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Ukraine-Hilfe: Mütter und Kinder gehen gemeinsam in die Kita

Ein neues Sprach- und Betreuungsangebot der Stadt Vechta soll zur Integration von geflüchteten Familien beitragen. Die tägliche Betreuung in Regelgruppen wird jedoch zur Herausforderung.

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Gut aufgehoben in der Mutter-Kind-Gruppe: Jana Dobroserdova und ihr Sohn Wawa freuen sich über das Angebot im Kindergarten an der Dornierstraße. Bei der Betreuung kann Projektleiterin Yurdagül Erdogdu (links) auf die ehrenamtliche Hilfe der Sprachdozentinnen Emine Aktas und Leylya Mehmediova (von rechts) zählen.   Foto: Speckmann

Gut aufgehoben in der Mutter-Kind-Gruppe: Jana Dobroserdova und ihr Sohn Wawa freuen sich über das Angebot im Kindergarten an der Dornierstraße. Bei der Betreuung kann Projektleiterin Yurdagül Erdogdu (links) auf die ehrenamtliche Hilfe der Sprachdozentinnen Emine Aktas und Leylya Mehmediova (von rechts) zählen.   Foto: Speckmann

Wenn Eltern ihre Sprösslinge in den Kindergarten bringen, trennen sich die Wege normalerweise spätestens an der Eingangstür. Bei Jana Dobroserdova und ihrem Sohn Wawa ist das anders. Sie spazieren gemeinsam ins Haus. Während sich der 5-Jährige gleich auf das Spielzeug stürzt, begibt sich seine Mutter in einen Nebenraum und schlägt ein Lehrbuch auf. Sie beteiligt sich an einem Sprachkursus.

Die Stadt Vechta hat ein spezielles Angebot für Familien geschaffen, die vor dem Krieg aus der Ukraine fliehen mussten. In den beiden städtischen Kindertagesstätten an der Dornierstraße und Antoniusstraße ist jeweils eine Mutter-Kind-Gruppe eingerichtet worden. Sie bietet den Teilnehmern die Gelegenheit zum Austausch und gleichzeitig die Chance, sich mit der deutschen Sprache anzufreunden.

Die Federführung liegt in Händen von Yurdagül Erdogdu und Indira Ejupi. Sie betreuen bereits seit 10 Jahren das städtische Integrationsprojekt „Efi“. Daran beteiligen sich Menschen aus mehr als 20 Herkunftsländern. Im Mittelpunkt des erfolgreichen Programms stehen die Förderung von Sprache und Bildung, Erziehung und Gesundheit sowie das familiäre und gesellschaftliche Zusammenleben.

Sprachdozentinnen leisten ehrenamtliche Hilfe

„Bei unserer Arbeit im ,Efi'-Projekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Sprache der Schlüssel zum Erfolg ist und sich Menschen dadurch besser in die Gesellschaft integrieren können“, erläutert Erdogdu. Von dieser Herangehensweise sollen nun auch die Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine profitieren. Dabei werden Mütter und Kinder gemeinsam an die Hand genommen.

Die Projektleiterinnen können in der Gruppenarbeit auf die Unterstützung von vier Sprachdozentinnen bauen, die sich ehrenamtlich um die Teilnehmerinnen kümmern. „Es macht Freude, wenn man sieht, dass sie etwas lernen“, sagt Emine Aktas, die über langjährige Unterrichtserfahrung in der Kreisvolkshochschule verfügt. Sie selbst spricht zwar nur Deutsch und Türkisch, aber mit technischen Hilfsmitteln gelingt auch der Dialog mit den Ukrainern.

„Wir fühlen uns hier sehr gut betreut“, sagt Dobroserdova lächelnd. Sie ist sichtlich froh, einen Platz in der Gruppe bekommen zu haben, und lobt die gute Organisation. Ihr Sohn habe sich sofort wohlgefühlt und sei gleich mit den anderen Kindern spielen gegangen. Während dieser Zeit müsse sie sich nicht um die Betreuung kümmern und könne mit anderen Müttern aus ihrem Heimatland lernen.

Zusätzliche Spielgruppe im Gulfhaus eingerichtet

Dobroserdova ist mit Wawa und seiner älteren Schwester Taya bereits Anfang März aus der ukrainischen Millionenstadt Dnipro geflohen. Sie wohnen jetzt bei einer Familie in Vechta. Um mit den Gastgebern besser kommunizieren zu können, ist der Sprachunterricht natürlich eine große Hilfe. Vielleicht habe sie dadurch später auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ergänzt die Ingenieurin.

Das Sprach- und Betreuungsangebot in den beiden Kindertagesstätten wird gut angenommen. Es findet einen Nachmittag pro Woche für 1,5 Stunden statt und bietet Platz für jeweils zehn Mütter sowie deren Kinder. Darüber hinaus hat die Kommune eine Spielgruppe im Gulfhaus eingerichtet. Sie wird von zwei ukrainischen Pädagoginnen sowie einer Sozialassistentin geleitet, die mit den Kindern Deutsch lernt. Ihre Mütter werden somit an zwei Vormittagen in der Woche entlastet.

Die Betreuung der ukrainischen Kinder gewinnt in Vechta, wie auch in anderen Kommunen, zunehmend an Bedeutung. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind aktuell 320 Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet gemeldet, darunter von 45 Kinder unter 6 Jahren. Ihnen einen Platz in den Kindertagesstätten zu bieten, ist eine echte Herausforderung für die Mitarbeiter im Rathaus und den Einrichtungen.

Stadtverwaltung hofft auf Signal aus Hannover

Laut Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann steht das Familienbüro im Austausch mit den Kindertagesstätten, um die personellen und räumlichen Kapazitäten abzufragen und die Kinder möglichst wohnortnah unterzubringen. Das Niedersächsische Kultusministerium habe eine Notverordnung erlassen, die es ermögliche, in allen Regelgruppen ein Kind mehr zu betreuen. Somit stünden zusätzliche Plätze zur Verfügung.

Bisher reichen die Plätze für die ukrainischen Kinder noch aus, aber die Verwaltung weiß auch, dass mit Blick auf den zunehmenden Bedarf eine langfristige Lösung notwendig ist. Weil die Notverordnung des Landes vorerst nur bis Ende Juli gilt, hofft Bürgermeister Kristian Kater (SPD) auf ein baldiges Signal aus Hannover. Spielgruppen wie im Gulfhaus seien zwar ein flexibles Instrument, doch es brauche eine verlässliche Betreuung für die Kinder aus der Ukraine.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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