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Unterricht per Zoom, Skype und WhatsApp

Wie die Dinklager Musikschule Romberg versucht, in der Corona-Krise den Kontakt zu ihren Schülern zu halten.

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Aus der Schockstarre zum Online-Unterricht: Heere Junker lehrt an der Musikschule Gitarre – aktuell via Skype. Foto: Junker

Aus der Schockstarre zum Online-Unterricht: Heere Junker lehrt an der Musikschule Gitarre – aktuell via Skype. Foto: Junker

Viele Unternehmen setzen auf Kurzarbeit, Angestellte arbeiten im Homeoffice, fast alle Einzelhandelsgeschäfte sind geschlossen: Die Corona-Pandemie verändert das gesellschaftliche Leben zur Zeit massiv. Betroffen von diesen Umwälzungen wegen des Corona-Virus sind auch die Musikschulen, die ebenfalls ihre Türen für den Unterricht schließen mussten. Er sei nach dieser Nachricht zunächst eine Woche in Schockstarre gefallen, erzählt Heere Junker. Der Wildeshauser ist Lehrer an der Musikschule Romberg in Dinklage. Nach dem ersten Schock überlegte Heere Junker, wie er seine Schüler weiterhin unterrichten könnte. Die Antwort darauf war dann: Eines der Online-Angebote nutzen.

Viele von Junkers Kollegen dachten ähnlich. Sie unterrichten und kommunizieren jetzt via Zoom und Skype, WhatsApp und Video mit ihren Schülern. Allerdings sind die Lösungen und Ansätze, wie sie dieser Herausforderung begegnen, so unterschiedlich wie die Instrumente, die sie unterrichten und die Erfahrungen der einzelnen Lehrer in dieser Hinsicht, berichtet Musikschulleiter Konrad Hartong. Einige kreative Lehrer sind mit der Umsetzung eines Online-Angebots deutlich weiter als jene, die aufgrund ihrer persönlichen Situation noch gar nicht damit begonnen haben.

Das Angebot der Musikschule Romberg für ihre zur Zeit mehr als 1200 Schüler beginnt bei Übungsplänen, die per E-Mail an die Schüler geschickt werden, geht über die Analyse des Übungsstandes per Telefon oder Handy-Videos und endet mit umfangreichen Versuchen, den Unterricht online zu realisieren. Alle diese Angebote werden – egal in welcher Form – von vielen Schülern genutzt, sagt Hartong. Sie sind freiwillig, zumal gerade Osterferien sind. Gleichzeitig sind es aber auch Überlegungen und Übungen für den Fall, dass der Unterricht nach dem 19. April nicht in bewährter Form fortgesetzt werden kann.

„Vor der größten Herausforderung stehen wir naturgemäß bei großen Gruppen“, erklärt Konrad Hartong. Unterricht in bewährter Form funktioniere online beim Kinderchor zum Beispiel ebenso wenig wie bei der musikalischen Früherziehung. Mit Videosequenzen und Hilfetexten sollen diese beiden Gruppen etwa mit Unterrichtsmaterialien versorgt werden.

Der Unterricht in digitaler Form ähnelt sich nicht dem herkömmlichen Unterricht an der Musikschule Romberg. Er bietet aber eine Möglichkeit, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben und auch diese Zeit sinnvoll zu nutzen, findet Hartong. Das gemeinsame Musizieren ist aufgrund der Verzögerung bei der Übertragung der Daten über das Internet ausgeschlossen. Aber mit Hilfe von kreativen Frage- und Antwort-Spielen oder dem Vor- beziehungsweise Nachspielen von einzelnen musikalischen Teilen ist es sogar möglich, neue Titel zu erarbeiten.

Das findet auch Thomas Mertens. „Man ist deutlich mehr auf sein Gehör angewiesen bei der Korrektur des Gespielten, da man oftmals nicht sieht, was der Schüler oder die Schülerin spielt“, bestätigt der Pianist, der in der Regel komplexere Klänge seiner Schüler zu analysieren hat als bei einem reinen Melodieinstrument. Dennoch versucht auch er, neue Wege zu gehen und mit Hilfe digitaler Technik seinen Unterricht in veränderter Form fortzusetzen. Zurzeit setzt Thomas Mertens da jedoch die Situation, das notwendige Zubehör zu beschaffen, einige Grenzen.

