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"Vechta Cares" hat einen Namen auf Lesbos

Die Hilfsorganisation kümmert sich seit einem Jahr um notleidende Flüchtlinge auf der griechischen Insel. Inzwischen zeigt sich immer mehr, wie wichtig ein Netzwerk ist.

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Die Hilfsgüter finden dankbare Abnehmer im Flüchtlingslager. Der Verein "Vechta Cares" hat mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren schon fünf Transporte auf den Weg nach Lesbos gebracht. Foto: Vechta Cares

Die Hilfsgüter finden dankbare Abnehmer im Flüchtlingslager. Der Verein "Vechta Cares" hat mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren schon fünf Transporte auf den Weg nach Lesbos gebracht. Foto: Vechta Cares

Mit deutlichen Worten hat Papst Franziskus am vergangenen Wochenende bei seinem Griechenland-Besuch den Umgang mit Flüchtlingen in Europa angeprangert, zugleich aber auch den vielen freiwilligen Helfern gedankt, die den notleidenden Menschen auf der Insel Lesbos zur Seite stehen. Bei dem Lob darf sich eine Gruppe aus dem Oldenburger Münsterland durchaus angesprochen fühlen. Der Verein "Vechta Cares" kümmert sich um die Bewohner im Flüchtlingslager.

Vorsitzender Dominik Wilming und seine Mitstreiter können schon ein wenig stolz auf ihre bisher geleistete Arbeit sein. Vor genau einem Jahr haben die Vechtaer ihren Verein gegründet und wenige Wochen später ihren ersten Lastwagen nach Griechenland geschickt, um die Menschen im Flüchtlingslager "Kara Tepe" mit Schlafsäcken, Kleidung und Lebensmitteln zu versorgen. Inzwischen stehen fünf Hilfstransporte zu Buche.

Mitglieder sammeln Spenden in Höhe von fast 35.000 Euro

"Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Not der Menschen zu lindern", erklärt Wilming. Er weiß aus vorherigen Projekten, dass sich solche Ziele nur mit vereinten Kräften und finanzieller Unterstützung erreichen lassen. So ist es dem aktuell zehn Mitglieder zählenden Verein gelungen, Spenden in Höhe von fast 35.000 Euro zu sammeln. Die Mittel stammen von Unternehmen, Institutionen und auch Privatpersonen.

Freiwillige Helfer packen die Lieferungen aus Deutschland aus. In den Kartons befinden sich auch Lebensmittel. Foto: Vechta CaresFreiwillige Helfer packen die Lieferungen aus Deutschland aus. In den Kartons befinden sich auch Lebensmittel. Foto: Vechta Cares

Neben dem Einwerben von Spendengeldern ist es den Vechtaern gelungen, ein großes Netzwerk aufzubauen. Es bestehen mittlerweile enge Kontakte zu anderen Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland. "Wir unterstützen uns gegenseitig. Es sind verschiedenste Gruppierungen. Jeder hat sein Spezialgebiet. Manche haben die Hilfsgüter, andere die Transporter", erläutert Wilming das gute Miteinander.

Wie wichtig solche Kooperationen für alle Beteiligten sind, hat sich bereits beim ersten Hilfstransport nach Lesbos gezeigt. Die Vechtaer hatten damals für ihre eingekauften Hilfsgüter einen Lastwagen organisiert und noch freien Platz auf der Ladefläche. Davon sollte die Organisation "Europe Cares" profitieren, die gerade auf der Suche nach einer Beförderungsmöglichkeit für ihre Kleiderspenden war.

Ein Vorstandsvertreter von "Europe Cares", Lennard Everwien, ist inzwischen nach Lesbos gegangen, um sich um die Betreuung einer Hilfsstation zu kümmern und als Bindeglied in die Heimat zu fungieren. Der persönliche Austausch mit dem Kooperationspartner ist für Wilming enorm wichtig: "Wir haben somit auch die Sicherheit, dass unsere Sachen wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden."

„Wir werden als Partner von anderen Organisationen akzeptiert und müssen uns in keiner Weise verstecken“Dominik Wilming, Vorsitzender des Vereins "Vechta Cares"

Während sich einige große Hilfsorganisationen inzwischen anderweitig orientieren, gewinnt "Vechta Cares" auf der griechischen Insel immer mehr an Bedeutung in der Flüchtlingshilfe. "Wir werden als Partner von anderen Organisationen akzeptiert und müssen uns in keiner Weise verstecken", sagt der 52-jährige Vechtaer und fügt schmunzelnd hinzu: "Unser Name ist auf Lesbos schon bekannter als in Vechta."

Die Hilfsbedürftigkeit auf der Insel Lesbos sei nach wie vor groß, berichtet Wilming. Es würden immer noch mehr als 3000 Flüchtlinge im Übergangslager "Kara Tepe" leben, das vor gut einem Jahr in Windeseile errichtet wurde, nachdem ein Großbrand das berüchtigte Auffanglager "Moira" fast komplett zerstört hatte. Nun müssten die Menschen erneut in Zelten und Containern durch den Winter kommen.

Der Papst habe sehr klare Worte gefunden, indem er den internationalen Stillstand beim Thema Migration kritisiert habe, so Wilming. Er selbst hoffe, dass die Problematik durch den Besuch des Kirchenoberhauptes wieder mehr Aufmerksamkeit erfahre. Die europäischen Staaten dürften hier nicht weggucken, zumal immer wieder Flüchtlinge ihr Leben riskieren würden, um von der Türkei über das Meer nach Lesbos zu kommen.

Sechster Hilfstransport startet Anfang Januar

In die politische Debatte möchte sich der Vereinsvorsitzende nicht einmischen. Ihm geht es vielmehr darum, den Menschen in ihrer aktuellen Situation auf direktem Weg zu helfen. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für den sechsten Transport. Spätestens Anfang Januar soll ein Lastwagen unter anderem mit Kleidung, Nahrungsmitteln, Spielsachen und Corona-Schnelltests auf die Reise nach Griechenland gehen.

Um solche Touren auch in Zukunft finanzieren und gegebenenfalls auf andere Gebiete ausweiten zu können, hoffen Wilming und Co. weiterhin auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Sachspenden werden nicht angenommen, aber jeder Euro ist willkommen. Darüber hinaus will der Verein dazu beitragen, dass über die Flüchtlingsproblematik gesprochen wird und das Thema im Bewusstsein der Menschen bleibt.

Vor gut einem Jahr wurde das Übergangslager Kara Tepe“ auf der Insel Lesbos errichtet. In den Containern und Zelten leben immer noch mehrere tausend Menschen. Foto: Vechta CaresVor gut einem Jahr wurde das Übergangslager „Kara Tepe“ auf der Insel Lesbos errichtet. In den Containern und Zelten leben immer noch mehrere tausend Menschen. Foto: Vechta Cares

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