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Uni Vechta leitet großes Forschungsprojekt zur Entwicklung des Nordwestens

Ein Hochschulverbund erforscht Bedingungen des Wandels und soll Lösungen für die Zukunft der Region erarbeiten. Dafür gibt es 6 Millionen Euro vom Land. (Update)

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Neue Wege in der Forschung: Die Uni Vechta. Foto: Chowanietz

Neue Wege in der Forschung: Die Uni Vechta. Foto: Chowanietz

Es geht um die Zukunft des Nordwestens von Niedersachsen: Die Region muss sich in vielfältiger Weise einem Wandel stellen, Wege finden, ihn zu bewältigen. In der Wirtschaft, im Agrarsektor und in der Industrie, in der Gesellschaft, in der Gesundheitsversorgung, im Verkehrswesen. In diesen und vielen anderen Bereichen sind Veränderungen im vollen Gang oder bald absehbar – oder notwendig, wenn es um möglichst gute Perspektiven für die kommenden Jahrzehnte geht.

Eine Wappnung ist erforderlich, eine Umstellung auf breiter Ebene, wenn neue klimatische Verhältnisse herrschen, der Druck durch den globalen Markt zunimmt, die Digitalisierung voranschreitet oder wenn in der Bevölkerung die Zahl der älteren Menschen deutlich höher ist als die der jüngeren.

Das Fachwort für diese Vorgänge und ihre Auswirkungen lautet: Transformation. Wie sie funktioniert – aber insbesondere auch wie sie vor Ort gesteuert werden kann, dies herauszuarbeiten ist das Ziel eines groß angelegten Forschungsprojekts dreier Hochschulen mit der Universität Vechta an der Spitze. Konkrete Lösungen sollen der Nordwest-Region und ihren ländlichen Räumen helfen, sich zukunftsfest aufzustellen.

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) überbrachte hierfür am Mittwoch in Vechta den Bewilligungsbescheid für die Landesförderung, die sich insgesamt auf 6 Millionen Euro beläuft. Die erste Tranche beträgt 2 Millionen Euro. Das Fördergeld stammt aus dem Programm Niedersächsisches Vorab der Volkswagen-Stiftung.

In der Region besteht ein großer Bedarf an Lösungen

Dem Forschungsverbund gehören neben der Uni Vechta die Jade-Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth und die Hochschule Emden/Leer an. Bei Teilprojekten sind zudem Forscher der Universitäten Oldenburg und Göttingen mit eingebunden. Vier Jahre lang befasst sich der Hochschulverbund mit dem Titel „4N Nordwest Niedersachsen Nachhaltig Neu“ mit den Herausforderungen in der Region – und damit, wie die Transformation gelingen kann.

Der Bedarf sei „groß“, sagte die Präsidentin der Uni Vechta, Professorin Dr. Verena Pietzner, bei der Präsentationsveranstaltung anlässlich der Überreichung des Förderbescheids. Als konkretes Forschungsgebiet nannte Pietzner den Südoldenburger Raum. Dieser ringe „mit den Kapazitätsgrenzen, die sich für die hochproduktive Intensivlandwirtschaft ergeben und den Problemen, die daraus resultieren“.

"Die enge Verzahnung mit der Region ist eine große Besonderheit, die es uns ermöglichen wird, die vielfältigen Aspekte der Transformation möglichst genau zu erfassen."Professorin Dr. Verena Pietzner, Präsidentin der Uni Vechta

Oder: Der industriell geprägte Raum um Emden herum (Automobilherstellung, Werften) stehe vor den Herausforderungen des Strukturwandels. Und weiter: Dem „zu wenig“ an Menschen in ländlichen Gebieten Ostfrieslands stehe ein „zu viel“ an Menschen gegenüber, die als Touristen an die Küste strömen.

Die Beispiele zeigen: Der Nordwesten ist vielgestaltig und von wirtschaftlicher Spezialisierung in den Teilregionen gekennzeichnet, zugleich gibt es viele Gemeinsamkeiten kultureller oder landschaftlicher Art. Bei der Arbeit an Lösungen zu den Herausforderungen, die sich umfassend stellen, soll es die Kooperation der Wissenschaft mit Bürgern, Unternehmen und mit der Politik geben.

