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Trotz Grabungen: Erschließung des neuen Baugebietes kann beginnen

Die Denkmalpfleger haben einen Teil der Fläche an der Löninger Straße frei gegeben. Der Gemeinderat legte in dieser Woche den Kaufpreis fest. Bauwillige können sich im Rathaus melden.

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Sorgfältig kartiert: Holger Pietschmann zeichnet die Bodenfunde per Hand auf. Foto: G. Meyer

Sorgfältig kartiert: Holger Pietschmann zeichnet die Bodenfunde per Hand auf. Foto: G. Meyer

Im künftigen Linderner Baugebiet sind die archäologischen Arbeiten weiter voll im Gange. Das Wetter hält und die Denkmalpfleger nutzen die Zeit, um die Kartierung möglichst schnell abzuschließen. Während sie inzwischen nur noch den unteren Teil des insgesamt 10 Hektar großen Geländes untersuchen, soll die Erschließung der übrigen Fläche in Kürze beginnen.

Zunächst geht es um 13 Grundstücke. In seiner Sitzung am Mittwoch legte der Gemeinderat den Kaufpreis fest. Voll erschlossen wird der Quadratmeter genau 95 Euro kosten. "Wir wollten unter 100 Euro bleiben. Das haben wir geschafft", sagt Bürgermeister Karsten Hage. Als Erstes werde die Verwaltung nun an die vorgemerkten Bauwilligen herantreten. Aber auch alle anderen Interessenten dürfen noch ihren Hut in den Ring werfen. 

Die Erschließung verzögerte sich wegen der umfangreichen Funde, die Ausgrabungstechniker Holger Pietschmann und sein Team in den vergangenen 1,5 Jahren machten. Der Bremer sitzt auf einem Klappstuhl und skizziert kreisrunde Verfärbungen in der Bodenstruktur. Sie stammen von Holzpfosten, die Menschen vor mehr als 1000 Jahren in die Erde gerammt hatten. Die Pfosten wurden anschließend mit Flechtwerk verbunden, danach kam Lehm dazu und fertig war die Wand. Ihr Verlauf ist noch heute deutlich zu erkennen. Etwa seit Christi Geburt errichteten zahlreiche Generationen ihre Häuser auf diese einfache Weise. Lange gehalten haben die Konstruktionen nicht. "Das Holz vermoderte im Boden. Viele Häuser dürften nach spätestens 50 Jahren einfach zusammengekracht sein", erklärt Pietschmann. Bequem war das Wohnen ebenfalls nicht.  Die Langhäuser verfügten nur über eine einzige Feuerstelle. "Die Bewohner werden sich den Allerwertesten abgefroren haben", ist Pietschmann überzeugt.

Gasleitung wird nicht mehr mit verlegt

Das dürfte den modernen Siedlern trotz der aktuellen Energiekrise nicht passieren. Wie sie ihre vier und mehr Wände heizen wollen, müssen sie aber selbst entscheiden. Eine Gasleitung werde  bei der Erschließung nicht mehr mit verlegt, betont Karsten Hage. Der Anschluss an das bestehende Fernwärmenetz wäre offenbar möglich. "Darüber müssen wir uns jetzt Gedanken machen".  Der Bürgermeister freut sich, dass die Zeit des Wartens ein Ende hat. Er ist sich aber  nicht ganz sicher, wie die Vermarktung anlaufen wird. Noch zu Beginn des Jahres wäre er die Grundstücke locker losgeworden. Dann kamen der Ukrainekrieg und mit ihm Inflation und Zinserhöhungen. Angesichts dieser Entwicklung müsse man  jetzt erstmal schauen. Den Frust vieler Bauwilliger über die gestiegenen Baukosten kann Hage gut verstehen. "Wenn jemand deswegen von seinem Projekt zurücktreten muss, ist das nicht schön. Schlimmer aber wäre es,  anzufangen und irgendwann vor einem halb fertigen Rohbau zu stehen, weil die Abschläge nicht mehr bedient werden können."

Mit solchen Problemen dürften sich die Ur-Linderner nicht herumgeschlagen haben. Sie fanden alles, was sie für den Hausbau brauchten, in der näheren Umgebung. Dabei legten sie aber keineswegs aufs Geradewohl los, sondern übernahmen einen Bautyp, der im norddeutschen Raum weit verbreitet war.  Grabungsleiter Pietschmann vermutet, dass reisende Experten ihr Wissen von Siedlung zu Siedlung weitergaben. Sein Linderner Auftrag hat für ihn etwas Besonderes, weil die Bodendenkmale fast vollständig unberührt geblieben sind. "Irgendwann war es mit der Besiedlung zu Ende und die Fläche wurde als Acker genutzt, den die Menschen über Jahrhunderte mit allem Möglichen düngten." So bildete sich allmählich eine dicke Ackerkrume, die die Relikte bis jetzt verbarg.

Mit der Wiederbebauung schließt sich nach 10 Jahrhunderten quasi ein Kreis. Die neuen Häuser dürften dank stabiler Fundamente jedoch deutlich länger halten, als ihre hölzernen Vorgänger. Die Zeugnisse aus der Frühzeit existieren dann nur noch in Pietschmanns Zeichenmappe. Von ihnen werden die Bagger nichts übrig lassen. 

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