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Über Behörden-Genauigkeit und biblische Anarchie

Kolumne: Das waren noch Zeiten, als 2 oder 3 dem Vorbild der Jünger folgten und sich versammelten. In Corona-Zeiten indes ist so eine Versammlung eine ernste Angelegenheit.

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Denn wo 2 oder 3 in meinem Namen zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen (Mt. 18,20). So haben wir es damals im Religionsunterricht bei Fräulein Arlinghaus in der Volksschule gelernt. Später vertieften Präses und Präfekt der Jugendburg in Bethen das Matthäus-Evangelium mit einer Rede über das Leben in der frühchristlichen Gemeinde. Die Cloppenburger Kreisverwaltung nimmt das alles viel zu wörtlich.

Das waren damals noch Zeiten, damals bei Jesus und seinen Jüngern. Zwei oder drei? Also entweder 2 oder 3 bitte! Und aus wie vielen Hausständen? Und angesammelt oder versammelt oder zufällig getroffen und wieweit voneinander entfernt? Nun ist der Dritte stets das Ordnungsamt. Wenn sie denken, der Autor dieser Zeilen spinne, so mögen sie grundsätzlich im Recht sein – im vorliegenden Fall jedoch irren sie sich.

Nach § 32 Absatz 1 Satz 1 der – inzwischen überholten – Niedersächsischen Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2 (VO) waren Zusammenkünfte und Ansammlungen in der Öffentlichkeit auf maximal einen Hausstand und höchstens eine weitere Person beschränkt. So steht es wörtlich in vielen Bußgeld-Anzeigen der Cloppenburger Kreisverwaltung, mit denen seit Wochen flächendeckend verfolgt wird.
Mit der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung nimmt es das Cloppenburger Kreis-Ordnungsamt penibel genau. Nachdem die heiße Phase der Ansteckungen den Gesundheitsbeamten schon manches Mal über den Kopf gewachsen war, sollte es nunmehr aber bei der Verfolgung von Verstößen fix und gnadenlos zugehen. Schließlich muss es ja irgendwann und irgendwo auch wirklich klappen.

"Bei der Verfolgung sollte es nunmehr fix und gnadenlos zugehen."Otto Höffmann, Rechtsanwalt

Also stockte man erst einmal das Kreis-Ordnungsamt auf. Konflikterfahrene Kolleginnen und Kollegen von der Ausländerbehörde und den Sozialabteilungen, gestählt durch mannigfache Händel, kamen hinzu und los ging es mit den Kontrollen. Da gab es kein Pardon.

Drei Personen in drei Autos hielten kurz an und unterhielten sich. Alle blieben in den Fahrzeugen sitzen. Die Abstände der Fahrzeuge sind strittig: Ein Meter sagen die einen, 1,50 Meter die anderen. Verstoß ist Verstoß, sagt der Kreis-Ordnungshüter und kassiert 200 Euro pro Person.

2 Menschen treffen sich in der Cloppenburger Fußgängerzone. Ein Dritter kommt vorbei. Er kennt die beiden nicht. Die drei unterhalten sich auch nicht miteinander. Doch als der Dritte zufällig auf Höhe der Zweien ist, sind Frau und Herr Ordnungshüter des Landkreises schon zur Stelle. Eine Ansammlung, schau her, 200 Euro Bußgeld bitte, pro Nase bitte.

Früher zu Apostels Zeiten war alles viel besser. Zwei oder drei. Was solls? Und ER war doch mitten unter ihnen. Was sollte da schon passieren? Wie hätte wohl die Cloppenburger Kreisverwaltung auf solche anarchischen Verhältnisse vor über 2000 Jahren reagiert? Vielleicht etwas maßvoller, verhältnismäßiger, verständnisvoller? Oder mit Verboten und Verordnungen vielleicht? Aber Jesus war ja schon damals eine Provokation und den Behörden ein Dorn im Auge.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt und lebt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an die Adresse redaktion@om-medien.de.

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