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Telefon-Seelsorge mal anders: Hubert Looschen blickt auf 7000 Ständchen zurück

Der Garreler bringt die Leitungen zum Glühen. Seit Pandemie-Beginn gratuliert der Diakon allen Geburtstagskindern seiner Pfarrgemeinde. Dabei blieben einige Momente besonders in Erinnerung.

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Auf der Spurensuche: Um Telefonnummern herauszufinden, nutzt Hubert Looschen unter anderem das Telefonbuch. Archivfoto: Vorwerk

Auf der Spurensuche: Um Telefonnummern herauszufinden, nutzt Hubert Looschen unter anderem das Telefonbuch. Archivfoto: Vorwerk

Bald jährt sich der Beginn der Corona-Pandemie zum zweiten Mal und damit auch ein besonderes Projekt von Hubert Looschen. Angefangen habe alles im März 2020, blickt der ehrenamtliche Diakon der Garreler Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist zurück. Seitdem ruft er jedes Gemeindemitglied im Alter von 1 bis 79 zum Geburtstag an (alle ab 80 Jahren besucht bereits das Pastoralteam persönlich). 

Fast zwei Jahre später beeinflusst die Pandemie noch immer das Leben und Looschen führt sein Projekt fort. Im Sommer unterbrach der 72-jährige Pensionär den Gratulationsmarathon wegen eines Krankenhausaufenthalts und machte eine Anruf-Pause. Viele Leute hätten das bedauert, berichtet der ehemalige Schulleiter. Deswegen möchte er ab Januar wieder durchstarten.

Im Schnitt gratuliert er 20 bis 25 Menschen täglich

Doch bevor das Telefon erneut heiß läuft, blickt der Garreler zurück. In einem Jahr habe er circa 7000 von 8400 Gemeindemitgliedern gratuliert. Dabei habe das Maximum von Geburtstagskindern an einem Tag bei 42 gelegen. An Heiligabend habe er dagegen nur 9 Menschen gratuliert. Der Schnitt liege wohl zwischen 20 und 25 Anrufen täglich, schätzt Looschen. 

"Ich hab' nicht alle erreicht, aber sehr viele", berichtet der 72-Jährige. Um die Telefonnummern herauszufinden, sei er kurzerhand zum Detektiv geworden. "Ich nutze neben dem Telefonbuch und der Internetsuche auch Facebook." Um jüngere Personen zu finden, möchte er sich noch Instagram anschaffen, erzählt Looschen. 

Einige Telefonate waren bewegend, andere lustig

Seine Glückwünsche begleitet der Diakon mit einem Ständchen. "Ich singe gerne." Er habe verschiedene Lieder im Repertoire und wähle je nach Alter aus. "Ich möchte noch ein Lied von den Wise Guys einüben." Am Anfang habe er gezweifelt, ob ein Ständchen bei allen gut ankommen würde. "Aber alle haben sich gefreut." Nur eine Handvoll Geburtstagskinder seien ein wenig reserviert gewesen. "Aber aufgelegt hat bisher keiner." Ganz im Gegenteil, die Aktion habe sich mittlerweile herumgesprochen. "Einige Kinder kamen von der Schule nach Hause und fragten: 'Hat der Diakon schon angerufen?'"

"Ich hab' Spaß daran", erklärt Hubert Looschen seinen Antrieb. Einige Begegnungen hätten ihn besonders bewegt. Nach den Telefonaten mit zwei Jugendlichen mit Behinderungen hätten ihm die Eltern jeweils ein Foto zugeschickt. "Die Fotos zeigen, wie sie sich im Moment des Singens freuen. Die Bilder habe ich gut archiviert", erzählt Looschen. Viele Geburtstagskinder seien vor allem überrascht. Und lustige Momente habe es auch gegeben: "Einmal hat ein älterer Herr kräftig mitgesungen." 

"Ich könnte Marketing-Experte sein, ich bin immer auf dem Laufenden."Hubert Looschen

Im Gespräch mit den Geburtstagskindern leiste er außerdem oft Telefon-Seelsorge. "An sich ist das alles Seelsorge. Aber wenn jemand schwer erkrankt ist und mir davon berichtet, bin ich einfach Zuhörer." Er habe gelernt, darauf zu achten, welche Stimmung am anderen Ende der Leitung herrscht. Mit den meisten Menschen komme er länger ins Gespräch, erkunde sich, wie es ihnen geht. "Kinder frage ich, was sie geschenkt bekommen haben. Ich könnte Marketing-Experte sein, ich bin immer auf dem Laufenden", lacht der 72-Jährige. 

Zwei bis drei Stunden beschäftige er sich täglich mit den Gratulationen, berichtet der Diakon, sogar in den Urlaub begleitete ihn die Telefonliste. Das Telefon stand aber auch an seinem Geburtstag nicht still: "Einige haben mich speziell wegen der Aktion angerufen". Er habe es sich aber auch nicht nehmen lassen, den Menschen zu gratulieren, die sich mit ihm den Geburtstag teilen.

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