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Trotzdem Ostern: hoffen und helfen!

Kolumne: Auf ein Wort –  So sehr die aktuellen Ereignisse in der Ukraine einem an die Nieren gehen, muss man seine Kräfte sammeln und die Energie nutzen, um anderen zu helfen.

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Die täglich neuen Schreckensbilder aus der Ukraine, sie lassen mich nicht los. Berichte und Bilder in den Medien über menschenverachtende Taten gehen mir an die Nieren. Politikerinnen und Fernsehmoderatoren mit Tränen in den Augen sind geschockt wie ich, wie wir. Dabei rühren die Bilder Verschiedenes an: Der eine denkt an die eigene Familie; die andere an Erfahrungen, die sie selbst vor sehr langen Zeiten machte und tief in sich verschlossen hat.

Mir fiel die ältere Frau aus meiner ersten Gemeinde wieder ein. Gerne kam sie zum Seniorenkreis ins Gemeindehaus, freute sich über jeden meiner Besuche. Aber "in die Kirche, da kann ich nicht kommen, das geht einfach nicht“. Grausame Erfahrungen der damals aus Ostpreußen Vertriebenen müssen da im Hintergrund gewesen sein. Sie hat nie darüber gesprochen.

Das Leiden anderer Menschen geht mir unter die Haut. Ich fühle mich ohnmächtig und muss doch meinen eigenen normalen Alltag bewältigen. Ein Zitat von Hermann Hesse gibt Orientierung: "Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.“

"Raus aus der Ohnmacht, hinein in das Engagement, um das Mögliche und Nötige zu tun."Martina Wittkowski

Wieder einmal bin ich beeindruckt davon, wie diese Ausrichtung der Energie hier in der Region sofort funktioniert: Menschen spenden, sammeln, fahren los, organisieren, nehmen freundlich auf, helfen. Aktive Hoffnung nennt der Zukunftsforscher Matthias Horx das. Raus aus der Ohnmacht, hinein in das Engagement, um das Mögliche und Nötige zu tun. Seit knapp 2 Wochen gibt es nun dazu OM-hilft.org, die Plattform, die im ganzen Oldenburger Münsterland Hilfsbedarf an Sach-, Zeit- und Geldspenden zusammenbringt mit denen, die etwas geben können. Wohlfahrtsverbände, Kirchen und andere Initiativen bündeln ihre Hilfe und unterstützen sich gegenseitig. Konkurrenzdenken hat keinen Raum.

Der aktiven Hoffnung, die ins Tun kommt, stellt Matthias Horx die "passive“ Hoffnung gegenüber. Die Hoffnung auf eine größere Macht, auf Gott. Ich sehe es so: Gott wird aktiv, damit ich hoffen kann. Für mich gehören beide Ausrichtungen zusammen: die Hoffnung, die Gott mir im Glauben schenkt, sie hält mich, wenn die Bilder des Schreckens mich nach unten ziehen wollen. Die Hoffnung, dass das Leben doch stärker ist, macht mir Mut zum Handeln.

Schalom Ben-Chorin kleidet die Hoffnung in Worte, an die ich mich in dieser Jahreszeit durch jeden blühenden Baum erinnern lasse: "Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“ "Trotzdem Frühling!“, schreibt ein Freund über seine Fotos im Status seines WhatsApp-Accounts. Die Natur lebt auf. Und bald werden wir das Fest der Auferstehung feiern, das Grund für unsere Hoffnung ist: trotzdem Ostern!


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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