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Ungewöhnliche Straftaten rund ums Auto

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Der 41-jährige Angeklagte war erst vor wenigen Wochen vom Gericht in Bersenbrück wegen sich gleichender Fälle verurteilt worden.

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Der Vorsitzende Richter des Schöffengerichtes des Amtsgerichtes Vechta sprach schon zu Beginn des Verfahrens gegen einen 41-jährigen Angeklagten aus Fürstenau von ungewöhnlichen Straftaten mit einem ungewöhnlichen Vorverhalten. Der Richter kannte die Akten und wusste, dass der Mann erst vor wenigen Wochen vom Gericht in Bersenbrück wegen sich gleichender Fälle verurteilt worden war. Es sollte sich herausstellen, dass die acht ihm vorgeworfenen Taten rund ums Auto mehr als ungewöhnlich waren.

Zur Sache: Dem Angeklagten wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, vom 14. Februar bis zum 23. März 2021 acht Straftaten begangen zu haben. Er hatte an Tankstellen getankt, nicht bezahlt, sich zwei Autos geliehen und nicht zurückgebracht und in der besagten Zeit praktisch im Auto gelebt, um sich dann selber bei der Polizei zusammen mit seiner Freundin anzuzeigen. Alles sehr dilettantisch, wie sich herausstellte, sozusagen krankheitsbedingt, die Rede war von Angststörungen.

Der Angeklagte fuhr mit dem Ford seiner Freundin zunächst Tankstellen an der Autobahn in Holdorf, Lohne. Dötlingen und wieder Holdorf (Dammer Berge- Ost an, tankte jeweils den Tank voll und fuhr ohne zu bezahlen davon. In allen Fällen wurden Fotos von dem Angeklagten und dem Auto gemacht. Daher dauerte es nicht lange, bis die Polizei das Auto sicherstellte. Dann ging er zu Fuß von Holdorf nach Damme zu einem Autohändler, nahm zwei Osnabrücker Kennzeichen mit und lieh sich einen VW-Golf. Mit dem fuhr er wieder die besagten Tankstellen an, tankte voll, ließ das Auto stehen und lieh sich einen Audi A6. Mit dem lieferte er sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, dabei fuhr er zeitweise über 200 Stundenkilometer, wurde gefasst und ging dann zwei Tage später auf Anraten seiner Freundin zur Polizei und gestand alles. Da an allen Tankstellen Fotos gemacht worden waren und er beim Ausleihen der Autos die Kopie seines Personalausweises hinterließ, waren seine Aussagen schnell nachzuvollziehen.

"Der Verteidiger machte deutlich, dass der Angeklagte sein Leben schon geändert habe und sich in der Behandlung seiner gesundheitlichen Angststörung befinde. Ein mildes Urteil sei angebracht."Klaus Esslinger

Nach der Verlesung der Anklage durch den Staatsanwalt gab er die Taten dann auch unumwunden zu und erklärte, dass er sich in psychotherapeutischer Behandlung befinde und eine entsprechende Therapie anstrebe. Dies vervollständigte der Verteidiger mit der Aushändigung eines Gutachten des behandelnden Facharztes.

Der entstandene Schaden sei ja nicht so groß gewesen, für 890 Euro getankt und nicht bezahlt, Urkundenfälschung mit den Kennzeichen und eine Vorverurteilung wegen gleicher Delikte mit einer Bewährungsstrafe von acht Monaten sollte mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 6 Monaten geahndet werden, so der Staatsanwalt.

Der Verteidiger machte deutlich, dass der Angeklagte sein Leben schon geändert habe und sich in der Behandlung seiner gesundheitlichen Angststörung befinde. Ein mildes Urteil sei angebracht. Das Gericht übernahm den Antrag des Anklagevertreters von einer Bestrafung von einem Jahr 6 Monaten auf Bewährung, setzte die Bewährungszeit auf drei Jahres fest und gab dem Angeklagten als Auflage auf, eine Therapie dem Gericht nachzuweisen. Außerdem seien von dem Verurteilten 890 Euro für die nicht gezahlten Tankrechnungen einzuziehen.


Zur Person

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre lang Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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