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Ulf-Peter Helmstedt schließt nach fast 25 Jahren die "Brutzelei"

Es hat sich in Steinfeld wohl ausgebrutzelt: Der bekannte Imbiss-Betreiber gibt noch in diesem Jahr die Grillzange ab. Am 30. November ist Schluss – falls sich kein Nachfolger findet.

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Die Qualität hatte für ihn immer oberste Priorität: Ulf-Peter Helmstedt hat die Brutzelei 1997 übernommen. Fotos: Bergmann

Die Qualität hatte für ihn immer oberste Priorität: Ulf-Peter Helmstedt hat die Brutzelei 1997 übernommen. Fotos: Bergmann

Der Zeiger der Kirchturmuhr hat seit dem September 1997 viele Runden gedreht. Im Ortskern hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Doch bisher dachte man: Es gibt kein Steinfeld mehr ohne die Brutzelei.

Nun endet eine Ära. Betreiber Ulf-Peter Helmstedt wird noch in diesem Jahr die Grillzange an den Nagel hängen und den beliebten Imbiss zwischen Kirche und Rathaus schließen. An 6 von 7 Tagen der Woche hat der Küchenmeister dann fast 25 Jahre lang die Steinfelder mit Gyrosburger, Pommes und Schnitzel versorgt.

Den Vechtaer zieht es künftig in den Landkreis Diepholz

"Wir möchten es in Zukunft etwas ruhiger angehen", sagt der 59-Jährige. Im Juni, als die Verlängerung der Pacht anstand, habe er sich daher mit Frau Gabriele zu diesem Schritt entschieden. Das in Vechta lebende Ehepaar freut sich stattdessen auf eine neue Herausforderung. Der Verein, für den Gabriele Helmstedt als Suchtberaterin tätig ist, öffnet eine Tagesstätte im Landkreis Diepholz. Ihr Mann wird sich dort um den Bereich Küche und Hauswirtschaft kümmern.

"Als ich die Brutze übernahm, hatte ich anfangs keine Ahnung von Fast Food."Ulf-Peter Helmstedt

Dem Abschied aus Steinfeld schaut Ulf-Peter Helmstedt mit einem lachenden, vor allem aber mit einem weinenden Auge entgegen. "Ich habe keinen Tag bereut", betont er. Dabei wäre die Geschichte 1997 fast anders verlaufen. Denn der gebürtige Leverkusener, der damals für die Kreishandwerkerschaft Vechta tätig war, wollte sich bereits in der Kreisstadt selbständig machen. Dann habe er jedoch den Tipp vom Steinfelder Steuerberater Otto Wüst bekommen, dass der Imbiss einen Nachfolger sucht. Etwas Neues für den Koch: "Als ich die Brutze übernahm, hatte ich anfangs keine Ahnung von Fast Food", gesteht er und schmunzelt.

Für den international erfahrenen Küchenmeister, der unter anderem schon für den König von Saudi-Arabien das Mahl zubereitete, stand eines allerdings fest: Vom Fett über die Kartoffel bis zur Frikadelle – "die Qualität steht an erster Stelle". Dies sei wohl einer der zentralen Gründe, weshalb sich die Brutzelei in all den Jahren über zahlreiche Besucher und Stammkunden freuen durfte, erklärt Helmstedt. Die Kontinuität und Qualität wüssten seine Gäste zu schätzen. So kommen heute Kunden, die als Kinder selbst in der Brutzelei gegessen haben, mittlerweile mit dem eigenen Nachwuchs vorbei.

Was er künftig an Steinfeld vermissen wird? "Die Menschen und der persönliche Austausch", antwortet Ulf-Peter Helmstedt. Zwischen dem in Steinfeld bekannten Imbiss-Betreiber und seinen Kunden sind über die Jahre viele persönliche Bindungen entstanden. Der Gastronom kann auf viele Anekdoten zurückblicken. Auch Freundschaften haben sich entwickelt. Diese sind zum Teil sogar über die Welt verstreut – etwa durch den Sportstall Paul Schockemöhle aus Mühlen. "Wir haben erst kürzlich Freunde in England besucht, die wir durch die Brutzelei kennengelernt haben."

Zum Krötenzug bot der Koch einen legendären "Kröten-Teller" an

Gabriele Helmstedt, die wie auch der Sohn Daniel regelmäßig in der Brutzelei geholfen hat, wird vor allem den Krötenumzug vermissen. "Der Zusammenhalt und das gemeinsame Feiern hat mich immer fasziniert", sagt sie. Es gab an diesem Ausnahmetag nie Zwischenfälle, die Stimmung war immer super, erinnert sie sich. Manchem Steinfelder Schützen wird der legendäre Kröten-Teller – Schnitzel nach Wahl mit Pommes "für ein paar Kröten" – beim nächsten Umzug wohl fehlen.

Ulf-Peter Helmstedt würde sich wünschen, dass jemand, wie er einst, die Brutzelei weiterführt.Ulf-Peter Helmstedt würde sich wünschen, dass jemand, wie er einst, die Brutzelei weiterführt.

Am 30. November wird die Brutzelei voraussichtlich das letzte Mal öffnen. "Falls sich kein Nachfolger findet", sagt der Küchenmeister. "Mit der Brutzelei lässt sich eine gute Existenz aufbauen", ergänzt er. So hätte der Imbiss die Corona-Zeit ohne größere staatliche Hilfen zum Großteil durch die eigenen Einnahmen überstanden. Und er ist sich sicher: "Mit neuen Ideen oder einem veränderten Sortiment lässt sich hier noch viel machen." Das Inventar und die Küchengeräte könnten jedenfalls vom potenziellen Nachfolger übernommen werden.

Ulf-Peter Helmstedt würde sich wünschen, dass jemand, wie er einst, die Brutzelei weiterführt. Damit die Steinfelderinnen und Steinfelder auch künftig zwischen Kirchturm und Rathaus auf Pommes und Currywurst nicht verzichten müssen. Wer weiß, vielleicht hat ja Otto Wüst schon einen Tipp für einen Nachfolger parat.

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