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Über 200 Bürger stellen sich in Vechta gegen "Spaziergänger"

Eine Menschenkette auf der Großen Straße sorgt dafür, dass sich die etwa 25 Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen in der Stadt verstreuen. In Cloppenburg gehen 200 "Spaziergänger" auf die Straße.

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Die über 200 Personen umfassende Menschenkette reichte von der Propstei bis zum Geschäft Weiss. Über 200 Vechtaer Bürger setzen so ein deutliches Zeichen gegen Querdenker. Foto: M. Niehues

Die über 200 Personen umfassende Menschenkette reichte von der Propstei bis zum Geschäft Weiss. Über 200 Vechtaer Bürger setzen so ein deutliches Zeichen gegen Querdenker. Foto: M. Niehues

Sie wollten immer mehr werden, letztlich ist ihre Teilnehmerzahl von Woche zu Woche geschrumpft. Auf ganze 25 Teilnehmer schätzte die Polizei am Montag die Zahl der sogenannten "Spaziergänger", die am Abend durch die Vechtaer Innenstadt gingen. Und diesmal spazierten sie nicht geschlossen, sondern in versprengten Gruppen. 

Der Grund dafür war unübersehbar: Über 200 Bürger aller Altersgruppen waren dem Aufruf des Vereins Contra gefolgt und bildeten entlang der Großen Straße eine Menschenkette, die deutlich Position bezog.  Einige Teilnehmer hatten Plakate gestaltet mit Inhalten wie beispielsweise "Gegen Fremdenhass und Faschismus", "Wer mit Nazis spaziert hat nichts kapiert" oder "Rechts ist keine Option". Die "Spaziergänger" waren nur vereinzelt zu sehen. Plakatträger waren hier die Ausnahme. Die Plakate richteten sich gegen eine Impfpflicht. 

Scharmützel im Vorfeld bei Social Media

Die verschiedenen Positionen der beiden Seiten schaukelten sich vielmehr schon vorher in sozialen Netzwerken wie Telegram oder Facebook hoch. Sebastian Ramnitz, Vorsitzender des Vereins Contra und Organisator der Menschenkette, bezeichnete beispielsweise die AfD dort pauschal als rechtsextrem, obwohl dies laut Verfassungsschutz nur für einen Flügel der Partei zutrifft. Goldenstedts AfD-Politiker Ralf Fennig hingegen nannte Contra einen "Antifa-Verein des SPD-Ratsherren Sebastian Ramnitz".

Haben Plakate gestaltet: Jana und Christian an der Impfstation, die von den Grünen an der Juttastraße in Vechta geführt wurde. Foto: M. NiehuesHaben Plakate gestaltet: Jana und Christian an der Impfstation, die von den Grünen an der Juttastraße in Vechta geführt wurde. Foto: M. Niehues

Fennig und seine Vechtaer AfD-Kollegen Matthias Elberfeld und Rüdiger Lessel nahmen dieses Mal nicht am Spaziergang teil. Stattdessen verfolgten alle drei das Geschehen im Sitzen von einem Café aus. Dabei hatte Elberfeld in einem Telegram-Chat, in dem sich die "Spaziergänger" verabreden, noch zur Teilnahme aufgerufen: "Die Polizei muss in Überstunden ersaufen, wie die Ordnungsämter und die Bußgeldgerichte auch", nannte er als Grund.

Während Contra wieder in der ganzen Stadt am Montagabend Impfstationen aufgebaut hatte, die von der SPD, den Grünen und verschiedenen Gruppen betreut wurden, war die Polizei mit etwa 20 Beamten und etlichen Streifenwagen im Einsatz. Die verschiedenen Grüppchen der Spaziergänger wurden von den Beamten durch die Innenstadt begleitet. Gegen zwei Frauen werden nach Auskunft der Polizei jetzt Anzeigen gefertigt, unter anderem, weil sie die Versammlung offenbar angeführt haben sollen, aber zuvor nicht anmeldeten.

