Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Unsere Justiz kennt kaum Ländergrenzen

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Zwei 32 und 31 Jahre alte Iraker sind mit Cannabis und Marihuana auf der Autobahn bei Bakum erwischt worden. Mehr als 4 Jahre später folgte der Prozess.

Artikel teilen:

Unsere Justiz kennt kaum Grenzen. Es dauert manchmal etwas länger, aber irgendwann klicken die Handschellen. So erging es aktuell auch zwei 34 und 31 Jahre alten Irakern, die in Kopenhagen wohnten und noch weiter wohnen werden.

Im April 2018 wurden sie auf der Autobahn bei Bakum gestoppt. In ihrem Porsche Cayenne fand die Polizei eine erhebliche Menge an Cannabis und Marihuana. Fast 4,5 Jahre später wurden sie vom Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt. Der eine zu 2 Jahren, der andere zu einem Jahr und 8 Monaten. Die Bewährungszeit dauert 4 Jahre. Jede Fahrt nach Deutschland muss angemeldet werden. 

Zur Sache: Insgesamt vier Männer aus Kopenhagen fuhren mit dem Porsche von Kopenhagen nach Amsterdam, um "einzukaufen". Auf dem Rückweg kam die Kontrolle. 

"Bei dem Fahrer und dem Beifahrer fand die Polizei Betäubungsmittel, einer hatte sie gar in der Unterhose versteckt."Klaus Esslinger

Bei dem Fahrer und dem Beifahrer fand die Polizei Betäubungsmittel, einer hatte sie gar in der Unterhose versteckt. Beide räumten die Tat ein, nannten ihren Wohnsitz und zahlten je 500 Euro. Dabei glaubten sie, damit sei die Sache erledigt. Ihnen wurden die Drogen abgenommen und dazu 6750 bzw. 3800 dänische Kronen.

Hätte man die beiden mittels richterlichen Beschlusses in Untersuchungshaft geschickt, hätte es spätestens nach 6 Monaten eine Gerichtsverhandlung in Vechta geben müssen. Und können; die Angeklagten wären ja vor Ort gewesen. 

So aber ging die Suche los. Die Kopenhager Anschrift war bekannt, es wurde eine Verhandlung angesetzt, dazu erschienen die Beiden nicht.

Drogen sind in Dänemark teuer

Einer meldete sich später, nahm Kontakt mit der Pflichtverteidigerin per WhatsApp auf und der andere wurde am 28. Juli 2022 auf dem Flughafen in Barcelona aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen, nach Deutschland gebracht und wartete dort auf die aktuelle Verhandlung. In der Verhandlung räumten die Männer den Import der Drogen ein. Sie seien Drogenkonsumenten gewesen.

In Dänemark sei der Drogenkauf teuer und schwierig. Deshalb sei man in die Niederlande nach Amsterdam gefahren. Man habe etwas mehr eingekauft, es habe sich schließlich lohnen müssen. Wobei alles für den Eigengebrauch gedacht gewesen sei; nicht für den Verkauf. 

Die Menge war dennoch "nicht gering", wie es vor Gericht heißt. Darauf steht die Mindeststrafe von 2 Jahren. Es sei denn, es liegt ein „minderschwerer“ Fall vor, den sah der Staatsanwalt aber nicht. Er beantragte 2 Jahre und 10 Monate und 1 Jahr und 10 Monate ohne Bewährung. Die Verteidigerinnen beantragten für beide eine Bewährung.

Dem Schöffengericht lag auch das dänische Strafregister vor und daraus wurde deutlich, dass beide Angeklagten schon mal eine Haftstrafe verbüßt hatten, in den letzten 4 Jahren aber nichts weiter passiert war.

Beide Verurteilte konnten sich auf dem Gerichtsflur freudig mit Landsleuten umarmen, die sie von Vechta nach Kopenhagen brachten.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Unsere Justiz kennt kaum Ländergrenzen - OM online