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Trotz Corona: Einsamkeit ist für Ältere auf dem Land kein Thema

Eine Studie zeigt, dass ältere Menschen sich wegen der Kontaktbeschränkungen häufiger einsam fühlen als früher. Pflegedienstleiterin Thekla Pleiter kann das für Bösel und Umgebung nicht bestätigen.

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Pluspunkt ländlicher Raum: Die gelebte Nachbarschaft und die oft vor Ort wohnenden Angehörigen sind für Thekla Pleiter ein Grund dafür, das ältere Menschen in Bösel und Umgebung rotz Corona nicht über Einsamkeit klagen. Symbolfoto: Bodo Marcks/dpa

Pluspunkt ländlicher Raum: Die gelebte Nachbarschaft und die oft vor Ort wohnenden Angehörigen sind für Thekla Pleiter ein Grund dafür, das ältere Menschen in Bösel und Umgebung rotz Corona nicht über Einsamkeit klagen. Symbolfoto: Bodo Marcks/dpa

Die neue Einsamkeitsstudie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) klingt erschreckend. Durch Corona, so das Fazit der Autoren, steige die Einsamkeit im hohen Erwachsenenalter deutlich an. Ein Befund, den Thekla Pleiter, Inhaberin des Böseler Pflegedienstes Pleiter, so nicht teilen kann. "Ich habe hier noch niemanden erlebt, der wirklich unter Einsamkeit leidet", sagt sie.

Die Altersstudie des DZA untersucht seit 1996 regelmäßig das Einsamkeitserleben älterer Menschen in unterschiedlichen Altersklassen. Im Vergleich zu den Studien von 2014 und 2017 haben in den Kohorten der 65- bis 75-Jährigen und der 76- bis 90-Jährgen im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen das Gefühl geäußert, einsam zu sein.

Enges Verhältnis zu Nachbarn als Mittel gegen Einsamkeit

Fühlten sich bei den vergangenen zwei Befragungen noch zwischen 6,3 und 8,1 Prozent der Befragten einsam, so stieg die Zahl 2020 auf 13,5 Prozent (65 bis 75 Jahre) und 12,9 Prozent (über 75 Jahre). Zwischen Männern und Frauen sowie zwischen unterschiedlichen Bildungsniveaus konnten die Autoren der Studie dabei keine Unterschiede feststellen, wohl aber zwischen Menschen mit einem engen und einem weniger engen Verhältnis zur Nachbarschaft: Zwar stieg auch das Einsamkeitsbefinden bei Menschen mit einem engen Verhältnis zu ihren Nachbarn von 3,5 auf 8,2 Prozent an, es erreichte jedoch bei Weitem nicht die Höhe der Vergleichsgruppe, in der sich mit 15,8 Prozent fast doppelt so viele der Befragten einsam fühlten.

Das enge Verhältnis zu den Nachbarn ist für Thekla Pleiter auch einer der Gründe dafür, dass das Thema bei den von ihrem Team betreuten älteren Menschen kaum eine Rolle spielt. "Hier auf dem Land funktioniert es wesentlich einfacher, auch in Coronazeiten die sozialen Kontakte zu halten", sagt sie. Anders als in größeren Städten kenne man hier eben die Nachbarn, und die seien nun mal immer da. Zudem hätten die meisten Senioren noch ihren eigenen Garten, und da könne man dann auch schnell mal über die Hecke hinweg miteinander schnacken.

"Anonymität ist auf dem Land ja eher unbekannt, und das ist für die Älteren sicher ein ganz großer Pluspunkt des Lebens in einer ländlich geprägten Region."Thekla Pleiter, Inhaberin Pflegedienst Pleiter

Zudem habe sie festgestellt, dass manche Seniorinnen und Senioren derzeit häufiger einkaufen gingen. "Auf dem Land trifft man dann mit ziemlicher Sicherheit jemanden, den man kennt und mit dem man plaudern kann", hat Pleiter beobachtet. "Anonymität ist auf dem Land ja eher unbekannt, und das ist für die Älteren sicher ein ganz großer Pluspunkt des Lebens in einer ländlich geprägten Region."

Und nicht zuletzt sei in den meisten Fällen ja auch noch Verwandtschaft vor Ort, die – wenn auch eingeschränkt – zu Besuch kommen könne. Wo das nicht der Fall sei, gebe ihr 25-köpfiges Team, das in Bösel und Umgebung über 100 Menschen betreut, Tipps auf Besuchsangebote der Kirchen oder auf Einrichtungen wie die Tagespflege, die ab März wieder ohne Einschränkungen geöffnet ist.

"Natürlich vermissen die Menschen die gewohnte Struktur ihres Tages."Thekla Pleiter

Dass alles bedeute aber nicht, dass die coronabedingten Einschränkungen an den Senioren spurlos vorübergehen, macht Pleiter deutlich. "Natürlich vermissen die Menschen die gewohnte Struktur ihres Tages", sagt sie. Da falle der Seniorenkaffee weg, das gemeinsame Stricken oder das Seniorenschwimmen, und all das fehle natürlich. „Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun“, betont Pleiter. "Von den Einschränkungen sind ja alle betroffen."

Insgesamt könne man gerade im hohen Alter derzeit froh sein, wenn man auf dem Land lebe, ist sich Pleiter sicher. "Das sage ich auch immer, wenn jemand das Thema zur Sprache bringt", erzählt sie. "Die Gegebenheiten sind hier für ältere Menschen derzeit einfach besser."

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