Beamte im  Einsatz: Polizisten kontrollieren Spaziergänger auf der Großen Straße in Vechta. Ein Teilnehmer streckt dem Fotografen seinen Mittelfinger entgegen. Foto: M. NiehuesBeamte im  Einsatz: Polizisten kontrollieren Spaziergänger auf der Großen Straße in Vechta. Ein Teilnehmer streckt dem Fotografen seinen Mittelfinger entgegen. Foto: M. Niehues

Bei den Vechtaer "Spaziergängern" macht sich offensichtlich inzwischen Ernüchterung breit. In der Telegram-Chat-Gruppe der "Freien Niedersachsen", in der sich diese austauschen, bat jetzt ein Teilnehmer darum, "Vechta aus dem Programm zu nehmen". "Ich wollte die Menschen verbinden und nicht Hass ernten", schrieb die Person als Begründung. "Vechta, das sieht doch schonmal sehr gut aus", feierte Contra das anschließend bei Facebook.  Gefeiert haben sich am Montagabend auch die vielen Teilnehmer der Menschenkette. Mit einem Applaus beendeten sie ihre erfolgreiche Aktion.

Drei Gegendemonstranten in Cloppenburg

In Cloppenburg nahmen "in der Spitze" 200 Menschen an der Versammlung teil, wie die Pressestelle der Polizei mitteilte. "Es sind weniger geworden", sagte ein Polizist vor Ort.  An den vorangegangen Versammlungen beteiligten sich bis zu 250 Personen. Wie sonst auch zogen die Teilnehmer ruhig und friedlich durch die Cloppenburger Innenstadt. Es waren keinerlei Transparente oder Schilder zu sehen. Insgesamt mussten 14 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet werden, teilt die Polizei mit. Darunter zehn Verstöße gegen die Maskenpflicht.

Eine Person habe während der Versammlung über Kreislaufprobleme geklagt. Sie wurde laut Polizei durch eingesetzte Polizeibeamte erstbetreut und konnte im weiteren Verlauf in einer ansässigen Arztpraxis behandelt werden.

Warum sie sich der Versammlung anschlossen, wollten mehrere Teilnehmer auf Nachfrage nicht sagen. "Wir wollen Spazieren gehen", sagte eine Teilnehmerin. Man treffe sich immer zufällig um diese Zeit vor dem Rathaus. Um 18 Uhr zog die Gruppe los. Vom Rathaus ging es über die Lange Straße in Richtung Bahnhofstraße und von dort über den Pingel-Anton-Kreisel zur Osterstraße, bevor sich die Gruppe wieder in Richtung Lange Straße bewegte.

Unterwegs in der Cloppenburger Innenstadt: Die Teilnehmer verhielten sich ruhig und friedlich. Foto: NiemeyerUnterwegs in der Cloppenburger Innenstadt: Die Teilnehmer verhielten sich ruhig und friedlich. Foto: Niemeyer

Mit Lautsprecherdurchsagen wies die Polizei die Teilnehmer mehrfach darauf hin, dass die Versammlung als "öffentliche Versammlung" eingestuft wird. Den Anweisungen der Polizei sei Folge zu leisten und die aktuellen Corona-Regeln, wie das Tragen einer Maske und Abstandhalten, seien einzuhalten.

Drei Gegendemonstranten stellten sich stumm in die Innenstadt und ließen den Versammlungszug an sich und ihren Schildern vorbeiziehen. Einer davon war Hans-Jürgen Reglitzki, Vorstandsmitglied für die Partei Die Linke in Cloppenburg. Er verglich die Situation mit 1933. Auch damals seien die Menschen einer rechten Partei hinterhergelaufen. Diese rechte Partei sei heute die AfD. "Die Menschen erkennen nicht, was sie damit anrichten", so Reglitzki. 

Demonstration in der Cloppenburger City. Foto: NiemeyerDemonstration in der Cloppenburger City. Foto: Niemeyer

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