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Tierschutz-Versteigerung: Käufer zahlen bis zu 9000 Euro für edle Zuchtpferde

Die Auktion fand auf dem Hof Fischer in Holtrup statt. Das Veterinäramt hatte die Vierbeiner ihrem Ex-Halter aus Lohne wegen Tierschutzverstößen weggenommen.

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Da beschnuppern sich zwei: Stute und Kaufinteressentin nehmen kurz vor der Auktion Kontakt auf. Foto: Berg

Da beschnuppern sich zwei: Stute und Kaufinteressentin nehmen kurz vor der Auktion Kontakt auf. Foto: Berg

Strahlender Sonnenschein, ein hochinteressantes Angebot und ein perfektes Ambiente: Kein Wunder, dass in dieser Umgebung das Portemonnaie locker saß. 25 Pferde, zum Teil aus edler Abstammung, sind am Samstag auf dem Hof Fischer (ehemals Kathmann) in Vechta-Holtrup versteigert worden. Die Bilanz: Alle Tiere konnten verkauft werden. Die neuen Besitzerinnen und Besitzer zahlten dafür nach Angaben der Vechtaer Kreisverwaltung jeweils Preise zwischen 1500 und 9000 Euro.

Auftraggeber der Auktion war das Veterinäramt des Landkreises Vechta. Denn: Die Tiere, zumeist Nachfahren bekannter Dressurpferde, stammten ursprünglich aus einer Pferdehaltung im hiesigen Kreisgebiet, wurden jedoch seitens der Behörde wegen wiederholter Verstöße gegen den Tierschutz sichergestellt.

Dieser Hintergrund schreckte Züchter und andere Pferdeliebhaber jedoch nicht ab. Eher andersherum: Die edle Abstammung der zumeist 2- oder 3-jährigen Stuten zog die Interessenten regelrecht an. Maximal 30 Bieter waren wegen der strengen Coronaauflagen vor Ort erlaubt. Diese Plätze hatte das beauftragte Auktionsbüro Mennraths aus Mönchengladbach im Handumdrehen vergeben.

Inaugenscheinnahme: Während die Pferde sich präsentierten, diskutierten die Bieterinnen und Bieter eifrig. Foto: BergInaugenscheinnahme: Während die Pferde sich präsentierten, diskutierten die Bieterinnen und Bieter eifrig. Foto: Berg

Zusätzlich konnte im Internet in Echtzeit mitgeboten werden. Dafür mussten sich die potenziellen Käufer allerdings registrieren lassen und eine Sicherheitsgebühr in Höhe von 1500 Euro hinterlegen. Auch das wirkte aber alles andere als abschreckend: Insgesamt 181 Personen aus mehreren Nationen nahmen online an der Versteigerung teil.

Eine, die einen der wenigen Plätzen vor Ort in Holtrup ergattern konnte, war eine Pferdehalterin und Besitzerin einer Pferdepension aus Kassel, die sich am frühen Morgen samt Anhänger auf den Weg gemacht hatte. „Ich gehe nach der Abstammung und dem Aussehen, habe eine klare Preisvorstellung und bin vor allem an den Stuten interessiert“, sagte sie kurz vor Auktionsbeginn zu OM online, ehe sie die Tiere in Augenschein nahm.

Mittendrin im Geschehen war auch Stallbesitzer Arnold Fischer, der sein Areal für die Versteigerung zur Verfügung gestellt hatte. „Das Veterinäramt hatte angefragt, ob das möglich ist und ich habe gerne zugesagt“, erzählte er. In den Wochen vor der Auktion konnten die zum Teil geschwächten Tiere in seinem Stall bereits wieder zu Kräften kommen.

„Es kommt zu uns die Katalog-Nummer 7, Stute von Rubinero, Hannoveraner Stamm, allerfeinst, 14-jährig. Wer gibt mir 1500 Euro?“Auktionator Volker Raulf

Kraft, speziell Stimmkraft, brauchte während der Versteigerung auch Auktionator Volker Raulf. Mit einer Mischung aus Fachkenntnis und Entertainment brachte er die Veranstaltung über die Bühne. Das hörte sich dann so an: „Es kommt zu uns die Katalog-Nummer 7, Stute von Rubinero, Hannoveraner Stamm, allerfeinst, 14-jährig. Wer gibt mir 1500 Euro?“ Schnell fand sich der erste Interessent, in 200-Euro-Schritten stieg der Preis stetig. Über „Geboten sind 2500 Euro aus dem Netz“ und „3300 Euro habe ich aus Bayern“ näherte sich das Geschehen dem von allen Versteigerungen bekannten „Zum Ersten, zum Zweiten" an. Bis nach „zum Dritten“ der Hammer fiel, waren in diesem Fall bereits 3900 Euro aufgerufen worden.

Im November wurden bereits 103 Pferde versteigert

Diese Versteigerung war nicht die erste mit Tieren aus besagtem Fundus: Im November vergangenen Jahres waren bereits 103 Pferde des Züchters im Tierpark Ströhen bei Wagenfeld unter den Hammer gekommen. Zuvor sei der ehemalige Halter aufgefordert worden, die Tiere selbst zu veräußern, hieß es vom Landkreis. Dieser Anordnung sei er aber nicht nachgekommen.

Die zweite Versteigerung ist nach Behördenangaben notwendig geworden, weil zum Zeitpunkt der ersten Auktion noch nicht alle Ermittlungen gegen den ursprünglichen Halter abgeschlossen waren und noch nicht alle Tiere, die sich auf mehrere Standorte verteilten, ausfindig gemacht werden konnten.

Mit Hammer und einer Mischung aus Fachkenntnis und Entertainment führte Auktionator Volker Raulf durch die Versteigerung. Foto: BergMit Hammer und einer Mischung aus Fachkenntnis und Entertainment führte Auktionator Volker Raulf durch die Versteigerung. Foto: Berg

Bei den ehemaligen Besitzern handelt es sich nach Informationen von OM online um eine Züchterfamilie aus Lohne, die im Vorfeld auf Anfrage alle Vorwürfe abgestritten hatte. Die Kreisverwaltung in Vechta sieht das anders. Neben der Beschlagnahmung der Tiere hat sie gegen den Tierhalter auch ein Pferdehaltungs- und Betreuungsverbot ausgesprochen, das auch weiterhin gilt.

Allerdings steht den Ex-Besitzern der Reinerlös der Versteigerung zu. Und um den Tieren weiteres Leid künftig möglichst zu ersparen, wurde den Käuferinnen und Käufern vertraglich auferlegt, die erworbenen Pferde nicht nur artgerecht zu halten, sondern auch „nach ethischen Grundsätzen" zu behandeln.

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