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Taufgespräch

Kolumne: Auf ein Wort – "Wie denken Sie über eine christliche Erziehung?": Aus dieser Frage entwickelt sich ein intensives Gespräch zwischen einer Pastorin und einem Elternpaar über die Kindstaufe.

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Die junge Mutter kommt mit dem Kinderwagen ins Pfarrbüro und bringt ihr Anliegen vor: Das Kind soll getauft werden. Die persönlichen Daten werden aufgenommen und der Tauftermin abgestimmt. "Unsere Pastorin wird sich telefonisch bei Ihnen melden und einen Termin zum Taufgespräch vereinbaren. Sie wird Sie zu Hause besuchen." 

Die junge Mutter geht, schon abends meldet sich die Pastorin. Auch hier gelingt die Terminabsprache für den Taufbesuch zügig. Man einigt sich auf einen Besuch um 21 Uhr, dann schläft der Säugling (hoffentlich!), und man hat Ruhe und Zeit. Die Pastorin klingelt. Man begrüßt sich freundlich, eine wohlwollende Atmosphäre. Die Pastorin erklärt den Ablauf des Taufgottesdienstes, dann fragt sie: "Wie denken Sie über eine christliche Erziehung?"

Kinderbibel als 1. Schritt

Schweigen. "Nun ja", beginnt die Mutter zögerlich, "einer der Paten wird sicher eine Kinderbibel zur Taufe schenken, daraus werden wir dem Kind später vorlesen." Die Pastorin lächelt: "Prima, ein 1. Schritt, aber ist christliche Erziehung nicht mehr?" Der junge Vater mischt sich ein. "Hören Sie, meine Frau und ich zahlen beide Kirchensteuer, sagt das nicht genug über unsere Gesinnung?" Die Pastorin räuspert sich. "In der Tat, das ist heutzutage nicht selbstverständlich, danke. Aber ich frage nicht, um Sie zu ärgern, sondern ob Ihnen als Eltern klar ist, dass Sie bei der Taufe Ihres Kindes ein Versprechen zur christlichen Erziehung abgeben."

"Nur so viel zum Thema Gottesdienst: Wer nie einen besucht, kann sich auch kein Urteil darüber erlauben.“Im Text zitierte Pastorin

Er ärgert sich. "Wenn Sie von uns erwarten, dass wir jetzt jeden Sonntag zum Gottesdienst rennen, dann muss ich Sie enttäuschen, das haben meine Frau und ich nicht vor." "Das habe ich auch nicht erwartet. Nur so viel zum Thema Gottesdienst: Wer nie einen besucht, kann sich auch kein Urteil darüber erlauben." 

Die Mutter meldet sich zu Wort. "Also christliche Erziehung, äh. .. das ist, ... wir wollen, dass unser Kind ein ordentlicher Mensch wird, Charakter entwickelt und Selbstbewusstsein." Vater nickt. "Genau! Nicht nur an sich denkt, sondern auch an die Mitmenschen und die Umwelt." Die Pastorin nickt. "Ich habe selbst Kinder und ich kann nur sagen, da haben Sie sich meiner Meinung nach ein hehres Ziel gesetzt." Der Vater sieht sie an. "Das ist doch nicht alles, was Sie dazu zu sagen haben?" Wieder nickt die Pastorin. "Stimmt. Sie wollen Ihr Kind zu einem guten Menschen erziehen, Motto: 'Jeder Mensch, ist wertvoll und sollte mit Respekt behandelt werden.' Eigentlich könnte ich jetzt aufstehen, Ihnen in die Augen schauen und sagen: 'Gut so',... und nach Hause gehen."

"Aber?", fragt der Vater. "Ich würde Ihnen gerne noch mitgeben, was christliche Erziehung für mich bedeutet: Wie Gott, wie Christus im Leben zum Fundament werden..." Es entwickelte sich ein intensives Gespräch, und der Gatte der Pastorin war ein wenig unwirsch, als sie erst gegen 23 Uhr gut gelaunt nach Hause kam.


Zur Person

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher. Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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