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Und Friede auf Erden?

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Kriege können nur durch Verhandlungen beendet werden.

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Bis zum 24. Februar konnte ich mir nicht vorstellen, dass es in Europa jemals wieder Krieg gibt. Als morgens im Fernsehen die ersten Berichte vom russischen Angriff auf die Ukraine liefen, war ich völlig fassungslos!

In Politik und Öffentlichkeit war doch bei jeder Gelegenheit betont worden, dass man aus den Katastrophen des 1. und 2. Weltkriegs mit zig Millionen von Toten, unfassbaren Zerstörungen, Gewalt, Not, Elend und Vertreibung gelernt hätte. Die Losung der Nachkriegsgenerationen lautete doch übereinstimmend in Ost und West: „Nie wieder Krieg!“

Wie aber den Frieden erhalten? Im Kalten Krieg lautete die Antwort darauf übereinstimmend: atomare Abschreckung! Darin sahen aber große Teile der Gesellschaft eine massive Bedrohung für den Weltfrieden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich zusammen mit Hunderttausenden bei den Oster- und anderen Friedensmärschen unter dem Motto: „Frieden schaffen ohne Waffen“ für die Abrüstung auf die Straße ging. Gott sei Dank waren die damals Verantwortlichen in Ost und West vernünftig genug, einen Entspannungsprozess einzuleiten. So blieb der Welt die atomare Apokalypse erspart.

Als dann die Wiedervereinigung Deutschlands und die politischen Veränderungen in Osteuropas kamen, schien für mich die Kriegsgefahr dauerhaft gebannt. Aus heutiger Sicht sicherlich naiv. Mit dem Krieg ist auch wieder der alte Streit entbrannt, wie Frieden geschaffen und erhalten werden kann. Mit oder ohne Waffen?

Bei den politischen Parteien ist ganz überwiegend die Tendenz erkennbar: „Frieden schaffen mit immer noch mehr Waffen!“Elisabeth Schlömer

Bei den politischen Parteien ist ganz überwiegend die Tendenz erkennbar: „Frieden schaffen mit immer noch mehr Waffen!“ Das gilt interessanterweise auch für Bündnis 90/Die Grünen, einer Partei, die aus der Friedensbewegung heraus entstanden ist.

Auch die Bischöfe beider christlicher Kirchen legitimieren deutsche Waffenlieferungen mit dem Selbstverteidigungsrecht der Ukraine. Dieser Linie schließt sich die frühere Landesbischöfin Margot Käßmann nicht an. „Ich denke nicht, dass dieser Krieg durch Waffen beendet wird“, sagte sie, „sondern nur durch Sanktionen, Verhandlungen und Diplomatie.“

Dem kann ich nur zustimmen! Kriege können nur durch Verhandlungen beendet werden. Sonst werden sie bis zur vollständigen Erschöpfung einer Konfliktpartei unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Waffen geführt. Gegebenenfalls auch nuklear!

Die Eskalationsspirale mit immer mehr und noch wirksameren Waffen ist ein Spiel mit dem Feuer und führt auf allen Seiten zu unsäglichem Leid, Hass und Verbitterung. Ein Teufelskreis, der Verhandlungen zunehmend schwieriger macht.

Mein Weihnachtswunsch: „Friede auf Erden“! Hört auf damit, aufeinander zu schießen und redet stattdessen! Und im Kleinen: Sprecht miteinander, geht auf den anderen zu! Denkt daran: Die besten Geschenke sitzen am Tisch und liegen nicht unterm Weihnachtsbaum!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich friedlicheres Jahr 2023.


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den „Machern – zu jung, um alt zu sein“.
  • Die Autorin erreichen 
Sie unter: 
redaktion@om-medien.de

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