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Vechta, Dänemark, Schweden und zurück

Recht hat, wer Recht bekommt – auch über Ländergrenzen hinweg kann ein Ganove gefunden werden. Und mag die Spur zu ihm auch noch so winzig sein.

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Man kann über die Justiz viel sagen, aber vergesslich ist sie nicht. Das beweist der Fall eines 27-jährigen Litauers, der sich wegen schweren Diebstahls zu verantworten hatte. Er soll mit einem Kumpel am Wochenende des 26./27. August 2018 bei einem BMW-Händler in Vechta 8 BMW aufgebrochen haben, um Lenkräder, Navigationssysteme, Tachos, Klimaanlagen und Bedienungselemente auszubauen und mitzunehmen. Der Wert der Geräte laut Anklage: 21.098 Euro. Die Höhe des Schadens: 35.000 Euro.

Wie die Beamten den jungen Herren im Ausland finden konnten? An einem Entriegelungsknopf fand die Polizei eine DNA-Spur. Ein Abgleich der Daten über Ländergrenzen brachte in Litauen den Treffer. Jetzt hatte sich der Mann vor dem Schöffengericht in Vechta zu verantworten.

Wobei: Vechta war weder der Anfang noch die Endstation der Diebestour. Der 27-Jährige war unter anderem schon in Dresden wegen Hehlerei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Danach wurde er in Dänemark geschnappt. 3 Monate Haft lautete das Urteil. In Schweden gab es 4 Monate als Haftstrafe.

In Polen wurde der 27-Jährige festgenommen

Dann war der Angeklagte wieder mal in Litauen, wo er Frau und Kind hat. Er wollte zurück nach Deutschland, wurde aber in Polen in einem Flugzeug aufgrund des Haftbefehls aus Vechta und einer europaweiten Fahndung am 30. November 2020  festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Am 13. Januar 2021 schließlich wurde er nach Vechta überstellt. Eine klare Verbesserung, befand der 27-Jährige vor Gericht. In Polen habe er sich mit 3 Männern eine Zelle teilen müssen. Da sei es hier doch wie "im Paradies“.

Zur Straftat in Vechta, die er gestand – es blieb ihm wohl auch nichts anderes übrig, da die DNA-Spur nicht anzuzweifeln war – erklärte der 27-Jährige, er habe einen in Deutschland wohnenden Verwandten besucht. Er habe kein Geld mehr gehabt. Da hat ihm der Verwandte vorgeschlagen, klauen zu gehen. Er sei mit ihm zu dem BMW-Händler gefahren und sei auch bei ihm geblieben. Er habe die Teile ausgebaut;  sein Verwandter habe diese vermarkten wollen. Dessen Name könne er nicht nennen. Und: Er selbst habe 1.500 Euro als Lohn bekommen.

Ein reisender Dieb – keine guten Voraussetzungen für eine Bewährungsstrafe

Der Staatsanwalt fasste zusammen. Schwerer Diebstahl, unter Bewährung; weitere Straftaten in Dänemark und Schweden; ein  Schaden von 35.000 Euro; Beute im Wert von mehr als 21.000 Euro – macht einen Antrag auf eine Haftstrafe von einem Jahr und  10 Monaten ohne Bewährung. Der Haftbefehl bleibe in Kraft. 21.098,17 Euro sollten eingezogen werden. Die Verteidigerin konnte sich eine Bewährung vorstellen. Der Mann habe gute Berufsaussichten und eine Familie in Litauen. Die Taten in Dänemark und Schweden seien ja auch nach der Tat in Vechta gewesen.

Das Gericht kam im Urteil zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 6 Monaten ohne Bewährung, zur Beibehaltung des Haftbefehls und zur Einziehung der 21.098,17 Euro. Wer durch Europa reise, dabei sehr professionell Autoteile ausbaue und entwende, könne nicht mit einer Strafe auf Bewährung rechnen, so der Vorsitzende Richter.

So ganz nebenbei war im Gericht zu hören, dass das 15.000 Quadratmeter große Gelände mit vielen teuren Autos bestückt ist, aber eine Videoüberwachung zumindest am Tattag fehlte. So gesehen war es wohl ein sehr glücklicher Zufall, dass der 27-Jährige trotzdem er Handschuhe trug, eine winzige DNA Spur hinterließ, die dann in Litauen festgestellt wurde. Glück für die Justiz, Pech für den Täter.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.

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