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Über 40 Gasthöfe laden zur Spargelwoche ein

Der Verbund Oldenburger Münsterland hat sein Konzept verändert. Statt nur an einem Abend, können Spargelfreunde jetzt eine ganze Woche lang schlemmen. Auch die Anbauer bringen sich ein.

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Glücksgefühl: Vechtas Landrat Tobias Gerdesmeyer (rechts) hat eine Spargelstange gestochen. Sein Cloppenburger Amtskollege Johann Wimberg (links) und Landwirt Berthold Niehaus nicken anerkennend.   Foto: G. Meyer

Glücksgefühl: Vechtas Landrat Tobias Gerdesmeyer (rechts) hat eine Spargelstange gestochen. Sein Cloppenburger Amtskollege Johann Wimberg (links) und Landwirt Berthold Niehaus nicken anerkennend.   Foto: G. Meyer

Recht geschickt angestellt haben sich die beiden Landräte Johann Wimberg (Cloppenburg) und Tobias Gerdesmeyer (Vechta) beim Spargelstechen in Löningen-Ehren. Am Montag ernteten die Präsidenten des Verbundes Oldenburger Münsterland (OM) das Edelgemüse auf dem Feld von Berthold Niehaus. Hintergrund für das Treffen in Gummistiefeln war die OM-Spargelwoche vom 2. bis 8. Mai.

Mit den Mengen, die geübte Spargelstecher aus der Erde holen, konnten Wimberg und Gerdesmeyer zwar nicht mithalten. Dennoch gelang es beiden, die bleichen Stangen unfallfrei ans Tageslicht zu befördern. Bereits seit Mitte März schickt Niehaus dafür seine Erntehelfer auf die Felder. "Wir sind in diesem Jahr früh dran", bestätigt der 57-Jährige, dessen Familie das Gemüse seit 1968 anbaut. Folientunnel machten den zügigen Start möglich. Unter ihnen erwärmt sich die Erde deutlich besser, was dem Spargel zum schnelleren Durchbruch verhilft.

Mit rund 140 Hektar Anbaufläche ist Niehaus einer der größten Spargelbetriebe in Niedersachsen. Den weißen und grünen Spargel vermarkten die Ehrener größtenteils über den Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg (ELO). In der Saison liefert dieser täglich rund 16 Tonnen aus. Geerntet wird inzwischen auch mithilfe von Maschinen. Eine sogenannte "Spargelspinne" hebt die auf den Dämmen liegende Folie an, sodass die Helfer darunter direkt loslegen können. Das Gerät wird mit einem Elektromotor betrieben. Die Akkus lädt Niehaus an der eigenen Photovoltaikanlage auf. "Wir arbeiten möglichst nachhaltig", betont er. Auch die Folien könnten jahrelang benutzt werden.

Preisentwicklung dämpft Erwartungen

Während die körperliche Arbeit zumindest ein wenig leichter geworden ist, hatten die Anbauer in den vergangenen Pandemiejahren eine wirtschaftlich eher schwierige Zeit zu überstehen. 2020 wurden in Deutschland rund 106.000 Tonnen Spargel verspeist. 2021 dagegen lagen die angebotenen Mengen deutlich darunter. Probleme bei der Einreise der Erntehelfer, kalte Witterung und der Lockdown in der Gastronomie drückten mächtig auf die Stimmung. Spargelessen fielen größtenteils aus und bei der Unterbringung ihrer Arbeitskräfte mussten die Betriebe hohe Hygieneauflagen einhalten, was ihnen zusätzliche Ausgaben bescherte. Inzwischen normalisiert sich die Situation wieder, doch mit dem Anstieg der Lebenshaltungskosten droht neues Ungemach. "Spargel ist sicherlich kein Grundnahrungsmittel, und viele, die jetzt auf die hohen Spritpreise schauen, schränken sich möglicherweise anderswo ein", vermutet Berthold Niehaus.

Der Selbstversorgungsgrad  bei weißem Spargel liegt laut  der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer bei  85 Prozent. Er ist damit eine der wenigen Gemüsearten, die zu einem hohen Grad in Deutschland erzeugt und auch verzehrt werden. Auf die Vorzüge des regionalen Anbaus wies auch Johann Wimberg hin. Der Spargel sei nicht nur ein Teil der Genusskultur, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Oldenburger Münsterland, unterstrich der  Landrat. Die Saison endet traditionell am 24. Juni. 1,7 Kilo Frischware futtert jeder und jede Deutsche statistisch in dieser Zeit. Und tut damit zugleich etwas für die Gesundheit, denn dank seines niedrigen Kaloriengehalts und seines Reichtums an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen gilt Spargel als echter Fitmacher.

1996 luden der Verbund Oldenburger Münsterland und der Dehoga gemeinsam zum ersten OM-Spargelessen ein. Das Angebot schlug auf Anhieb hohe Wellen. Höhepunkt waren die Nuller-Jahre. "2006 haben 51 beteiligte Gaststätten und Restaurants zusammen knapp 7000 Essen gekocht", berichtet Vechtas Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender Ulrich Steinkamp. In diesem Jahr verabschieden sich die Organisatoren vom bisherigen Konzept und bitten erstmals zur "Spargelwoche Oldenburger Münsterland". Sie dauert vom 2. bis 8. Mai (Muttertag). "Damit reagieren wir auf den Wunsch unserer regionalen Gastronomie nach einer längeren Laufzeit und mehr Flexibilität", erklärt Projektleiterin Birgit Beuse.

Früh dran: Die Spargelernte ist bereits in vollem Gange. Foto: G. MeyerFrüh dran: Die Spargelernte ist bereits in vollem Gange. Foto: G. Meyer

41 Betriebe beteiligen sich an der Aktion

41 Betriebe zwischen Barßel und Neuenkirchen-Vörden beteiligen sich an der Aktion. Frei nach dem Motto "Alles geht" bieten sie den Spargel entweder klassisch an oder bringen ihn in modernen Variationen auf den Tisch. Die ganze Woche über wird ein schmackhaftes Drei-Gang-Menü serviert, freitags bis sonntags steht außerdem Spargel vom Büfett auf der Speisekarte. Wer es eilig hat, erhält ihn auch "to go". Die Möglichkeit des Wohnmobil-Dinners – inzwischen ein Corona-Klassiker – besteht ebenfalls.

Auch die Anbauer machen mit. So öffnet Berthold Niehaus seinen Betrieb in Ehren am 6. und 7. Mai für Besichtigungen (ab 14 Uhr). Auf dem Hof Lüske in Bethen können Interessierte selbst zum Spargelmesser greifen (jeden Donnerstag von 16 bis 18.30 Uhr sowie freitags und samstags zwischen 10 und 12.30 Uhr). Bevor sie auf das Edelgemüse losgelassen werden, erhalten sie eine kurze Einweisung.

Am 6. Mai startet außerdem eine rund 35 Kilometer lange Radtour durch die Region. Unterwegs werden Anbauflächen besichtigt. Den Abschluss bildet ein Spargelessen in gemütlicher Runde.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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