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Traumtänzer

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Warum ich aufhöre, das neue Jahr mit Größenwahn zu beginnen.

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Die Hose zwickt, der Gürtel muss lockerer gestellt werden, und der weite Pullover soll die angefutterte Raclette-Fondue-Kartoffelsalat-Würstchen-"Roulade" kaschieren. Das ist die Zeit nach Weihnachten. Herrlich. Mindestens 2 bis 3 Kilo sollte die Waage schon mehr anzeigen nach den Feiertagen. Sonst hat es sich nicht gelohnt.

Kleiner Funfact am Rande: Wenn das britische Königshaus Weihnachten feiert, müssen die Royals sich vor und nach dem Essen wiegen lassen. Diese uralte und etwas skurril anmutende Tradition hat König Edward VII. ins Leben gerufen. Sie soll sicherstellen, dass jeder Gast genügend zu essen bekommen hat.

Aber zurück zur eigentlichen Kolumne: Nach den Festtagen folgt bekannterweise die Zeit der "guten Vorsätze". Plötzlich scheinen die Menschen so motiviert, "nächstes Jahr wird alles anders, dann starte ich so richtig mit Sport durch" oder "nächstes Jahr reduziere ich meinen Zuckerkonsum" oder "nächstes Jahr höre ich auf zu rauchen, trinke weniger Alkohol, miste meinen Schrank aus, lese mehr Bücher, verzichte auf Plastik, melde mich häufiger bei meiner Tante", oder auch sehr beliebt: "Nächstes Jahr mache ich eine Social-Media-Diät". Zu diesen Traumtänzern gehöre ich leider auch.

"Ich leide unter Größenwahn."Sandra Hoff

Ich bin die Königin der guten Vorsätze. Dafür brauche ich Silvester und Neujahr gar nicht. Auch zu jedem Wochenbeginn (montags startet es sich besser als freitags) und zu jedem Ersten eines Monats setze ich mir Ziele. Die Häufigkeit meiner "Neustarts" zeigt, wie regelmäßig ich kläglich scheitere oder wie schnell ich meine Vorsätze mit fadenscheinigen Ausreden verschiebe. Auf morgen. Oder Montag. Oder auf Februar. Oder März. Oder November. Und dann ist es eh zu spät und man kann wieder bis Januar warten, um ENDLICH diszipliniert durchzustarten. Ja ne, is klar.

Dabei ist diese Denkweise völlig falsch. Als ob Vorsätze nur etwas wert wären, wenn man sie auch einhält. Hinter Vorsätzen verbergen sich ja meist unsere intimsten Wünsche. Es geht um Achtsamkeit – für sich und seine Mitmenschen. Es geht auch ums Hinterfragen unserer Gewohnheiten. Um die Gewohnheiten, die uns nicht guttun. Zu viel Zucker raubt uns Energie, Alkohol, Zigaretten und zu wenig Bewegung sind nicht gut für unsere Gesundheit, Unordnung verursacht Chaos, Plastik schadet der Umwelt, Social-Media klaut uns unnötige Zeit.

Ich scheitere oft mit meinen Vorsätzen, weil ich unter Größenwahn leide. Es sollen immer gleich 10 Kilo sein, die ich verlieren will, oder ich muss mindestens dreimal die Woche zum Sport oder das Handy soll jeden Tag mindestens 6 Stunden nur stiefmütterliche Beachtung finden. Und wenn ich meine Ziele in der mir gesetzten Zeit (auch hier leide ich unter Größenwahn: "10 Kilo in 4 Wochen") nicht schaffe, breche ich ab. Der Fehler liegt im Detail. Das weiß ich – nach 38 Jahren – jetzt endlich auch. Auf die kleinen Schritte kommt es an.

Und mit kleinen Schritten gehe ich ins neue Jahr. Mehr Bewegung an der frischen Luft. Abends ein Buch lesen, statt zum Handy zu greifen. Mittags mehr Gemüse und weniger Soße essen. Statt die ganze nur die halbe Tafel Schokolade essen. Ok. Da war er schon wieder, der Größenwahn. Aber ein Versuch war es wert.


Zur Person:

  • Sandra Hoff ist Reporterin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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