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Ukraine-Helfer von Spendenbereitschaft überwältigt

Der Aufruf hat gewirkt. Tagelang brachten Linderner haltbare Lebensmittel und andere Spenden in die Pfarrkirche. Ihr Transport in die russisch besetzte Zone dürfte gefährlich werden.

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Haben viel zu packen: Conrad Möhlenkamp und Sylvia Stevens freuen sich über die zahlreichen Spenden. Foto: G. Meyer

Haben viel zu packen: Conrad Möhlenkamp und Sylvia Stevens freuen sich über die zahlreichen Spenden. Foto: G. Meyer

Ein breites Echo gefunden hat der gemeinsame Spendenaufruf der drei Linderner Kirchen. In der katholischen Pfarrkirche St. Katharina stapelten sich schon nach wenigen Tagen Lebensmittel, Hygieneartikel und viele andere Hilfsgüter. Sie sollen in nächster Zeit in die Ukraine gebracht werden. Ziel ist ein kleines Dorf in der Nähe von Mariopol.

Dort hat Valeri Timakow vor einigen Jahren ein Seniorenheim gegründet. Der 57-Jährige musste nach Deutschland flüchten, weil er auf der Fahndungsliste des russischen Geheimdienstes steht. Von Lindern aus versucht er nun, die alten Menschen weiter mit dem Notwendigsten zu versorgen. Viele seien inzwischen gestorben, die Situation sei insgesamt sehr schwierig, berichtet Alexander Eisinger von der Emmanuel-Christengemeinde. "Mittlerweile suchen auch Mütter mit ihren Kindern Zuflucht in dem Heim." Die Freikirche unterstützt Timakow seit Jahren. Der Krieg machte auch ihre Bemühungen zunichte. Trotzdem versuchen die Linderner, den Kontakt in die von Russland besetzte Zone aufrechtzuerhalten.

Während eines Gottesdienstes in der Katharinenkirche hatte Timakow sein Vorhaben vorgestellt. Eisinger übersetzte den Bericht des Ukrainers. Ein erster Hilfstransport ist inzwischen auf dem Weg. Um in das Dorf zu gelangen, müssen zahlreiche Posten überwunden werden. "Die Reise ist lebensgefährlich", bestätigt Eisinger. Zwar scheint es derzeit keine direkten Kampfhandlungen entlang der Front zu geben. "Trotzdem kann dort jederzeit eine Granate einschlagen." Eisinger hat die Fahrer gebeten, am Zielort Fotos zu machen. "Damit wir wissen, dass die Sachen auch an der richtigen Stelle angekommen sind", erklärt er. Über die Solidarität der katholischen und evangelischen Kirche ist er sehr froh. "Sie zeigt, dass wir als Christen in Lindern angekommen sind, was ja auch unser Ziel ist."

Linderner spendeten Sachgüter und Geld

Das Lob gibt Conrad Möhlenkamp gern zurück. "Was die Emmanuel-Gemeinde karitativ auf die Beine stellt, ist wirklich beeindruckend", sagt das katholische Kirchenausschussmitglied. Gemeinsam mit Küsterin Sylvia Stevens hatte er die Spendenaktion ins Leben gerufen. Der Dank beider gilt vor allem den Teilnehmern, egal ob sie kirchlich orientiert sind oder nicht. Neben Sachgütern brachten sie auch Geld vorbei. 1300 Euro kamen zusammen. "Auch bei uns wird die soziale Lage schwieriger. Dass so viele trotzdem bereit sind, etwas für andere abzugeben, ist ihnen hoch anzurechnen", betont Möhlenkamp.

Die Pfarrei hatte sich bereits im Winter mit einem Hilfsaufruf an die Bevölkerung gewandt. Damals ging es um warme Kleidung für Menschen in einem Flüchtlingslager. Den Anstoß hatte die syrische Familie Aldakhail gegeben, die vor 5 Jahren nach Lindern kam und sich inzwischen voll ins Gemeindeleben integriert hat. Schnell war ein Lkw mit Wintersachen gefüllt. Bis sie heil bei ihren Empfängern ankamen, dauerte es aber eine ganze Weile. Fünfmal habe die Ware umgepackt werden müssen, berichtet Möhlenkamp. Schließlich erreichte sie das Lager im syrisch-türkischen Niemandsland. Die Fotos von Kindern, die sich über die neue Kleidung freuen, gehen dem Linderner nicht mehr aus dem Kopf.

Als der Krieg Russlands gegen die Ukraine begann und die ersten Geflüchteten in Lindern ankamen, engagierten sich auch die Aldakhails in der örtlichen Kleiderkammer. Familienvater Raad, ein gelernter Apotheker, hat in Odessa studiert und spricht deshalb gut Russisch. "Für uns war das natürlich ein Geschenk", sagt Möhlenkamp.

Der Krieg in Europa hat die Situation in Syrien in den vergangenen Monaten weitgehend überlagert. Beide Konflikte hängen wegen der russischen Beteiligung aber unmittelbar zusammen. Dafür, dass keiner von ihnen aus dem Blickfeld gerät, sorgen in Lindern jetzt Menschen wie die Aldakhails, Conrad Möhlenkamp, Sylvia Stevens und Alexander Eisinger.

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