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Universität Vechta will zurück in den Alltag

Mit Beginn des Wintersemesters soll ein erster Schritt in die Präsenzlehre erfolgen. Den Anfang machen die Erstsemester. Die Online-Angebote sollen auch nach Corona eine wichtige Rolle spielen.

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Verlassene Hörsäle seit dem Lockdown im Frühjahr: Ein erster Schritt zur Normalität soll Anfang November kommen. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln werden aber wohl nur zehn Prozent der 5000 Studierenden vor Ort sein. Foto: Speckmann

Verlassene Hörsäle seit dem Lockdown im Frühjahr: Ein erster Schritt zur Normalität soll Anfang November kommen. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln werden aber wohl nur zehn Prozent der 5000 Studierenden vor Ort sein. Foto: Speckmann

Seit dem Lockdown im Frühjahr wirkt die Universität Vechta wie ausgestorben. Die Hörsäle sind verwaist, Studierende und Professoren sitzen daheim an ihren Rechnern, versuchen den Lehrbetrieb auf digitalem Wege aufrechtzuerhalten. Das dürfte aufgrund der Corona-Pandemie in vielen Bereichen weiterhin so bleiben. Doch mit Beginn des Wintersemesters Anfang November soll wieder etwas Leben auf dem Campus einkehren. Es ist ein kleiner Schritt zurück zur Normalität.

Im Einklang mit anderen Hochschulen im Land Niedersachsen seien alle Beteiligten bestrebt, „ein fast normales Gesicht einer Universität zu präsentieren“, erklärt Präsident Professor Dr. Burghart Schmidt. Er stellt eine sukzessive Rückkehr zur Präsenzlehre in Aussicht, auch wenn das besagte Gesicht mit dem früheren Betrieb vorerst nicht vergleichbar sein wird. Das lassen die Abstands- und Hygieneregeln nicht zu.

Präsenzlehre nur für 10 Prozent der Studierenden möglich

In diesen Tagen werden die Begrüßungspakete für die Erstsemester zusammengestellt. Es sollen die ersten Studenten sein, die in den Genuss der Präsenzlehre kommen und somit ihre neue Wirkungsstätte kennenlernen. Die Personen müssen sorgfältig auf etliche Räume verteilt werden. Damit sind die Kapazitäten für andere Jahrgänge erschöpft. Nach Angaben des Präsidiums können wohl nur etwa 10 Prozent der rund 5.000 Studierenden vor Ort sein.

Ist mit der bisherigen Bewältigung der Krise zufrieden: Professor Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Universität Vechta. Foto: Universität VechtaIst mit der bisherigen Bewältigung der Krise zufrieden: Professor Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Universität Vechta. Foto: Universität Vechta

Laut Professor Dr. Kim-Patrick Sabla-Dimitrov, Vizepräsident für Lehre und Studium, ist zunächst lediglich eine 90-minütige Veranstaltung pro Woche für die Erstsemester geplant. Hinzu sollen mehrere Online-Angebote kommen, dessen Umfang aber ebenfalls begrenzt ist. Eine enge Taktung ist nicht möglich. Es braucht seine Zeit, bis die Studierenden den Campus verlassen und wieder zuhause am Rechner sitzen.

Gedanklich ist das Präsidium schon einen Schritt weiter. Sofern sich die Pandemie-Lage entspannt, könnte die Uni weiter geöffnet werden. Im Sommersemester soll der Fokus auch auf Jahrgängen liegen, die mit ihrem Studium weiter fortgeschritten sind oder schon vor dem Abschluss stehen. An dem Hybrid-Modus, also der Mischung aus Digital- und Präsenzlehre, dürfte aber auch hier kein Weg vorbeiführen.

