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Teller statt Tonne: Kampf dem Wegwerfwahn

Die Initiative "Foodsharing" möchte verhindern, das Essbares im Müll landet. Auch in Vechta gibt es Aktive.

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Ein Beispiel, wie die Lebensmittel verteilt werden können. Foto: Saalfeld

Ein Beispiel, wie die Lebensmittel verteilt werden können. Foto: Saalfeld

Weltweit landen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Allein in Deutschland sind es ca. 18 Millionen Tonnen. Das Problem: Die meisten Esswaren werden ohne guten Grund weggeworfen. Die Umweltbewegung "foodsharing" möchte dieser Verschwendung etwas entgegensetzen und "rettet" die noch genießbare Nahrung vor der Tonne – auch in Vechta. 

Lisa Reinhold ist Studentin und Botschafterin von "foodsharing" in Vechta. Zu ihren Aufgaben gehört die Koordinierung der Freiwilligen, die sich "Foodsaver" nennen. Sie kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von Aktionen und Treffen. 2012 sei die Initiative "foodsharing" ins Leben gerufen worden, um Menschen für die Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren und sich aktiv gegen die Ressourcenverschwendung einzusetzen. Mehr als  200.000 Nutzer seien auf der Internetplattform foodsharing.de registriert. In ganz Europa seien sie zuhause, erzählt Reinhard.

Lebensmittelverschwendung belastet auch die Umwelt

"Die Wenigsten bemerken die Umweltbelastung, die durch unnötiges Wegwerfen von Lebensmittel entsteht", erklärt die Studentin. Beispiel gefällig? Auch wenn ein Produkt in der Tonne landet, haben Erzeugung und Transport viel Energie gekostet und Müll verursacht; die Verpackung kommt hinzu. "Das sind alles Kosten und schlussendlich Belastungen für die Natur, die vollkommen umsonst sind, wenn die Nahrung weggeschmissen wird." Aus diesem Grund sehe sich "foodsharing" als Umweltbewegung.

Aber warum landet Genießbares im Müll? Mal sei es die Optik, sagt Reinhold. Oder ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum. "Ein Großteil des Weggeworfenen ist noch essbar", versichert die Studentin. 

Um diese Kette zu durchbrechen, arbeiten die Foodsaver mit Supermärkten, Cafés, Restaurants und ähnlichen Betrieben zusammen. Reinhold erklärt, es würden feste Zeiten mit den Unternehmen ausgemacht, zu denen die Lebensmittel abgeholt werden. "Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sind besonders wichtig." Die Foodsaver sortieren dann aus und nehmen mit, was sie gebrauchen können. "Das, was nicht mehr genießbar ist, wird noch vor Ort entsorgt", versichert die Studentin.

Rechtliche Absicherung für Kooperationspartner

Rechtlich gesehen werden die Kooperationspartner dadurch abgesichert, dass die Foodsaver eine Vereinbarung unterschreiben. So entstünden keine Risiken für die Unternehmen.

In Vechta gibt es momentan zwei dieser Kooperationen mit Supermärkten, sagt Reinhold. "Das sind teilweise unvorstellbare Mengen an Lebensmitteln, die da zusammenkommen, obwohl die Tafel bereits da war und schon was abgeholt hat", erklärt sie. Grund dafür seien die strengen Vorschriften, denen auch die Tafel – sie verteilt Ware an Bedürftige – unterliegen würde. Für "foodsharing" gelten diese Regeln nicht. 

Nach der Abholung: (von links) Anne Bokop, Steffen Helms und Anne Teuber sortieren die Lebensmittel. Foto: ReinholdNach der Abholung: (von links) Anne Bokop, Steffen Helms und Anne Teuber sortieren die Lebensmittel. Foto: Reinhold

Es hätte bereits mehr Kooperationen gegeben, die jedoch leider nicht mehr bestehen würden. "Man muss natürlich auch genug Leute haben, die regelmäßig abholen." Wobei: In letzter Zeit meldeten sich wieder mehr Freiwillige, sagt Reinhold.

Über die "Fair-Teiler" kommt die Ware zum Verbraucher

Nach der Abholung werden die Lebensmittel verteilt. Dies geschieht meist über sogenannte "Fair-Teiler", die sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum stehen können. Sprich: Ein Regal oder einen Kühlschrank, der zugänglich ist. Über die Plattform foodsharing.de werden den Foodsavern diese Orte angezeigt. Kostenlos dürfen sie sich bedienen. "Viel wird aber auch über Freunde, Verwandte und Nachbarn verteilt", erzählt Reinhold. 

Auch Privatleute könnten viel tun. "Es gibt Essenskörbe, die ebenfalls auf der Plattform erscheinen", erklärt die Studentin. Wenn man beispielsweise selbst in den Urlaub fährt, der Kühlschrank aber noch voll ist, könnte man die Ware so anbieten. Hat wer Interesse, kann er sich melden. "Sowohl die Nutzung der Plattform als auch die der Fair-Teiler ist kostenfrei", betont Reinhold. 

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