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Testen und Impfen: Der Landkreis Cloppenburg will eigene Wege gehen

Die Kreisverwaltung verfolgt das Ziel, das Testzentrum "entbehrlich" zu machen. Die Impfungen will man in Cloppenburg wohl weiter in Eigenregie organisieren – komplett an Hannover vorbei.

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Im Eiltempo umgebaut und doch ungenutzt: Das zentrale Impfzentrum in der Jugendherberge an der Talsperre spielt wohl auch in Zukunft kaum eine Rolle im Landkreis Cloppenburg. Archivfoto: Vorwerk

Im Eiltempo umgebaut und doch ungenutzt: Das zentrale Impfzentrum in der Jugendherberge an der Talsperre spielt wohl auch in Zukunft kaum eine Rolle im Landkreis Cloppenburg. Archivfoto: Vorwerk

Im Umgang mit der Pandemie will der Landkreis Cloppenburg offenbar künftig eigene Wege gehen – sowohl beim Testen, als auch beim Impfen. Es gebe derzeit "Gedankenspiele" in der Kreisverwaltung, sagt Kreissprecher Frank Beumker gegenüber OM online. Der Kern der Überlegungen: Das Gesundheitsamt will dem Coronavirus mit dezentralen, lokalen Strategien begegnen. 

Das Testzentrum des Landkreises Cloppenburg, das Anfang August seinen Betrieb aufgenommen hat, nachdem die Kassenärztliche Vereinigung keine Veranlassung für ein solches Angebot im Landkreis Cloppenburg mehr sah, spielt mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle. Das zeigen die Testzahlen für den Monat Januar: Von den 1160 positiven Coronatests sind lediglich 218 durch das Testzentrum veranlasst worden. 942 positive Testergebnisse wurden durch Fremdlabore an das Gesundheitsamt gemeldet –  also über 81 Prozent.

Fremdlabore spielen zunehmend größere Rolle

Diese Entwicklung hat sich bereits in den letzten Monaten abgezeichnet und weiter verstärkt. Fremdlabore werden zum Beispiel von den Hausärzten, Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern  beauftragt – und auch von Unternehmen. Hier sind vor allem Schlacht- und Zerlegebetriebe zu nennen. Die sind auch weiterhin durch eine Allgemeinverfügung des Landkreises dazu verpflichtet, ihre Belegschaft regelmäßig mit dem Pooling-Verfahren zu testen. Das galt zwischenzeitlich zwar in ganz Niedersachsen. Doch diese Anordnung ist seit dem 31. Dezember abgelaufen. Die Kreisverwaltung reagierte mit einer eigenen Verlängerung der Maßnahme, die nun erst einmal bis zum 31. März gilt (die Verfügung finden sie hier).

Seit Dezember ist die Zahl der vom Landkreis veranlassten PCR-Tests deutlich gesunken. Zum Vergleich: Im November 2020 waren es noch 5017 Abstriche. Der harte Schnitt wurde dann im Dezember vollzogen – im Einklang mit der vom RKI empfohlenen neuen Teststrategie. Wie berichtet, hatte die damalige Empfehlung zum Ziel,  angesichts der mit den Herbst- und Wintermonaten einsetzenden Erkältungs- und Grippewelle Kapazitäten zu schonen. Labore hatten zuvor wegen steigender Testzahlen vor einer Überlastung gewarnt. Deshalb wurden auch enge Kontaktpersonen, die symptomfrei waren, nur dann getestet, wenn sie in einem Haushalt mit der infizierten Person leben. Und: Sollten Kontaktpersonen außerhalb des Haushalts Symptome zeigen, so wurden sie in der Regel an die Hausärzte verwiesen, die dann wiederum Fremdlabore beauftragt haben.

Gesundheitsamt nahm im Januar 1171 Abstriche

Just ab diesem Zeitpunkt ging die Zahl der vom Gesundheitsamt veranlassten Tests auch mehr als deutlich zurück – im Dezember auf 1.405, im Januar waren es schließlich nur noch 1171 Abstriche, die vom Kreishaus an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Lebensmittel- und Veterinärinstitut (Laves) in Oldenburg geschickt wurden. Davon waren 945 der Proben negativ. "Bei 226 Auswertungen wurden positive Testergebnisse auf das Coronavirus festgestellt", berichtet Beumker.

Er spricht von "mehreren tausend Abstrichen", die mittlerweile durch Fremdlabore ausgewertet werden. Wieviele es tatsächlich sind, könne aber niemand sagen. "Über die Gesamtzahl der Testungen in Fremdlaboren gibt es in Deutschland keine statische Erfassung, die den Gesundheitsämtern gemeldet wird, da nur positive Testungen meldepflichtig sind", erklärt Beumker.

Mittlerweile ist die bundesweite Teststrategie geändert worden –offenbar als Reaktion auf die sich ausbreitenden Mutationen. Seit dem 8. Februar wird nun wieder empfohlen, auch enge Kontaktpersonen außerhalb des Haushaltes zu testen, selbst wenn diese keine Symptome zeigen. Das wird aber im Landkreis Cloppenburg keine Anwendung finden, wie Frank Beumker auf Anfrage von OM online bestätigt. "Das Gesundheitsamt hat aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens entschieden, Kontaktpersonen der Kategorie 1 außerhalb des eigenen Haushalts nicht zu testen." Begründung: Die derzeitige Arbeitssituation lasse es nicht zu, auch bei diesen Kontaktpersonen Abstriche zu nehmen. "Die empfohlene Teststrategie des RKI ist bei einem Inzidenzwert von über 100 für den Landkreis Cloppenburg derzeit nicht anwendbar. Ab einem Wert von unter 50 wäre es möglich", sagt Beumker.

