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Über die Natur der Vögel und der Menschen

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – In der Nachbarschaft treibt ein Elsternpaar sein Unwesen. Der Autor zieht Parallelen zum Ukraine-Krieg und Menschen in Russland, die das alles ignorieren.

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Es herrscht Krieg. Direkt vor unserer Haustür. Der Konflikt schwelt allerdings schon recht lange und hat eher weniger mit uneinsichtigen Diktatoren zu tun. Angegriffen werden unschuldige, fröhliche Vögelein. Und der Aggressor besteht aus einem Elsternpaar, das sich schon seit Jahren in der Nachbarschaft herumtreibt. Gerade jetzt hat es sich in einer hohen Buche wieder ein stabiles Nest gezimmert.

Die recht großen, schwarz-weiß gefärbten Rabenvögel zählen zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Sie haben aber eine für andere Spezies unangenehme Eigenschaft: Sie sind scharf auf alles, was da kräucht und fleucht. Würmer, Spinnen, Echsen, sogar Mäuse stehen auf ihrem Speiseplan. Und in der jetzt anlaufenden Brutzeit warten sie vor allem auf die Eier und Jungtiere aus den umliegenden Vogelnestern.

Natürlich sagen Naturschützer: alles halb so wild. Das regelt sich in der Natur schon wieder. Die Vogelarten, die jetzt in unserer unmittelbaren Umgebung keinen Nachwuchs mehr groß bekommen, werden eben woanders umso mehr Küken durchfüttern. Mich tröstet das nicht. Und wie die Vogeleltern denken – nun, darüber lässt sich ja mit ihnen leider kein Gespräch führen.

"Legen wir eben neue Eier. Und zur Erheiterung läuft nebenbei noch die Serie zum Thema Insektenfang."Andreas Kathe

Natur ist eben Natur. Das dachte ich auch, als unlängst ein Fernsehsender aus Russland berichtete. Fröhliche Menschen saßen offenbar in ihrer Datscha an einem Teich und wurden befragt, was sie denn zur "Friedensmission" ihres Oberhäuptlings in der Ukraine zu sagen hätten. „Was für eine Mission“, war die Antwort, „wir gucken keine politischen Nachrichten, sondern nur Fischfangvideos. Tag und Nacht.“

Einfach ignorieren, was sich an Schrecklichem so um sich herum ereignet, auch das kann eine Lösung sein. Vielleicht haben unsere Gartenvögel sie verinnerlicht. Vielleicht sind ihre Spatzenhirne auch nicht auf Trauer und Schmerz ausgelegt. Kind weg, na gut. Legen wir eben neue Eier. Und zur Erheiterung läuft nebenbei noch die Serie zum Thema „Insektenfang“.

Ich sehe das anders, bin traurig und wütend. „Gut“, sagt die beste Ehefrau von allen, „dass du nach deiner Marinezeit alle deine Waffen abgeben musstest.“ Woran sie nicht gedacht hat: Ich habe noch das bunt bemalte Reservisten-Paddel. Kurz vorm Schlafengehen, im Halbdunkel, übe ich das Werfen mit dem Holzprügel. Irgendwie muss man das Morden doch beenden.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Er war lange Redakteur und Redaktionsleiter der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Auto erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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