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Tiere ziehen aus dem Museumsdorf Cloppenburg aus

Schafe, Ziegen, Kühe: Für sie alle geht es in der kalten Jahreszeit ins Winterquartier. Der zuständige Schäfer Matthias Abeln erklärt, was dort auf die Tiere wartet.

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Gucken auf Kommando: Wenn Matthias Abeln seine Herde ruft, wird es im Stall des Hofs Awick unruhig. Die rund 40 Tiere reagieren nämlich auf seine Stimme und kommen angelaufen. Foto: E. Wenzel

Gucken auf Kommando: Wenn Matthias Abeln seine Herde ruft, wird es im Stall des Hofs Awick unruhig. Die rund 40 Tiere reagieren nämlich auf seine Stimme und kommen angelaufen. Foto: E. Wenzel

Sonntagmorgen, die Straßen sind leer, die meisten Menschen denken an dem Ruhetag nicht ans Aufstehen. Einer nutzt diese Leere aus: Matthias Abeln. Der Schäfer und pädagogische Angestellte im Museumsdorf Cloppenburg treibt seine Schafe gerne mal „auf die alte Art“ in ihr Winterquartier“ – zu Fuß. Noch befinden sich die Tiere im Hof Awick im Museumsdorf. Ob man Abeln und seine Heidschnucken und Ziegen aus dem Museumsdorf in diesem Jahr auch über die Straßen laufen sieht, steht noch aus. Sicher ist: Für die Tiere geht es vorerst auf Abelns eigenen Hof in Dwergte.

Die Schafe und Ziegen kommen aus praktischen Gründen auf seinen Hof. Sollte es in diesem Jahr dazu kommen, dass es friert, müsste der Schäfer die Tiere zusätzlich füttern. Das fällt ihm auf seinem Hof leichter. Aus demselben Grund bleiben sie in der Lammzeit bei ihm. Das hat Abeln bei einer Informationsveranstaltung zu dem Thema erklärt. Trotz einer eher geringen Resonanz – es waren nur zwei Personen aufgetaucht – ging Abeln ins Detail, und tauchte in die Geschichte der Tierhaltung ein.

Aus der Vergangenheit: Awick zeigt den Pflock mit Kette, mit dem die Tiere früher festgebunden wurden. Foto: E. WenzelAus der Vergangenheit: Awick zeigt den Pflock mit Kette, mit dem die Tiere früher festgebunden wurden. Foto: E. Wenzel

Die Bedeutung der Tiere ist nicht zu unterschätzen, betont der Schäfer – und bezieht sich dabei nicht nur auf die Schafe. Natürlich bringen sie heute in das Museumsdorf ein gewisses Level an Authentizität und – wortwörtlich – Leben. Aber auch landwirtschaftlich sind sie unabdingbar. Stumpf formuliert: Sie sind lebendige Rasenmäher. Generell verbringen Schafe laut Abeln in der Regel 350 Tage im Jahr im Freien. Das ist für das Erhalten von bestimmten Lebensräumen wichtig. So bleiben die rund 40 Schafe des Museumsdorfs im Winter fleißig. Abeln wird sie auf Flächen, etwa an Regenrückhaltebecken, in Molbergen und Friesoythe austreiben. Auch im Museumsdorf rotiert ihr Grasplatz immer.

Spricht man darüber wie wichtig die Tiere für Menschen sind, muss man natürlich auch in die Vergangenheit schauen. So hat Abeln anhand der einzelnen Gebäude des Museumsdorfes gezeigt, wo die Tiere eingesetzt wurden – und wer sich überhaupt Tiere leisten konnte. Für Dörfer waren Tiere unabdingbar. Die in Cloppenburg ausgestellte Bockwindmühle aus Essern etwa kann nur mithilfe eines Pferdes gedreht werden.

Generell sei die Tierhaltung auf den Höfen früher anders organisiert gewesen, erklärt der Schäfer. Der Lebensradius der Menschen war kleiner. So haben sich in den verschiedenen Ortschaften auch eigene Rassen entwickelt. Während in Südoldenburg die weißen Heidschnucken verbreitet sind, haben sich beispielsweise in der Lüneburger Heide graue Heidschnucken durchgesetzt. Die jeweiligen Rassen haben sich an die Gegebenheiten ihrer Heimat angepasst. Zu Kreuzungen oder geplanten Züchtungen kam es kaum – dazu gab es zwischen den verschiedenen Orten zu viele natürliche und politische Grenzen.

Aber nicht nur bei den Schafen ist die Winterzeit mit Veränderungen verbunden. Im Museumsdorf sind auch Schweine, Gänse, Hühner, Enten, Pferde, Rinder, Ziegen und Schwäne, zuhause. Nur die Enten, Rinder und Ziegen sind noch im Dorf. Für sie geht es in den nächsten Wochen ins Winterquartier – teils auch zu Abeln. Die Gänse und Schweine sind geschlachtet worden.

Noch im Museumsdorf: Die Kühe des Museumsdorfs wandern auch bald zu Abeln ins Winterquartier. Foto: E. WenzelNoch im Museumsdorf: Die Kühe des Museumsdorfs wandern auch bald zu Abeln ins Winterquartier. Foto: E. Wenzel

Was zuerst grausam klingen mag, ist für die Erhaltung der Tiere wichtig, erklärt Abeln. „Erhalten durch aufessen“, sei das Mantra, meint er. Im übertragenden Sinne bedeutet das soviel wie „Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt“. Die Tiere müssen für die Menschen als Produkt relevant bleiben – nur so können sie bestehen.

Im Frühjahr geht es für die Tiere dann zurück ins Museumsdorf. Dann lädt Matthias Abeln auch wie üblich dazu ein, sich anzugucken, wie die Tiere geschert werden.

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