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Vechtaer Kreis-CDU stimmt sich auf Neustart in Landespartei ein

Festredner auf dem Neujahrsempfang war der designierte CDU-Landeschef Sebastian Lechner – begleitet vom künftigen Generalsekretär Marco Mohrmann. Der Ort: Das Brückenrestaurant von Big Dutchman.

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Begegnung im Brückenrestaurant: Mitglieder des CDU-Kreisvorstands mit Dr. Marco Mohrmann (designierter niedersächsischer CDU-Generalsekretär, 5. von links) und Sebastian Lechner (designierter CDU-Landeschef, 6. von links) sowie den Big-Dutchman-Vorstandsmitgliedern Dr. Thomas Dalstein (7. von links) und Kai Wehmeyer (rechts). Neben Lechner steht der CDU-Kreisvorsitzende André Hüttemeyer. Foto: Tzimurtas

Begegnung im Brückenrestaurant: Mitglieder des CDU-Kreisvorstands mit Dr. Marco Mohrmann (designierter niedersächsischer CDU-Generalsekretär, 5. von links) und Sebastian Lechner (designierter CDU-Landeschef, 6. von links) sowie den Big-Dutchman-Vorstandsmitgliedern Dr. Thomas Dalstein (7. von links) und Kai Wehmeyer (rechts). Neben Lechner steht der CDU-Kreisvorsitzende André Hüttemeyer. Foto: Tzimurtas

Wo geht es lang für die CDU in Niedersachsen nach der verlorenen Landtagswahl? Wie stellt die Partei sich inhaltlich und strategisch auf, um möglichst wieder in Regierungsverantwortung kommen zu können? Antworten darauf gab es am Dienstagabend in Calveslage – im Brückenrestaurant des Stallausrüsterunternehmens Big Dutchman.

Es war der Ort des Neujahrsempfangs des CDU-Kreisverbands Vechta – mit Sebastian Lechner als Festredner, dem designierten Vorsitzenden der Niedersachsen-CDU. Da sich noch Dr. Marco Mohrmann spontan angemeldet hatte, war auch der künftige Generalsekretär der Partei anwesend, er hielt ebenfalls eine Vorstellungsrede. Gemeinsam mit Lechner stand er zudem den etwa 180 Gästen des Abends Rede und Antwort in einer Diskussion.

Wahl der neuen Führung am Samstag

So war die Veranstaltung an diesem außergewöhnlichen Ort für die Basis auch eine Einstimmung auf den Neustart sowie ein Kennenlernen des künftigen Spitzenduos der Niedersachsen-CDU. Lechner und Mohrmann stellen sich am Samstag auf dem Braunschweiger Parteitag für ihre Führungsposten zur Wahl. Lechner löst Bernd Althusmann ab, Mohrmann folgt als Generalsekretär auf Lechner. Die Stimmen der Delegierten aus dem Kreisverband Vechta seien ihnen gewiss, versicherte der CDU-Kreisvorsitzende André Hüttemeyer. Auch das Publikum wirkte überzeugt, dass mit Lechner (42) und Mohrmann (49) der Neustart gelingt, wie am Applaus und an der allgemeinen Stimmung erkennbar war.

Zwischen der Kreis-CDU und der neuen Führung der Niedersachsen-CDU bestehen bereits enge persönliche Bande. Hüttemeyer sprach Lechner mit dessen Spitznamen „Sebi“ an, und bei der Präsentübergabe für den Festredner gab es eine freundschaftliche Umarmung. Beide kennen sich seit ihrer Zeit bei der Jungen Union. Lechner ist heute der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, der Hüttemeyer als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Vechta angehört.

Lechner will keine "One-Man-Show"

Lechner nannte Jochen Steinkamp aus Lohne einen der profiliertesten Europa-Politiker der Landespartei. Steinkamp, stellvertretender Vorsitzender der Kreis-CDU, kandidiert am Samstag in Braunschweig für das 5-köpfige Präsidium der Niedersachsen-CDU. Bislang ist er Beisitzer im Landesvorstand der CDU. Lechner will die Christdemokraten im Land breit aufgestellt wissen. Er wolle auf keinen Fall eine „One-Man-Show“ geben.

Zu der von ihm angestrebten sichtbaren Vielfalt an Köpfen würden auch Hüttemeyer und alle Bundestagsabgeordneten gehören. Ebenso alle „schlanken“ Bürgermeister und Landräte der CDU. Diese spaßhafte Formulierung sorgte für Lacher, war zum "Running Gag" des Abends geworden. Lechner hatte sie zuvor als Ausdruck für sein Anliegen verwendet, für weniger Verwaltungsaufwand und weniger Regulierung zu sorgen.

Wirtschaftskompetenz soll zum Profil gehören

„Wir brauchen einen schlanken Staat“, der aber durchaus stark sein soll, hatte er gesagt. Die CDU trete für die Eigenverantwortlichkeit von Menschen ein, machte er klar. Die Partei müsse wieder die Menschen in den Blick nehmen, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu leisten. „Das muss die Hauptzielklientel einer CDU in Niedersachsen sein“, betonte Lechner. Damit meinte er insbesondere auch die mittelständischen Unternehmer (er verwies auf seine eigene Erfahrung als einstiger Firmengeschäftsführer). Die Botschaft: Die CDU soll sich als Partei mit Wirtschaftskompetenz profilieren.

