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Vechta liebäugelt mit der "Netten Toilette"

Durch eine Kooperation mit der Gastronomie könnte das öffentliche Angebot an Sanitäranlagen in der Innenstadt verbessert werden. Die Verwaltung will nun die Bereitschaft der Betriebe abklopfen.

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Freundlicher Hinweis an der Eingangstür: In mehr als 270 Städten und Gemeinden, wie hier in Dortmund, wird das Konzept der „Netten Toilette“, bereits umgesetzt. Die Betriebe erhalten von der Kommune eine Kostenerstattung. Foto: Speckmann

Freundlicher Hinweis an der Eingangstür: In mehr als 270 Städten und Gemeinden, wie hier in Dortmund, wird das Konzept der „Netten Toilette“, bereits umgesetzt. Die Betriebe erhalten von der Kommune eine Kostenerstattung. Foto: Speckmann

Wer beim Bummel durch die Vechtaer Innenstadt plötzlich aufs Töpfchen muss, kann die Sanitärräume im Rathaus und Kreishaus aufsuchen. Außerhalb der Öffnungszeiten wird es jedoch schwierig. Ganztägig steht nur die kostenpflichtige Toilette bei der Mobilitätsstation am Bahnhof zur Verfügung. Zur Verbesserung der Situation könnte die "Nette Toilette" beitragen.

Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Marktwesen hat sich jetzt mit einem Antrag der Ratsgruppe SPD/WfV beschäftigt. Sie schlägt eine Erweiterung des Angebotes von öffentlichen Toiletten in der Innenstadt vor und lenkt dabei den Blick auf Städte wie Cloppenburg oder Leer. Dort ist das Projekt "Nette Toilette" bereits in Kooperation mit Gastronomiebetrieben umgesetzt worden.

Das Konzept ist recht einfach: Die Eingänge der teilnehmenden Restaurants, Cafés oder Kneipen werden mit einem entsprechenden Hinweis gekennzeichnet. Die Besucher können kostenfrei die Toiletten nutzen, auch wenn sie keine zahlenden Kunden des Lokals sind. Im Gegenzug beteiligt sich die Kommune mit einem Zuschuss an den Reinigungskosten der Sanitäranlagen.

Ausweitung der Zutrittszeiten für Besucher

Nach Angaben der Verwaltung lassen sich das Angebot an öffentlichen Toiletten vergrößern und auch die potenziellen Zutrittszeiten für die Besucher ausweiten. Der Vorteil für die Stadt Vechta seien vergleichsweise geringe Kosten. Im Vergleich dazu würden die Herstellung und Unterhaltung eigener Toilettenanlagen im öffentlichen Raum deutlich höhere Ausgaben verursachen.

"Wir könnten zum einen unmöglich einen solchen Bedarf aus eigenen Mitteln finanzieren und hätten auch gar nicht die räumlichen Möglichkeiten dafür. Und zum anderen wäre auch eine Rund-um-die-Uhr-Reinigung der Toiletten kaum sicherzustellen. Das alles wäre aber durch eine Beteiligung an dem Konzept gegeben", erklärt Bürgermeister Kristian Kater (SPD) auf Anfrage.

Laut Verwaltung ist in den Beratungen des Fachausschusses deutlich geworden, dass es bei einem solchen Projekt vor allem darum gehen müsse, eine zeitliche wie räumliche Abdeckung des Innenstadtbereichs zu gewährleisten. Es sollte sichergestellt werden, dass Menschen bei der Nutzung der Toiletten nicht davon abhängig sind, dass sie sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufhalten müssen.

Angebot kostet mehrere tausend Euro pro Jahr

Die Mehrheit des Gremiums habe sich dafür ausgesprochen, dass die Verwaltung zunächst prüfen sollte, welche Betriebe in der Innenstadt konkret Interesse an einer Beteiligung hätten. Erst dann könnte bei detaillierter Kostenkalkulation über die Umsetzung des Konzepts entschieden werden. Immerhin würden auf die Kommune mehrere tausend Euro pro Jahr zukommen.

Unter der Annahme, dass 15 Betriebe ihre Damen- und Herrentoilette zur Verfügung stellen würden, entstehen nach dem Cloppenburger Modell Kosten in Höhe von 6.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommt ein einmaliger Betrag in Höhe von etwa 1.500 Euro für Hinweisschilder und Nutzungsrechte. Die Lizenz für die "Nette Toilette" liegt bei einer Werbeagentur mit Sitz in Aalen.

Konzept stammt aus der Stadt Aalen

Aus der Stadt Aalen stammt auch das Konzept, das sich inzwischen in ganz Deutschland und in der Schweiz verbreitet hat. Mittlerweile sollen bundesweit mehr als 270 Städte und Gemeinden, davon 18 in Niedersachsen, von dem öffentlichen Örtchen partizipieren. Davon soll im Übrigen auch die Gastronomie profitieren, indem sie neue Kunden gewinnt.

Kater ruft die Betriebe in der Innenstadt dazu auf, sich möglichst zahlreich an dem Aufruf zur "Netten Toilette" zu beteiligen. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung hat der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ulrich Steinkamp, bereits signalisiert, "dass eine nennenswerte Bereitschaft zur Mitwirkung zumindest bei den Vechtaer Mitgliedsbetrieben erwartet werden kann."

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