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Ukrainische Schüler fühlen sich in Lindern willkommen

Wie viele geflüchtete Kinder die Schulen am Ende aufnehmen werden, ist derzeit unklar. Bis zu 400.000 könnten es werden, schätzt die Kultusministerkonferenz. Ihre Integration ist eine Mammutaufgabe.

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Hoppla: Die Linderner hatten für ihre neuen Mitschüler ein Grillfest veranstaltet. Foto: Meyer

Hoppla: Die Linderner hatten für ihre neuen Mitschüler ein Grillfest veranstaltet. Foto: Meyer

"Viele Teile ergeben ein Ganzes." Der Wahlspruch, den sich die Grund- und Oberschule Lindern gegeben hat, passt nicht schlecht zu diesen Zeiten. Schüler mit ausländischem Hintergrund sind an der Schule schon lange keine Seltenheit mehr. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges kommen jetzt immer mehr Kinder und Jugendliche aus der Ukraine hinzu.

24 sind es inzwischen. 10 von ihnen besuchen die Grundschule, 14 fanden in der Oberschule einen Platz. Ihre Mitschüler organisierten jetzt für sie ein kleines Grillfest. Der Profilkurs "Gesundheit und Soziales" hatte während des Elternsprechtags Kaffee und Kuchen verkauft. Die Einnahmen investierten die Jugendlichen umgehend in Würstchen und Salate.

Die Geste kam bei den neuen Mitschülern gut an. Sie stammen aus der gesamten Ukraine und haben das Land kurz nach Kriegsbeginn oft nur mit ihren Müttern verlassen. Ihre Väter kämpfen jetzt an der Front oder helfen auf andere Weise beim Widerstand gegen den russischen Aggressor mit. Dass sie weiter zur Schule gehen können, gibt ihnen Halt. "Die jüngeren Schüler kommen mit der Situation ganz gut zurecht und benehmen sich wie ganz normale Kinder", berichtet Lehrerin Lena Wiemann. Anders sei es bei den Älteren. An ihnen falle ihr eine gewisse Traurigkeit auf, sie wirkten erschöpft, hat Wiemann festgestellt.

Rund 10.000 Schüler aus der Ukraine

An den niedersächsischen Schulen sind bis Anfang Mai rund 10.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine angemeldet worden.  Sie sollen möglichst schnell integriert werden, bekräftigte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dabei habe das Erlernen der deutschen Sprache und die Integration in das deutsche Schulsystem Priorität.  Der Online-Unterricht  nach ukrainischen Vorgaben sei dagegen grundsätzlich nur als ergänzende Maßnahme zu betrachten. Gleiches gelte für herkunftssprachlichen Unterricht, soweit das Angebot vor Ort bereitgestellt werden könne. Ein Meldeportal für potenzielle Lehrkräfte aus der Ukraine wurde inzwischen eingerichtet.

In Sicherheit: Juliia Shabashova kümmert sich jetzt an der Grund- und Oberschule um die ukrainischen Kinder. Foto: MeyerIn Sicherheit: Juliia Shabashova kümmert sich jetzt an der Grund- und Oberschule um die ukrainischen Kinder. Foto: Meyer

Juliia Shabashova hatte Glück im Unglück. Sie arbeitet seit einigen Wochen als pädagogische Mitarbeiterin an der Grund- und Oberschule. Die junge Frau musste mit ihrer Familie Hals über Kopf  aus der Ostukraine fliehen. "Dort ist alles zerstört", weiß sie aus Telefonaten mit Zurückgebliebenen. Die Englischlehrerin besaß eine eigene Sprachschule. "Ich war der Boss", sagt sie mit einem Lächeln, das zugleich stolz und traurig ist. Auch ihr Mann habe einen guten Job gehabt. An eine Rückkehr glaubt sie nicht mehr. "Die Russen werden bleiben", ist sie sicher. "Leider."

Mit ihrer Familie ist Juliia Shabashova in Marren untergekommen. Das Verhältnis zu den Nachbarn sei gut, sagt sie. Freundschaft geht bekanntlich durch den Magen und Juliia Shabashova kocht gern ukrainische Spezialitäten. Besonders gut komme ihr Syrniki, ein leckerer Quarkpfannkuchen, an. In Lindern kümmert sich die Pädagogin um die Neuzugänge aus ihrer Heimat. Über die herzliche Aufnahme ist sie den Deutschen dankbar.

Auch Lena Wiemann lobt das Engagement der Schüler, die von Anfang an ein offenes und freundliches Gesicht gezeigt hätten. "Einige sprechen selbst Russisch und stellten gleich die ersten Kontakte her." Das Zusammenleben funktioniere. In Lindern, so scheint es, ergeben viele Teile wirklich ein Ganzes.

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