Auch die Stärkung des ländlichen Raums werde einer der Schwerpunkte der CDU in Niedersachsen, versprach Lechner, der in Neustadt am Rübenberge wohnt. Themen seien unter anderem die ärztliche Versorgung, die Kinderbetreuung, die digitale Infrastruktur sowie „klare und verlässliche Perspektiven für Landwirte“.

Niedrige Flughöhe, klare Kante, eigenes Profil

Doch auch zu mehr Demut und zur Hinwendung zum Alltag der Menschen forderte Lechner auf, ohne es so zu nennen. Er sprach davon, dass Parteifunktionäre ihre „Flughöhe absenken“ sollen, indem sie den Kontakt zu Menschen in ihren Berufen suchen, um zu erfahren, „wo der Hase im Pfeffer liegt“. Er selbst sei in seiner Zeit als innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion 2 Mal im Jahr bei der Nachtschicht einer Polizeistreife mitgefahren. „Mehr zuhören“, lautet seine Devise für Politiker, die sich zudem selbst hinterfragen sollten.

Niedrige Flughöhe, klare Kante, eigenes Profil – mit diesem Dreiklang, so Lechner, soll es neue Antworten der CDU auf Themen geben, „die wir verloren haben“. Wenn es um die Umsetzung geht, wird der promovierte Agrarwissenschaftler Mohrmann als künftiger Generalsekretär des mit 55.000 Mitgliedern zweitstärksten CDU-Landesverbandes eine wichtige Rolle inne haben.

Mitglieder sollen mehr eingebunden werden

„Ich weiß, dass das herausfordernd ist“, beteuerte er. Im Jahrestakt stünden Wahlen an, 3 davon in der Periode, für die er gewählt werde, und zwar die Europa-Wahl (2024), die Bundestagswahl (2025) und die Kommunalwahl (2026). Er wolle die Kampagnenfähigkeit der CDU sicherstellen und die Mitglieder „mehr einbinden“.

Ihm gehe es „nicht so sehr“ um die Begriffe „links“ und „rechts“, sondern um die Deutlichkeit der Ansagen. Zum Beispiel diese: Der Wolf müsse bejagt werden. Dafür gab es längeren Applaus. Auch eine starke Tierhaltung sei notwendig, sagte Mohrmann, der agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist. Als Generalsekretär nehme er sich den Auftrag vor, „die Herzen der Menschen wieder zu erreichen“.

Paul-Heinz Wesjohann fordert Folgenabschätzung bei Gesetzen

Im Austausch mit dem Publikum ergriff Paul-Heinz Wesjohann, Senior-Chef der PHW-Gruppe (Rechterfeld), als erster das Wort. Er warnte: Die Grünen würden die „Zerschlagung der Tierhaltung in Deutschland“ betreiben. Der Agrarsektor aber sei der zweitgrößte Arbeitgeber in Niedersachsen. Er sagte deshalb, die CDU müsse „ganz schnell arbeiten“. Außerdem rief er dazu auf, dass es bei politischen Vorhaben Folgenabschätzung geben müsse. Und: Genehmigungsverfahren müssten schneller gehen.

Und Alwin Neteler aus Oythe klagte, dass mit der Schweinehaltung seit 2 Jahren kein Geld mehr zu verdienen gewesen sei, im Gegenteil: Es sei notwendig gewesen, dass Geld „reingesteckt“ wurde. Wenn die Politik sage, dass die Ställe umgebaut werden sollen (für mehr Tierwohl), dann wolle er wissen, wo das Geld herkomme. Er befürchtet zudem, dass auch im Landkreis Vechta viele Schweinehalter aufgeben. Wo das Geld herkommen soll, ließ Mohrmann zwar offen, für ihn stand aber fest, dass es auf dem Markt über höhere Preise nicht zu erwirtschaften sei.

Alte Fehler sollen nicht wiederholt werden

Im Verlauf der Diskussion machte Lechner auch diese Positionen deutlich: Die CDU werde sich dafür einsetzen, dass der Traum vom Eigenheim erfüllbar gehalten werden kann (über Fördermöglichkeiten), Kommunen sollen bei Förderrichtlinie mehr Entscheidungsfreiheit für die Verwendung von Geldern haben. Und: Es müsse einen Industriestrompreis geben. Massive Kritik gab es an den Kriterien für Gelder aus dem Härtefallfonds, in Niedersachsen würden lediglich 1.000 Unternehmen eine Unterstützung erhalten können.

Mohrmann hatte hervorgehoben, dass zur CDU neben dem christlich-sozialen und dem liberalen „auch das konservative Element“ gehöre. Dafür gab es in Calveslage besonders kräftigen Applaus und Tischklopfer. Und Lechner hatte versichert, bei der Aufarbeitung der verlorenen Wahl, werde tief geschürft. Es dürfe nicht dazu kommen, dass alte Fehler wiederholt werden.

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