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Vechtaer Feuerwehr kommt wieder ins Schwitzen

Die Ehrenamtlichen der Ortsfeuerwehr Vechta kehren nach mehrmonatiger Pause in den praktischen Übungsbetrieb zurück. Die versäumten Lehrgänge werden so schnell aber nicht aufzuholen sein.

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Praxis statt Theorie: Eine Löschgruppe inspiziert eine Rettungstrage für die Drehleiter. Foto: Social-Media-Team Feuerwehr Vechta

Praxis statt Theorie: Eine Löschgruppe inspiziert eine Rettungstrage für die Drehleiter. Foto: Social-Media-Team Feuerwehr Vechta

Vor dem Feuerwehrhaus in Vechta herrscht Betrieb. Die lange Drehleiter ist ausgefahren, mehrere Helfer proben die Menschenrettung. An anderer Stelle arbeiten Kameraden in der schweren Atemschutzausrüstung. Die Motivation in der Truppe ist groß, die Freude an der Arbeit deutlich zu spüren. Endlich kommen die Brandschützer wieder ins Schwitzen und können sich ganz praktisch auf ihre vielfältigen Einsätze vorbereiten.

Aufgrund der Corona-Pandemie hatten die Dienstabende über mehrere Monate nicht im Feuerwehrgerätehaus stattfinden können. Die Mitglieder mussten auf eine Ausbildung im Online-Format umsteigen. Da sich die Inzidenzzahlen inzwischen deutlich verringert haben und ein Großteil der Einsatzabteilung vollständig geimpft ist, können die Übungseinheiten für die etwa 125 Aktiven nun wieder im Präsenzbetrieb stattfinden.

"Wir freuen uns sehr, wieder im kleinen Rahmen mit der Ausbildung starten zu können. Vor allem für die Kameradschaft ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", erklärt Ortsbrandmeister Christian Heitmann. Videokonferenzen seien zwar eine gute Möglichkeit gewesen, aber bei den digitalen Treffen habe etwas ganz Wesentliches, nämlich der Meinungs- und Erfahrungsaustausch, gefehlt.

Kräftezehrende Übung: Zwei Atemschutzgeräteträger absolvieren eine Belastungsprobe. Foto: Social-Media-Team Feuerwehr VechtaKräftezehrende Übung: Zwei Atemschutzgeräteträger absolvieren eine Belastungsprobe. Foto: Social-Media-Team Feuerwehr Vechta

Trotz der neuen Freiheiten herrschen Hygiene- und Abstandsregeln, um die Sicherheit zu gewährleisten. Nicht geimpfte Kameraden müssen einen Schnelltest vor Dienstbeginn machen. Wie schon nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr wechseln sich die Kameraden bei den Treffen ab. "Pro Woche werden nur jeweils 2 von 4 Löschgruppen ausgebildet", erläutert der Kommandochef.

Beim ersten Dienst nach der langen Pause geht es gleich zur Sache. Eine Löschgruppe holt die Drehleiter aus der Fahrzeughalle. Kleingruppen müssen für vorgegebene Einsatzszenarien verschiedene Anbauteile zusammensuchen und vorbereiten. Für die zweite Löschgruppe steht die jährlich zu absolvierende Atemschutzgewöhnungsübung auf dem Plan. An mehreren Stationen warten kräftezehrende Belastungsproben.

"Im vergangenen Jahr sind etwa drei Viertel der Lehrgänge ausgefallen."Ortsbrandmeister Christian Heitmann

Dass die Treffen wieder in Präsenz stattfinden, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Feuerwehr einen großen Nachholbedarf in der Ausbildung hat. "Im vergangenen Jahr sind etwa drei Viertel der Lehrgänge ausgefallen", berichtet Heitmann. Er befürchtet, dass sich die versäumte Aus- und Weiterbildung nicht so schnell aufholen lässt, denn die Plätze in den Feuerwehrschulen seien begrenzt. Die Situation sei schon vor der Pandemie schwierig gewesen.

"Das ist besonders ärgerlich für diejenigen, die als Neulinge in die Feuerwehr kommen und ihren Grundlehrgang machen müssen. Sie erleben jetzt eine Durststrecke und kommen nicht weiter", sagt der Ortsbrandmeister. Durch die Einschränkungen werde auch die Entwicklung der Feuerwehr gebremst. Während sich manche Kameraden aufgrund von Wohnortwechsel oder anderen Gründen verabschiedeten, falle es Neuzugängen oder Quereinsteigern schwer, sich in der Gruppe zu integrieren.

Unter der Corona-Pandemie litten zuletzt nicht nur die Aus- und Weiterbildung der Truppe, sondern auch die geselligen Zusammenkünfte außerhalb des Dienstes. Zudem fiel zum 2. Mal in Folge die Mitgliederhauptversammlung aus. Dort hätten neben dem Rückblick auf das Einsatzgeschehen wieder mehrere Kameraden für ihre Verdienste geehrt und befördert werden sollen.

Ehrungen finden an der Haustür statt

Ortsbrandmeister Christian Heitmann und Stadtbrandmeister Jan-Arthur Müller unternahmen eine gemeinsame Rundreise durch das Stadtgebiet, um den Mitgliedern an der Haustür die Urkunden und Glückwünsche zu überreichen. Insgesamt 30 Kameraden erhielten für das Jahr 2020 nachträglich eine Beförderung im Dienstgrad. Sie können fortan mit neuen Schulterklappen aus dem Haus gehen.

Beim Besuch der Jubilare schloss sich Bürgermeister Kristian Kater (SPD) der kleinen Delegation an. 5 Mitglieder erfuhren eine nachträgliche Ehrung für ihre langjährige Zugehörigkeit. Die entsprechenden Abzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen gingen an Hermann Barth, Hans Helms und Peter Spille (alle 50 Jahre Mitgliedschaft) sowie Thomas Walter und Reinhard Ahlers (beide 25 Jahre).

Die Mitgliederhauptversammlung für das Jahr 2021 soll in wenigen Wochen nachgeholt werden, kündigt Heitmann an. Die Zusammenkunft findet unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen am 15. Juni (Dienstag) ab 19 Uhr in der Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses statt. Neben Ehrungen und Beförderungen stehen Wahlen auf der Tagesordnung. Der Jahresbericht soll vorab auf dem Postweg verschickt werden.

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