„Die enge Verzahnung mit der Region ist eine große Besonderheit, die es uns ermöglichen wird, die vielfältigen Aspekte der Transformation möglichst genau zu erfassen“, sagte Pietzner. Es gehe um eine detaillierte Analyse der durchlaufenen Transformationsprozesse und um die Identifizierung eines noch zu gestaltenden Wandels.

Innovationen werden in Reallaboren getestet

Von zentraler Bedeutung für das 4N-Projekt ist mit Blick auf die praktische Umsetzung von Forschungsansätzen die Einrichtung von sogenannten Reallaboren. Dabei handelt es sich um Räume, in denen innovative Technologien, Produkte, Dienstleistungen oder Bildungskonzepte erprobt und weiterentwickelt werden.

Pietzner nannte Mobilitätskonzepte in ländlichen Gebieten und die Erreichbarkeit medizinischer Versorgungseinrichtungen als Beispielthemen für solche Testläufe. Auch Wechselwirkungen werden untersucht.

Jede der drei zum Forschungsverbund gehörenden Hochschulen bringt ihre Kernkompetenz mit ein. Von Vechtaer Seite ist dies die Transformationsforschung zum ländlichen Raum (ein europaweites Alleinstellungsmerkmal der Uni). Im Fall der Hochschule Emden/Leer ist es die Thematik „Urbanism“, die Jadehochschule bringt das Geomanagement ein, die datentechnische Grundlage.

Übergabe des Förderbescheids: (von links) Professorin Dr. Verena Pietzner (Präsidentin der Uni Vechta), der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stephan Siemer, Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), Professor Dr. Gerhard Kreutz (Präsident der Hochschule EmdenLeer) und Professor Dr. Ing. Holger Saß (Vizepräsident der Jadehochschule WilhelmshavenOldenburgElsfleth). Foto: TzimurtasÜbergabe des Förderbescheids: (von links) Professorin Dr. Verena Pietzner (Präsidentin der Uni Vechta), der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stephan Siemer, Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), Professor Dr. Gerhard Kreutz (Präsident der Hochschule Emden/Leer) und Professor Dr. Ing. Holger Saß (Vizepräsident der Jadehochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth). Foto: Tzimurtas

Niedersachsens Wissenschaftsminister Thümler sieht hier eine „kongeniale Ergänzung“. Er betonte auch: Das Land erwarte sich etwas von dem Verbundprojekt. Denn: komme es zu keiner Weiterentwicklung in den einzelnen wichtigen Wirtschaftsbereichen, entstünden daraus Problembereiche, „die viel Geld kosten“.

So solle die Forschung mit Blick auf die Transformation herausfinden, „was geht und was nicht geht“. Stärken sollten erhalten werden und möglichst verbessert werden, sagte Thümler.

Ein vergleichbares Projekt gab es noch nicht

Die Wissenschaft werde in dem Projekt übergreifende Lösungen für regional unterschiedliche Herausforderungen erarbeiten, erklärte er. Es gehe um einen Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Lebensverhältnisse im Nordwesten Niedersachsens. Der Verbund stelle „sich der Herausforderung, Antworten auf sich existenziell veränderte Daseinsbedingungen zu finden“.

Thümler bestätigte auf Nachfrage von OM Online, dass es ein vergleichbares Projekt noch nicht gegeben habe. Es ist also Neuland, das hier betreten wird.

Als der Projekt-Antrag der drei Hochschulen eingereicht wurde, war noch Professor Dr. Burghart Schmidt Präsident der Universität Vechta. Er sagte gegenüber dieser Zeitung, er sehe „einen großen Mehrwert in der Interdisziplinarität und in der thematischen Breite des Vorhabens“.

"Es geht um die Menschen in der Region."Professor DR. Gerhard Kreutz, Präsident der Hochschule Emden/Leer

Der Präsident der Hochschule Emden/Leer, Professor Dr. Gerhard Kreutz, hob in einer Ansprache die soziokulturellen Aspekte des Vorhabens hervor. „Es geht um die Menschen in der Region“, sagte er. Und Professor Dr. Holger Saß, Vizepräsident der Jade-Hochschule, betonte: „Gemeinsam können wir mehr erreichen als alleine.“

Der Vechtaer CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Stephan Siemer sagte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Gerade unsere Region steht für Strukturwandel und Transformation“. Die Universität Vechta sei prädestiniert als Standort für die Forschungsinitiative.

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