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Trauerbegleiterin Rita Breuer: "Viele Menschen sind sehr einsam"

Die Trauerbegleiterin arbeitet mit viel Leidenschaft und Motivation seit vielen Jahren beim Hospizdienst in Cloppenburg. Im vergangenen Jahr führte sie 125 Gespräche.

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Hilft Trauernden: Rita Breuer. Foto: Looschen

Hilft Trauernden: Rita Breuer. Foto: Looschen

Eigene Erlebnisse ändern das Leben, zeigen andere, neue Wege und Möglichkeiten auf: So war es auch bei Rita Breuer. Der Beruf – sie war Krankenpflegerin – und die eigene Trauer nach dem Tod lieber Menschen haben dazu geführt, dass sie Sterbe- und Trauerbegleiterin geworden ist. Sie ist eingebunden in den "Hospizdienst für den Landkreis Cloppenburg".

Als Krankenschwester arbeitete sie im Cloppenburger St.-Josefs-Hospital. "Im Krankenhaus sollen die Menschen gesund werden, aber nicht sterben", sagt Breuer. Sie hat einen würdevollen Umgang mit den Sterbenden vermisst. Diese wurden oft abgeschoben, waren nicht mehr so sehr im Blickfeld, sagt sie.

Daraus entstand der Wunsch, Sterbebegleiterin zu werden. Sie machte eine Ausbildung und stellte sich vor 15 Jahren dem Hospizdienst im Landkreis Cloppenburg zur Verfügung. Heute helfen 50 Frauen und Männer Sterbenden und Trauernden, 170 Mitglieder sorgen für eine finanzielle Grundlage.

Trauernde müssen den ersten Schritt machen

Bald entwickelte die 68-Jährige den Wunsch, die Trauerarbeit stärker in den Blick zu nehmen, es folgte eine weitere Ausbildung. Das Ehrenamt ist zeitintensiv. Im vergangenen Jahr führte sie 125 Gespräche. Gruppengespräche und die Mitarbeit in der Organisation kommen hinzu. Auch für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) stellt sie sich zur Verfügung.

Trauernde müssen den ersten Schritt tun. Rita Breuer erlebt, dass Angehörige anrufen und um Hilfe fragen. Der Wunsch muss aber von den Trauernden ausgehen. "Wir können die Trauer nicht nehmen, aber wir können helfen, dass Betroffene ohne einen lieben Menschen leben können."

"Der Sonntag ist der schlimmste Tag."Rita Breuer, Trauerbegleiterin

Etwa alle 2 bis 3 Wochen vereinbart die Trauerbegleiterin einen Termin, immer in den Räumen des ambulanten Hospizdienstes. Bei den Gesprächen wird auch überlegt, ob eine Gruppe bei der Trauerbewältigung helfen kann. Vier Gesprächskreise bietet der Hospizdienst an: für Angehörige, für Angehörige nach einem Suizid, für trauernde Eltern und schließlich gibt es eine Kinder- und Jugendtrauergruppe. Einmal im Monat sind Trauernde in das Trauercafé eingeladen, am Sonntagnachmittag. "Der Sonntag ist der schlimmste Tag", weiß Rita Breuer.

Aktuell wünschten sich viele Gäste der Einrichtung an der Cloppenburger Kirchhofstraße Einzelgespräche. Einer der Gründe mag Corona sein. "Viele Menschen sind sehr einsam", beobachtet Breuer. Den Menschen fehlten die Kontakte. Kamen die Hilfesuchenden früher nach 3, 4 Monaten, kämen sie heute manchmal schon nach einer Woche. Die Menschen sind hilflos, sie wollen überleben und denken zunächst nicht sofort an Trauerbewältigung. Der Dienst sei nicht auf die Kreisstadt begrenzt, man wolle in den Kommunen des Landkreises präsent sein, etwa durch Sprechstunden.

Auch junge Menschen treffen sich, um über ihre Trauer zu sprechen: Handpuppen helfen Kindern bei der Trauerbewältigung.  Foto: LooschenAuch junge Menschen treffen sich, um über ihre Trauer zu sprechen: Handpuppen helfen Kindern bei der Trauerbewältigung.  Foto: Looschen

Was motiviert die Frauen und Männer, sich für Trauernde einzusetzen? Fast alle hätten persönliche Erfahrungen und sich nach ihrer eigenen Trauerbewältigung für diesen Dienst gemeldet. "Die Arbeit bringt Freude, wir bekommen viel zurück und zehren persönlich von den Gesprächen mit den Trauernden", beschreibt Rita Breuer ihre Motivation: "Ich brauche die Gespräche nicht mehr!" – Wenn Rita Breuer diesen Satz von ihren Gesprächspartnern hört, schaffe dies zusätzliche Motivation für das Ehrenamt.

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