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Über Maibäume, Thüler Tanz und Fruchtbarkeit

Gästebuch: Maibäume sind ein Zeichen des Lebens und stehen für Wachstum, Standhaftigkeit – und vor allem Fruchtbarkeit. Davon gibt es im Oldenburger Münsterland auch welche.

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Nun ist der Monat voll Wonne und Wärme schon seit einigen Tagen ins Land gezogen. Überall wird es grün und bunt. Die Natur kehrt in voller Pracht zurück und macht deutlich, was wir in den letzten Monaten versäumt haben. Der Monat Mai gehört doch zu den Schönsten unter den Zwölf. Und er beginnt ja sogar mit einem Feiertag. In diesem Jahr scheint da etwas schief zu laufen. Das fing schon damit an, dass der 1. Mai auf einen Sonntag fiel. Damit war der Feiertag futsch und wir arbeitenden Menschen betrogen. Einige findige Zeitgenossen regten zwar an, Feiertage, die auf Sonntage fallen, nachzuholen. Aber das ging als Schnapsidee bald unter.

Bei Sieger in Thüle war wieder Frühtanz am 1. Mai. Bollerwagenmäßig war viel unterwegs. Muss man mögen. Viele mögen es und sogar die Kirche verlegte im sonst doch treu katholischen Thüle das Hochamt auf den Samstagabend. Dafür setzte Bernd Sieger den Kirchenvorplatz unter Wasser, damit keiner dort im Schatten von St.-Johannes-Baptist seinen Rausch ausschläft. Früher war das noch anders. Aber dazu in einer späteren Kolumne.

"Bitte nicht auf der Fläche mit der gähnenden Leere verweilen."Otto Höffmann

Ansonsten gähnende Leere in der Kreisstadt. Dort, wo früher ein mächtiger Maibaum mit Ortsschildern aufgestellt wurde, versperren jetzt Baustellenabsperrungen die Sicht und den Platz. Welch Symbolkraft. Die zahlreichen Leerstände in der Fußgängerzone rund um die Stadtmitte. Die Sparkasse will auch bald weg. Und viele nutzen den Platz zum durchgehen, schnell von hier nach dort. Bitte nicht auf der Fläche mit der gähnenden Leere verweilen.

Dabei sind Maibäume ein Zeichen des Lebens und stehen für Wachstum, Fruchtbarkeit und Standhaftigkeit. Der Maibaum gilt dabei als Symbol. Es geht voran, und das Leben geht heiter immer weiter immer weiter. Gottlob geht es bei der Baustelle neben dem Hochzeitshaus voran. Maibaum, Hochzeitshaus und die erwartete Gastronomie könnten hier einen fruchtbaren Dreiklang bilden. Apropos: in der Romantik des 19. Jahrhunderts wurde der Maibaum oft als kultischer „Riesen-Phallus“ gedeutet, der als Fruchtbarkeitssymbol für reiche Ernten sorgen sollte. Heute spricht kein Volkskundler mehr davon.

Der Augustendorfer Maibaum und die Fruchtbarkeit

Ein originaler Maibaum ist ein großer und gerade gewachsener Fichtenstamm. Der noch am Wipfel grün ist und mit den Wappen – oder Zunftschildern des Ortes geschmückt wird. Schließlich wird noch ein großer grüner Kranz geflochten, mit bunten Bändern versehen und ebenfalls um den Stamm gehangen. Dabei sind der grüne Wipfel und der Kranz die eigentlichen Symbole des Brauchtums und stehen für Fruchtbarkeit.

Die Jungs in Augustendorf rund um den Gasthof Schöning haben im Gegensatz zu den Heimatfreunden in Cloppenburg einen Maibaum aufgestellt. Zwar nicht aus einem Fichtenstamm, sondern eher aus wiederverwendbarem Material und eher auch mit weniger Symbolen der Fruchtbarkeit. Auf den ersten Blick. Denn auf den zweiten erkennt man die einzelnen Namen der Gründer „Hütte“, wie dieser Maibaum und seine Geburtshelfer heißen. Ein „Atschi“ ist dabei wie auch „Ali“ oder „Thyni“ und natürlich auch der Wirt.

Ja, sagt Wirt Lukas Schöning, das wird auch immer weniger mit den Jungs von der „Hütte“, früher traf man sich wöchentlich zum Umtrunk, dann monatlich, dann zu den höchsten Feiertagen und jetzt noch zum Maibaumaufstellen. Familie, Heirat, Kinder und so weiter. Da sage noch einer, der Augustendorfer Maibaum habe nichts mit Fruchtbarkeit zu tun.


Zur Person:

  • Otto Höffmann  ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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