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Vechtaer Chefärzte sagen Ja zu Corona-Impfungen für Kinder

Dass Kinder gegen Covid-19 geimpft werden sollten, hat laut der 3 Chefärzte der Kinderklinik im St. Marienhospital Vechta gute Gründe. Denn auch bei den Kleinen können schwere Verläufe auftreten.

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Befürworten Corona-Impfungen für Kinder: Die 3 Chefärzte der Kinderklinik im St. Marienhospital Vechta (von links) Dr. med. Christian Denne, Dr. med. Oliver Schirrmacher, Dr. med. Jürgen Holtvogt. Foto: Tim Lutz

Befürworten Corona-Impfungen für Kinder: Die 3 Chefärzte der Kinderklinik im St. Marienhospital Vechta (von links) Dr. med. Christian Denne, Dr. med. Oliver Schirrmacher, Dr. med. Jürgen Holtvogt. Foto: Tim Lutz

Die Vechtaer Kinder-Chefärzte sprechen sich in einer Mitteilung klar für eine Impfung gegen das Coronavirus bei Kindern aus. Der Grund: Das St. Marienhospital Vechta habe nicht nur erwachsene Covid-19-Patienten behandelt, sondern auch Kinder in größerer Zahl. Dafür sprechen einige Indizien. Und: Die Krankheitsverläufe bei Minderjährigen per se als harmlos zu beschreiben sei falsch.

Anfang des Jahres, im Zeitraum von einigen Wochen nach Weihnachten, fiel in der Kinderklinik laut Mail eine Häufung von unklaren Hautveränderungen an den Fingern und Zehen bei Kindern auf, gut passend zu "Covid-Zehen". Das seien frostbeulenähnliche Läsionen, die 2020 schon von spanischen Pädiatern beobachtet wurden. Ein Kind aus der Kinderambulanz habe nicht mehr richtig laufen können.

Eine große dermatologische Praxis vor Ort und die Unfallchirurgen im St. Marienhospital hätten ebenfalls von einer Häufung solcher Hautveränderungen berichtet. Es könne sich hierbei durchaus um eine Corona-Folgeerkrankung handeln. Jedoch hätten sich nicht (mehr) bei allen Kindern Antikörper im Blut gefunden; nicht alle Kinder wären an Weihnachten erkältet gewesen; nicht alle Kinder erhielten einen Corona-Test.

Seit Anfang 2021 wurden einige Kinder mit schweren Entzündungssyndromen aufgenommen

Natürlich bleibe Raum für Spekulation, räumen die Chefärzte ein. Jedoch sprechen die Indizien dafür, dass die Kinder "still" infiziert waren. 

Seit Anfang 2021 seien außerdem einige Kinder mit einem schweren Entzündungssyndrom, gut vereinbar mit dem in der Folge von Covid-19 beschriebenen "Multisystem inflammatory syndrome in children" (MIS-C), behandelt worden. Einige von ihnen hätten auf der Intensivstation betreut werden müssen. 

Vor 3 Wochen schließlich musste ein Kind bei lebensbedrohlicher Mitbeteiligung des Herzens vom St. Marienhospital Vechta in ein Kinderherzzentrum verlegt werden, teilen die Chefärzte mit. Alle Beispiele machen aus Sicht der Kinderklinik klar, was das Virus auslösen kann.

Kinder können genauso schwer erkranken wie Erwachsene

Durch die Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln sei das, was das typische "Wintergeschäft" in einer Kinderklinik ausmache, wie Atemwegsinfekte, Asthma-Anfälle, Hirnhautentzündungen, infektiöse Darmerkrankungen, von der Fallzahl her auf dem niedrigen Niveau des Hochsommers. Psychische Ausnahmezustände, Rauschmittelkonsum mit Bewusstseinsstörungen, Suizidversuche, seien dagegen dramatisch angestiegen. Auch in diesem Punkt sei Corona keineswegs harmlos.

Studienergebnisse versprächen exzellente Schutzwirkung für Kinder

Kinder könnten genauso wie Erwachsene schwer erkranken, vor allem an den Folgeerkrankungen, betont die Klinik. Die psychosozialen Folgen von Kontaktbeschränkungen seien für Kinder immens und dauerhaft. Die jüngsten Studienergebnisse sprächen für eine exzellente Schutzwirkung der Impfung bei Kindern. Daher sprechen sich die Chefärzte der Kinderklinik am St. Marienhospital für eine schnellstmögliche Impfung von Kindern aus, sobald dies sicher möglich ist.

Bereits im Frühjahr (im Vergleich zu 2020) verzeichnete die Klinik etwas mehr akut erkrankte Kinder mit nachgewiesener Sars-CoV-2 Infektion im Krankenhaus. Manchmal war eine unterstützende Sauerstoffzufuhr über eine Nasenbrille erforderlich. Die Fallzahlen stationär aufgenommener Kinder in Vechta bewegten sich allerdings bislang auf einem sehr niedrigen Niveau. In dieser Woche sei zum Beispiel kein Kind aufgenommen worden.

Eine grundsätzliche Zunahme schwerer Akutfälle, wie sie typischerweise aus der Erwachsenenmedizin bekannt ist (Beatmung, Herz-Lungen-Maschine, Kreislaufversagen) sei bislang nicht zu verzeichnen gewesen. Auch von den umliegenden Kinderkliniken seien solche Entwicklungen nicht bekannt.

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