Gleichwohl reagiert das Gesundheitsamt auf die Mutationen – mit umfangreichen Umgebungsuntersuchungen. Und das passiert auch schon bei einem Verdachtsfall, also bevor die Mutation erst nach einer Gensequenzierung im Labor nachgewiesen wurde. Diese veranlassten Reihentests erstrecken sich dann nicht nur auf K1-Kontaktpersonen außerhalb des Haushalts, sondern sogar auch auf K2-Kontakte. Die ersten Fälle hätten gezeigt, dass bereits Kontaktpersonen von Kontaktpersonen infiziert waren, als die Mutation nachgewiesen wurde. Dieselbe Beobachtung hat auch der Landkreis Vechta gemacht – dort ist die Mutation schon vor den ersten Fällen im Landkreis Cloppenburg erstmals nachgewiesen worden.

Die Cloppenburger Kreisverwaltung begründet ihre Entscheidung, von der neuen Teststrategie abzuweichen, damit, dass so Ressourcen im Falle eines Infektionsschwerpunktes gezielt genutzt werden können. Beumker kann dafür konkrete Beispiele nennen: im Cloppenburger Krankenhaus, dem Seniorenzentrum Emstek, der Seniorenresidenz Alloheim, der Sophie-Scholl-Schule in Friesoythe und dem Garreler Schlachtbetrieb.

"Somit wird das Ziel, dass zentrale Testzentrum des Landkreises auf Dauer entbehrlich zu machen, schrittweise erreicht."Kreissprecher Frank Beumker

Das Cloppenburger Gesundheitsamt sieht seine Rolle also langfristig nicht als haupttragende Säule der Teststrategie, sondern eher als "Feuerwehr" bei plötzlich auftretenden Hotspots. Welche Rolle spielt also das Testzentrum, das mit Mitteln des Landkreises finanziert wird, überhaupt noch? Eine Schließung der Einrichtung steht in nächster Zukunft nicht an, wie Beumker gegenüber OM online betont. Die Aufgabe des Testens – und darauf deutet der zunehmende Anteil von Fremdlaboren hin – sieht man dennoch wohl eher künftig bei den Hausärzten. Dem Gesundheitsamt käme dann ausschließlich die Rolle der Kontaktnachverfolgung und die Entsendung von mobilen Test-Teams zu. "Somit wird das Ziel, dass zentrale Testzentrum des Landkreises auf Dauer entbehrlich zu machen, schrittweise erreicht", sagt Beumker.

Wird das zentrale Impfzentrum überhaupt genutzt?

Innerhalb der Cloppenburger Kreisverwaltung steht offenbar nicht nur das Test-, sondern auch das zentrale Impfzentrum an der Thülsfelder Talsperre auf dem Prüfstand. Der Landkreis hatte seinerzeit relativ flott einen geeigneten Standort nach den Maßgaben des Landesregierung gefunden. Die derzeit ungenutzte Jugendherberge wurde umgebaut – und kam am Ende kaum zum eigentlich geplanten Einsatz. Es ist vielmehr nur eine Art Verteilzentrum der Impfdosen geworden. Denn wie bereits berichtet, schwenkte der Landkreis bei der Impfstrategie um: In Abstimmung mit den 13 Städten und Gemeinden wurden lokale Impfangebote für die erste Zielgruppe der Über-80-Jährigen geschaffen – landesweit einmalig. Das Konzept ging auf: Die Impfwilligen blieben bislang von einer ständig besetzten Termin-Hotline und überlasteten Online-Plattform des Landes Niedersachsen verschont. Lücken- und fehlerhafte Impfbenachrichtigungen gab es hier ebenfalls nicht, denn es wurde mit den Daten der Meldeämter gearbeitet. Mehrere Landkreise haben bereits Interesse gezeigt, das Konzept übernehmen zu wollen.

Die von Beumker genannten "Gedankenspiele" drehen sich nach Informationen von OM online auch um die Rolle des Impfzentrums bei den künftigen Zielgruppen. Denn es gibt erste und auch durchaus konkretere Gespräche zwischen Kreisverwaltung und den 13 Rathäusern, das Konzept der lokalen Impfangebote auch für die über 70-Jährigen zu übernehmen. Eine entsprechende Andeutung machte  bereits Cloppenburgs Bürgermeistermeister Dr. Wolfgang Wiese.

Auch hier könnte man von den verlässlicheren (Geburts-)Daten der Meldeämter profitieren. Doch die Sache hat einen Haken: In der zweiten Stufe der Impfstrategie sind nicht nur die über 70-Jährigen, sondern auch Menschen mit schweren Vorerkrankungen enthalten. Diese Informationen liegen den Meldeämtern allerdings nicht vor. Sie werden lediglich von den Hausärzten und Krankenkassen in den Patientenakten erfasst – auf die haben die Rathäuser aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich keinen Zugriff. Logische Konsequenz wäre also, die Hausärzte auf kommunaler Ebene mit an Bord zunehmen. In deren Praxen könnte dann ebenfalls geimpft werden. Einen ersten Anlauf in diese Richtung will auch die Landesregierung machen. Ein entsprechender Versuch in ausgewählten Praxen des Landes wurde bereits angekündigt.

Einen Kommentar zu dem Thema finden Sie hier.

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