte auch hervorgehoben, dass der 32-jährige Schaffhausen die junge Generation repräsentiere. Er legte auch ins Gewicht, dass die SPD den CDU-Landratskandidaten Gerdesmeyer unterstützt hatte. Der FDP-Fraktionschef Heiko Bertelt hatte erklärt, er wäre selber auch angetreten, könne dies aber nicht, da er im Kreisausschuss nur ein Grundmandat habe, also kein stimmberechtigtes Mitglied in dem Gremium sei.

CDU setzt drei Vize-Landräte durch

CDU-Fraktionschefin Sabine Meyer führte aus, die Christdemokraten hätten bereits bei der Vergrößerung der Ausschüsse dafür gesorgt, dass sich das Wahlergebnis durch die Mitglieder anderer Fraktionen darin spiegele. Bei der Wahl der Vize-Landräte gelte der Mehrheitsbeschluss. Damit hielt die CDU an ihren drei Kandidaten fest.

Schaffhausen trat in zwei Wahlgängen an – nur gegen die zwei männlichen Kandidaten der CDU – und unterlag jeweils. Als stellvertretende Landräte wählte der Kreistag Josef Kläne (CDU), Gerd Muhle (CDU) und Martina Spille (CDU).

Kläne erhielt in der von der SPD beantragten geheimen Wahl 28 Ja-Stimmen, sein Gegenkandidat Schaffhausen 19. Es gab 3 Enthaltungen. Muhle kam (in der ebenfalls geheimen Wahl) auf 33 Ja-Stimmen, Schaffhausen erhielt 17 Ja-Stimmen, es gab keine Enthaltung. Martina Spille wurde einstimmig zur stellvertretenden Landrätin gewählt – bei einer Enthaltung.

Die Zahl der Ausschüsse bleibt bei sieben. Jene vier Ausschüsse, bei denen es rechtlich möglich ist, haben nun 15 Mitglieder (und nicht 13). Das war zuvor nur beim Finanzausschuss der Fall. Der Jugendhilfeausschuss und der Breitband-Ausschuss haben weniger Mitglieder. 

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