Er beschreibt seine Herangehensweise als Distance Learning – als Lernen auf Distanz – und nutzt dabei verschiedenste kostenlose Handyapps. Die Schüler sollen neues Material selbstständig erarbeiten. Sind die Schüler unsicher und haben Fragen, versucht Thomas Mertens, Hilfestellungen zu geben.

Thomas Stan Hempken geht bei seinem Schlagzeugunterricht den Weg, nicht mehr direkt mit den Schülern in Kontakt zu treten, sondern benutzt dazu Videos, die hin- und hergeschickt werden. „Die Qualität der Bild- und Tonübertragung ist so eindeutig besser“, sagte er. „Ich kann mich dann deutlich entspannter auf das Unterrichtsgeschehen konzentrieren und die Ohren von meinen Schülern und mir werden geschont.“

Setzt auf Videos: Schlagzeuger Thomas Stan Hempken. Foto: Hemken Setzt auf Videos: Schlagzeuger Thomas Stan Hempken. Foto: Hemken 

Das liege zum einen an der meist mangelnden Qualität der verwendeten Endgeräte und der Tatsache, dass man bei den meisten älteren Smartphones keine Audioeinstellungen vornehmen kann. Zudem sei die Qualität der gefilmten und versendeten Videos besser als der Livestream, da hier zumeist eine weitere Person aktiv filmt und so das eigentliche Spiel der Schüler und Schülerinnen in den Fokus kommt – anders als bei fest positionierten Endgeräten. Thomas Hempken hat noch eine Beobachtung gemacht: Seine Schüler strengten sich mehr an, wenn sie ein Video produzieren, bei dem sie letztlich unendlich oft neu anfangen können.

Überhaupt sind die Grenzen beim Online-Unterricht derzeit am ehesten durch die technischen Voraussetzungen beziehungsweise Gegebenheiten gesetzt, haben die Musikschullehrer festgestellt. Ist die Internetgeschwindigkeit zu gering, der Datendurchsatz zu klein, dann müsse man auch schon einmal Wartezeiten bei der Übertragung in Kauf nehmen. Trotzdem sind die Rückmeldungen durchgängig positiv, berichtet Peter Reckzeh, der in Dinklage Gitarre unterrichtet.

„Die Schüler und Schülerinnen freuen sich, wenn sie sich – auch wenn es nur virtuell ist –, in ihren Lerngruppen wiedersehen. Und für uns als Lehrer ist es ebenfalls eine neue Sichtweise.“ Denn der Unterricht findet in privaten Räumen statt. Reckzeh findet: „Einige Schüler agieren in dieser für sie bekannten Umgebung deutlich sicherer als dies teilweise im herkömmlichen Unterricht der Fall ist.“

Auch für die Eltern der Schüler ändert sich eine Menge. Denn sie sind jetzt direkt am Geschehen beteiligt und bekommen so eine augenblickliche Rückmeldung über den Lernstand. Zudem werde der Kontakt zu den Eltern enger, sagt Peter Reckzeh. Denn vor allem bei jüngeren Schülern müssen Eltern für den Aufbau der digitalen Kette sorgen, eigenes Scheitern und Lernen inbegriffen.

Die interne Kommunikation an der Musikschule findet gerade ebenfalls über das Internet statt: Es gibt Schulungen für Kollegen für den Online-Unterricht, die Lehrer tauschen Gedanken und Erfahrungen in einem Portal aus. „Nur so können wir dieser Herausforderung begegnen und das Beste für unsere Schüler möglich machen“, sagt Konrad Hartong. So gut der Onlineunterricht in vielen Bereichen derzeit läuft, findet der Leiter auch: „Ich freue mich, wenn wir den Unterricht wieder am bekannten Ort und in bekannter Form aufnehmen können.“

  • Info: Auf der Homepage www.musikschule-romberg.de gibt es Links zum Thema „online musizieren“.

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