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Thokozani Mkhize

Kolumne: Auf ein Wort – Charismatiker wie die Frau aus Südafrika zeigen, dass Kirche mehr ist als nur eine Institution.

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Kennen Sie diese Frau? Ich habe noch nie etwas von ihr gehört. Aber ich habe etwas von ihr gelesen, und das hat mich bewegt. „Gott, ich bete, dass sich jeder Dorn in ein Rosenbeet verwandelt. Dass sich unsere Tränen in Umarmungen verwandeln.“

Und dann erzählt sie, dass ihre Kirchengemeinde in Südafrika für sie wie eine Familie ist, weil Gemeinschaft Gottes Wunsch für uns ist. Vom Kind bis zur Greisin wird geholfen, materiell und immateriell. „Es gibt eigentlich keine Hilfe, die man in unserer Familie (Gemeinde) nicht findet.“

Dann höre ich im Rundfunk und lese in der Zeitung, dass die Christen in unserer Republik nicht mehr die Mehrheit in der Bevölkerung stellen, sondern unter 50 Prozent gefallen sind ... und sie fallen weiter. Wir müssen uns mit dem Gedanken beschäftigen, dass die Kirche in Zukunft keine Volkskirche mehr sein wird.

Eine Kirche, die sich verliert

Gründe gibt es genug, aus der Kirche auszutreten, ich lasse es, sie aufzuzählen. Nur so viel: Von der älteren Generation gibt ein großer Teil konkrete Gründe an (Wut, Enttäuschung, etc.), die jüngere Generation begründet kaum. Da heißt es eher: Ich hab schon länger dran gedacht auszutreten, der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt einfach nicht mehr. Oder: Ich bin mir selbst fremd, wenn es um den Glauben an Gott geht.

Dort eine Gemeinde in Südafrika, die Familie ist; hier eine Kirche, die sich verliert. Natürlich kann man eine Gemeinde und eine Kirche nicht miteinander vergleichen, weil es ganz unterschiedliche Größen sind. Und doch hat mich Thokozani Mkhize ins Grübeln gebracht. Sie kann von der Kirchengemeinde als Familie erzählen, und wir?

"Nein, wir brauchen keine Stärkung der Strukturen, wir brauchen Charismatiker!"Jörg Schlüter

Wir bauen auf Großgemeinden oder pastorale Räume, die immer mehr zu kleinen Institutionen werden und immer weniger Familie sind. Die Strukturen werden gestärkt. Wie aufgebläht ist unsere kirchliche Verwaltung in Oldenburg. Neue Stellen werden geschaffen. Dabei sind Theologiestudierende eine immer seltener gewordene Spezies. Es ist schon eine Rarität, dass im evangelischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland zurzeit gleich zwei Vikare ihren Dienst begonnen haben.

Nein, wir brauchen keine Stärkung der Strukturen, wir brauchen Charismatiker! Dabei denke ich nicht an die charismatische Gemeindebewegung, die sich in besonderer Weise mit den Gaben des Geistes Gottes beschenkt sieht. Unter Charismatikern in der Kirche verstehe ich Frauen und Männer, deren Sprache weder eine Verwaltungssprache ist, noch eine theologische Vortragssprache. Charismatiker, die von ihrer lebendigen Gottesbeziehung erzählen können, nicht abgehoben oder penetrant, dafür aber begeisternd und glaubwürdig.

Worte und Leben, die nicht auseinanderklaffen

Charismatiker, die Ausstrahlung haben und man, wenn man ihnen zuhört, staunend erkennt, wie ungeheuer bereichernd das Leben mit Jesus Christus sein kann. Charismatiker, bei denen Wort und Leben nicht auseinanderklaffen.

Charismatiker zeigen, dass Kirche mehr ist als nur eine Institution.


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher.
  • Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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