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Ukrainische Deutschlehrerin hilft geflohenen Kindern und Jugendlichen

Drei Cloppenburger Schulen bieten eine gemeinsame Ferienschule an. Liudmyla Vdovychenko kümmert sich dabei um die Teilnehmer, die Grundkenntnisse erlangen sollen.

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Ferienschule: Liudmyla Vdovychenko kümmert sich um 32 Kinder und Jugendliche, die – wie sie selbst – aus der Ukraine geflohen sind. Foto: Hermes

Ferienschule: Liudmyla Vdovychenko kümmert sich um 32 Kinder und Jugendliche, die – wie sie selbst – aus der Ukraine geflohen sind. Foto: Hermes

Ihre Zeit in Deutschland nutzt Liudmyla Vdovychenko, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine die deutsche Sprache näherzubringen. Die 33-Jährige selbst war im Februar aus ihrer Heimat vor dem Krieg geflohen, nun ist sie in der Ferienschule der Liebfrauenschule (ULF), der Marienschule und des Clemens-August-Gymnasiums (CAG) tätig.

Vdovychenko ist zu ihrer Schwester, die seit rund 20 Jahren in Mühlen lebt, gezogen. Gemeinsam mit ihrer Tochter machte sie sich gleich zu Kriegsbeginn auf den Weg, ihr Mann und ihr Bruder sind in der Ukraine geblieben und verteidigen das Land. "Wir stehen täglich in Kontakt", berichtet die Deutschlehrerin. Während ihrer Flucht über Ungarn hat sie mit ihrer Schwester und ihrem Schwager mehrere Menschen nach Deutschland gebracht, sie selbst sammelte Freundinnen in Rumänien und Polen ein. "Wir waren eine Woche lang unterwegs. Mein Schwager ist 4000 Kilometer gefahren, ich 3200", erzählt sie im Gespräch mit OM-Online.

„Wir fahren alle nach Hause, wir müssen doch das Land wieder aufbauen“Liudmyla Vdovychenko

Gemeinsam mit ihrer Tochter lebt sie nun vorübergehend in Deutschland, sie sagt aber auch: "Wenn ich kein Kind hätte, wäre ich dort geblieben". Sie habe schreckliches Heimweh und könne nicht einmal ukrainische Lieder hören: "Dann kommen mir gleich die Tränen". Ihre Familie lebt im Westen der Ukraine in der Nähe zu Polen. Bis dorthin würde die russische Armee eventuell nicht vorrücken, hofft sie. Schon jetzt sei aber klar, dass sie so schnell wie möglich zurückkehren wollen: "Wir fahren alle nach Hause, wir müssen doch das Land wieder aufbauen". Die Schwiegermutter und die Mutter des Schwagers seien bereits wieder zurück in der Ukraine, sie hätten ihre Heimat und die Familie zu sehr vermisst.

Der Kontakt zum ULF kam über eine Nachbarin zustande, die an der Schule tätig ist. Auch nach den Ferien soll sie an einigen Tagen in der Woche hier Unterricht geben. Ziel der Ferienschule ist, dass die Kinder und Jugendlichen die ersten Grundzüge kennenlernen. So standen bislang Uhrzeiten, die Wochentage sowie die Themen Essen und Trinken auf dem Plan. "Es gefällt ihnen hier, alle Menschen sind nett und freundlich", sagt Vdovychenko.

Neben der Arbeit als Lehrerin hat sich Vdovychenko gemeinsam mit anderen in Deutschland um Hilfstransporte gekümmert. Foto: HermesNeben der Arbeit als Lehrerin hat sich Vdovychenko gemeinsam mit anderen in Deutschland um Hilfstransporte gekümmert. Foto: Hermes

Aber auch sie würden voraussichtlich nur für einen gewissen Zeitraum in Deutschland leben. Wie lange dieser andauern wird, könne sie nicht einschätzen. Man merkt ihr die Wut an, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin zum Gesprächsthema wird: "Ich habe keine Worte für ihn und es bringt nichts, mit ihm zu reden". Sie sei sprachlos gewesen, als die ersten Bomben gefallen sind. Auf Fragen ihrer Tochter zum Krieg konnte sie keine Antworten geben, sie sei einfach fassungslos gewesen.

Wie die 33-Jährige weiter berichtet, gibt es in einigen Städten der Ukraine ab der 5. Klasse Deutsch-Unterricht und ab der 1. Klasse wird Englisch gelehrt. Ihre Sprachkenntnisse hat sie unter anderem während der regelmäßigen Besuche bei ihrer Schwester erlangt und dann im Beruf weiter ausgebaut. Neben der Arbeit als Lehrerin hat sich Vdovychenko gemeinsam mit anderen in Deutschland um Hilfstransporte gekümmert. Sie stellten Buslieferungen mit Babynahrung, Konserven und Medikamenten zusammen.

Schulleiter Andreas Weber lobt die Deutschlehrerin

"Sie ist ein Geschenk und macht das sehr gut", sagt derweil Andreas Weber, Leiter der Liebfrauenschule. Die 32 Kinder und Jugendlichen besuchen die drei beteiligten Schulen, oder haben noch keine Einrichtung gefunden. Ziel sei auch nicht, dass die Schüler perfektes Deutsch sprechen, sie sollen die grundlegenden Dinge verstehen. Man wisse ja auch nicht, wer überhaupt bleibt und wie lange.

Nach den Ferien sollen sie weiter Deutschunterricht bekommen, zudem können sie unter anderem Mathematik, Kunst, Sport und Musik belegen. "Wir arbeiten digital mit dem ukrainischen Bildungsfernsehen oder Materialien von ukrainischen Hochschulen", erklärt Weber. Ein System zur Verteilung der Schüler habe es nicht gegeben, man wolle unbürokratisch ein stabiles Umfeld und ein sicheres Ankommen ermöglichen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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