Den Verantwortlichen ist bewusst, dass die jungen Menschen zurück in den Alltag wollen. Aber die Gesundheit habe Vorrang, unterstreicht Schmidt. Hier gehe es nicht nur um die Situation in Vechta, sondern um die ganze Region, die von den Reisetätigkeiten der Studierenden und Beschäftigten betroffen sei. Außerdem sei die Uni nicht mit einer Schule zu vergleichen, wo in Klassenverbänden unterrichtet werde. Es gebe es immer wieder Durchkreuzungen bei Veranstaltungen.

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und der Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts für den Landkreis Vechta hat das Präsidium am Dienstag entschieden, dass alle Prüfungen und sonstigen Veranstaltungen vor Ort vorerst ausgesetzt werden. „Für die in den nächsten Tagen geplanten Prüfungen in Präsenz gilt somit, dass diese abgesagt und zum nächstmöglichen Zeitpunkt nachgeholt werden sollen“, erklärt Sabla-Dimitrov.

Herausforderung für alle Beteiligten

Dass die Sorgfalt im Umgang mit der Pandemie groß geschrieben wird, hat sich schon beim Lockdown im Frühjahr gezeigt. „Wir haben sehr schnell gehandelt und gehörten zu den ersten Universitäten in Niedersachsen, die in den Notbetrieb gegangen sind“, erinnert der Präsident. Glücklicherweise sei der Zeitpunkt in die Semesterferien gefallen, sodass kaum Studierende vor Ort gewesen seien. Gleichwohl sei die Situation eine große Herausforderung für alle Beteiligten gewesen.

In dem eigens einberufenen Krisenstab habe es viele Gespräche über die weitere Vorgehensweise gegeben, berichtet Dr. Marion Rieken, Vizepräsidentin für Personal und Finanzen. Nach dem Lockdown sei der Betrieb aber nie ganz eingestellt worden. Schließlich sei es darum gegangen, das nächste Semester zu organisieren. In die Planung seien auch die Studierenden einbezogen worden.

Das Präsidium räumt ein, dass die Kommunikation und auch die studentische Begleitung anfänglich ein Problem gewesen sei. Professor Dr. Michael Ewig, Vizepräsident für Forschung, Nachwuchsförderung und Transfer, erwähnt in diesem Zusammenhang den eingeschränkten Kontakt zu externen Einrichtungen. Auch die Informationsbeschaffung in der Bibliothek sei vorübergehend nicht möglich gewesen. Der Lesesaal bleibe zwar noch geschlossen, aber es stünden isolierte Arbeitsplätze zur Verfügung.

Mit der Umstellung auf die Online-Lehre zeigen sich die Verantwortlichen zufrieden. „Das ist uns insgesamt sehr gut gelungen“, erklärt Schmidt rückblickend. Das Angebot sei an vielen Stellen vorbildhaft. Die Infrastruktur im Hause sei schon vorher gut gewesen, aber die Digitalisierung habe durch die Krise einen großen Schub gemacht. „Vieles, was wir jetzt erleben, werden wir auch in Zukunft weiterführen“, kündigt der Präsident an.

Qualitätszirkel soll Blick in die Zukunft richten

Die Uni hat einen Qualitätszirkel ins Leben gerufen. Hier sollen Menschen mit ihrer Erfahrung und Expertise helfen, damit die Einrichtung die aktuellen Probleme bewältigt, sich aber auch für die Zukunft besser aufstellt, sagt Krisenstab-Leiterin Rieken. Hier geht es etwa um die Verbesserung der digitalen Ausstattung und die Organisation des Homeoffice, aus dem die etwa 500 Beschäftigen nach und nach zurückkehren.

Sabla-Dimitrov kann sich gut vorstellen, dass digitale Angebote auch über die Corona-Zeit hinaus aufrecht erhalten werden. Die Plattformen hätten sich bei mündlichen Prüfungen oder auch Gesprächsterminen bewährt. Gleichwohl sei der Weg über das Internet kein Ersatz für die Arbeit vor Ort. Nicht nur in der Lehre sei der persönliche Austausch wichtig. Auch außerhalb des Hörsaals bräuchten die Studierenden Raum zur Begegnung und Vernetzung.

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