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Über die Vorzüge der analogen Welt

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Das Digitale hat Vieles einfacher gemacht. E-Mails, Recherchen, Zeitung machen. Und doch gibt es Bereiche, da ist Papier einfach unschlagbar.

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Frühmorgens um halb 8 schickt mir die Kollegin aus dem Frühdienst eine Mail. "Du bist laut Liste zu morgen die Kolumne auf der 1. Lokalseite", schreibt sie. „Ich hoffe, ich überrasche Dich damit heute nicht.“ Mal ganz abgesehen davon, dass die Formulierung "Du bist die Kolumne" wahrscheinlich nur für uns Reporter und Redakteure vollkommen normal klingt, konnte ich die Kollegin – anders als beim letzten Mal – beruhigen. Natürlich hatte ich den Termin im Kopf, denn er steht – wie es sich gehört – im Kalender.

Und zwar, Trommelwirbel, in dem guten, alten Papierkalender mit Wochenübersicht, der direkt hinter der Tastatur liegt. Immer wenn ich den Blick von der Tastatur zum Bildschirm hebe oder beim Telefonieren durch den Raum schweifen lasse, streift er die Übersicht der laufenden Woche. Spätestens zur Mittagspause haben sich die anstehenden Termine fest im Kopf eingebrannt. Der Kalender im Smartphone bleibt unbenutzt, den gemeinsamen Redaktionskalender auf unserer OM-Plattform sehe ich mehr als Information der Blattplaner, welche Themen anstehen, ob ich verfügbar bin oder ob ich mich gerade irgendwo rumtreibe.

Mit dieser analogen, altmodischen Art der Terminführung bin ich, wie eine spontane, kurze und sicherlich nicht repräsentative Umfrage in der Redaktion erbracht hat, nicht allein. Um es genau zu sagen: Außer mir verlassen sich weitere 3 von 4 befragten Kolleginnen und Kollegen nicht auf das elektronische Gehirn, sondern nutzen vor allem den guten alten Tischkalender. Zum Teil sogar ausschließlich und bestimmten Themen zugeordnet. Da gibt es den immerwährenden Geburtstagskalender in der Küche, den separaten Familienplaner und eben den Arbeitskalender auf dem Tisch.

"Ich nutze den Papierkalender, weil es schneller geht, als im Handy die Termin-App zu öffnen, zum Tag zu scrollen, den Termin einzutippen."Heiner Stix

"Ohne die Geburtstagsübersicht würden wir die Hälfte aller Geburtstage übersehen", sagt die eine Kollegin, "Handy und dem Google-Planer traue ich da irgendwie nicht", gesteht eine andere. Und ein Kollege verweist gar auf den großen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, der davon ausging, dass man sich nur das, was man per Hand aufgeschrieben hatte, auch wirklich merken könne. Aber gut, zwischen 1646 und 1716 waren Smartphones noch nicht so verbreitet.

Ich nutze den Papierkalender, weil es schneller geht, als im Handy die Termin-App zu öffnen, zum Tag zu scrollen, den Termin einzutippen, Uhrzeiten einzustellen und auch noch eine Erinnerungszeit einzustellen. Ganz abgesehen davon, dass ich während eines Handytelefonats im Tischkalender leichter nachschauen kann, wann ich Zeit habe und den Termin auch sofort eintragen kann.

Nur der Jüngste der von mir befragten Kollegen – ist es am Ende eine Altersfrage? – schwört auf sein Smartphone. Hauptgrund: "Weil ich mir dann eine Erinnerung einstellen kann", sagt er. Ja, zugegeben, "Ping" kann mein Papierplaner nicht machen. Ist aber auch nicht nötig, ich sehe die Termine ja dauernd. Der für meine nächste Donnerstagskolumne ist auch schon eingetragen. Es wäre aber trotzdem nett, wenn der Frühdienst mir am Tag davor dennoch eine kurze Mail schicken würde. Man weiß ja nie…


Zur Person: 

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