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Therapiert und reumütig: Vechtaer Einbrecher vor Gericht

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Zwei junge Männer mussten sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Ihre Spielsucht war Grund für mehrere Einbrüche. Kam dabei ein Kuhfuß zum Einsatz?

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Ein guter Eindruck kann auch vor Gericht, vor allem vor dem Jugendgericht, hilfreich sein. Die "Scheiß-egal"-Mentalität hilft da nicht weiter.

Vor dem Jugendschöffengericht ging es um zwei Vechtaer (21 und 22), für die viel auf dem Spiel stand. Sie waren bereits im Juli 2020 zu Jugendstrafen verurteilt worden. Der eine – damals schon vorbestraft übrigens – verbüßt seitdem eine 2-jährige Jugendstrafe. Der andere wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, bei der die Bewährung vorbehalten blieb. Beide hatten, motiviert durch ihre Spielsucht, Einbrüche und Diebstähle in Spielotheken verübt.

Im Januar 2020, also noch vor der Verurteilung im Sommer, hatten sie weitere Straftaten begangen, die seinerzeit noch nicht mit verhandelt werden konnten. Jetzt aber lag die Anklage auf dem Tisch. Das bedeutete für das Jugendschöffengericht, dass eine Gesamtstrafe zu bilden war. Das Urteil von 2020 musste mit dem jetzt zu treffenden Urteil verbunden werden.

1600 Euro Beute aus Spielautomaten

Die beiden Vechtaer waren in Quakenbrück in eine Spielothek eingebrochen, um Geld aus einem Geldspielautomaten zu klauen. Dabei war der 21-Jährige der "Macher"; er konnte besser mit dem Werkzeug umgehen. Der ein Jahr ältere Mittäter übernahm die Funktion des "Abnehmers". Erfolgreich war das Duo nicht.

Weiter ging es nach Friesoythe. Dort stiegen die Anklagten in eine Gaststätte ein. Dort hatten sie mehr Glück und erbeuteten 1600 Euro aus einem Geldspielautomaten.

Weiter ging es: Noch in derselben Nacht brachen die Vechtaer in der Eisenstadt in eine Kneipe ein. Ein Toilettenfenster stand offen. Ob sie dieses vorher bei einem Besuch geöffnet hatten, konnte nicht geklärt werden. Auf jeden Fall hörte der Lokalinhaber die Einbrecher, stand auf und trat den ihnen forsch entgegen. Dabei, heißt es in der Anklage, soll der 21-Jährige versucht haben, den Lokalinhaber mit einem Kuhfuß (Eisenstange) zu schlagen. Dies ließ sich allerdings nicht beweisen. Er habe nur damit "gefuchtelt", um den Mann, der ihn habe umbringen wollen, fernzuhalten. Außerdem habe der Kneipier mit einer Luftpistole geschossen. Dass es sich um eine Schreckschusswaffe gehandelt habe, sei erst später klar geworden.

"Nun, die beiden Angeklagten gaben alle Vorwürfe zu. Beide betonten, sie seien nicht mehr spielsüchtig, hätten Therapiestunden genommen."Klaus Esslinger, Kolumnist

Nun, die beiden Angeklagten gaben alle Vorwürfe zu. Beide betonten, sie seien nicht mehr spielsüchtig, hätten Therapiestunden genommen. Der eine hatte von der Jugendstrafanstalt ein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. Er erklärte, dass er eine Ausbildung machen wolle.  Nummer zwei hat bereits einen Job. Er wolle aber auch noch eine Ausbildung machen, lobte die Bewährungshelferin.

Die Staatsanwältin forderte für den in Haft befindlichen jungen Mann, die 2-jährige Haftstrafe um 6 Monate zu verlängern. Für den Mitangeklagten wählte sie eine 15-monatige Jugendstrafe auf Bewährung – und als Auflage eine Zahlung von 500 Euro in Raten. Das Gericht kam auf 2 Jahre und 3 Monate für den 21-Jährigen und auf ein Jahr auf Bewährung für den 22-Jährigen. Das Gericht legte die Einziehung des Geldes auf jeweils über 10.000 Euro fest, die in Raten zu zahlen sind.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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