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Tafel will Zweigstelle in Vechta Anfang 2021 eröffnen

Die ehemalige Gaststätte Mählmann an der Oldenburger Straße soll als Ausgabestelle für bedürftige Menschen dienen. Damit dürfte sich der Weg für viele Kunden verkürzen.

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Die Suche nach einem Standort ist geglückt: Tafel-Vorsitzender Norbert Fink (rechts) und Schriftführer Otto Averbeck freuen sich über die kostenlose Bereitstellung der ehemaligen Gaststätte. Die Immobilie befindet sich im Eigentum der Stadt Vechta. Foto: Speckmann

Die Suche nach einem Standort ist geglückt: Tafel-Vorsitzender Norbert Fink (rechts) und Schriftführer Otto Averbeck freuen sich über die kostenlose Bereitstellung der ehemaligen Gaststätte. Die Immobilie befindet sich im Eigentum der Stadt Vechta. Foto: Speckmann

Seitdem vor etwa 5 Jahren der Zapfhahn umgedreht und die Tür geschlossen wurde, herrscht Ruhe in der Gaststätte Mählmann. Doch Anfang 2021 soll wieder Leben in das ehemalige Wirtshaus im Norden der Kreisstadt einkehren. Bier und Schnaps wird es nicht geben. Aber dafür reichlich Gemüse, Backwaren, Milchprodukte und sonstige Lebensmittel zum Mitnehmen – und zwar ausschließlich für bedürftige Menschen.

Die Tafel Lohne steckt mitten in den Vorbereitungen für die Eröffnung der sozialen Einrichtung an der Oldenburger Straße. Nach Visbek und Damme soll nun eine 3. Außenstelle hinzukommen, um sozial schwachen Einwohnern im Landkreis Vechta unter die Arme zu greifen. „Wir hoffen, dass wir mehr bedürftigen Familien helfen können“, sagt Vorsitzender Norbert Fink.

An Kundschaft dürfte es der neuen Tafel nicht mangeln. Am Hauptsitz in Lohne kämen schon jetzt etwa 40 Prozent der Kunden aus dem Raum Vechta, berichtet der Vorsitzende. Darüber hinaus gebe es in der Kreisstadt etwa 20 Senioren, die aufgrund ihrer Behinderung oder ihres Alters die Ware direkt ins Haus geliefert bekommen. An diesem Service soll auch künftig nicht gerüttelt werden.

Blick in die Gaststube: Die Theke soll als Empfang dienen. Im hinteren Clubzimmer erfolgt die Warenausgabe. Foto: SpeckmannBlick in die Gaststube: Die Theke soll als Empfang dienen. Im hinteren Clubzimmer erfolgt die Warenausgabe. Foto: Speckmann

Die Außenstelle soll dafür sorgen, dass sich die Wege in vielen Fällen verkürzen und auch neue Kunden hinzukommen können. Allerdings stellen die Vertreter der Tafel Lohne immer wieder fest, dass sich manche Leute nicht trauen, das kostengünstige Angebot in Anspruch zu nehmen. „Die Schamgrenze zu überwinden, ist für viele Menschen ein Problem“, sagt Schriftführer Otto Averbeck.

Mit der Standortwahl sind die Vorstandsvertreter zufrieden, auch wenn das Gebäude nicht direkt im Zentrum, sondern am Rande der Innenstadt liegt. Die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr ist gegeben. Eine Bushaltestelle befindet sich direkt vor der Tür. Und auch Parkplätze stehen auf dem Anwesen und in direkter Nachbarschaft ausreichend zur Verfügung.

Stadt Vechta stellt Räume kostenlos zur Verfügung

Ein großes Lob und Dankeschön gilt der Stadt Vechta, die seit einigen Jahren im Besitz der Immobilie ist und die leer stehenden Räume nun kostenlos für den gemeinnützigen Verein zur Verfügung stellt. Es habe schon früher Bestrebungen gegeben, eine Zweigstelle in Vechta einzurichten. Doch die Bemühungen seien an fehlenden Räumen gescheitert, blickt Fink zurück.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) hat sich im Frühjahr bei seinem Besuch des Hauptsitzes in Lohne von dem Engagement überzeugt. „Vor dem Team der Tafel kann man nur den Hut ziehen“, sagt er. „Die Ehrenamtlichen helfen vielen Menschen, denen das nötige Geld für das Wichtigste und Grundlegende fehlt: Lebensmittel. Und sie leben in unserer Überflussgesellschaft einen verantwortungsbewussten Umgang mit Nahrungsmitteln vor.“

Die Kommunen dürften diesen Unterstützungsbedarf nicht aus den Augen verlieren und würden dies auch nicht tun, so der Vechtaer Verwaltungschef mit Blick auf die hohe Zahl der Nutznießer. Schließlich gibt es auch im Landkreis Vechta viele Mitbürger mit geringem Einkommen. Die Tafel verzeichnet aktuell etwa 120 Familien und Einzelpersonen, die allein in Lohne bedient werden. In Damme sind es etwa 80, in Visbek rund 60 Empfänger.

Die Stadt Vechta leistet auch finanzielle Hilfe bei der Herrichtung der Räume. In den nächsten Tagen sollen die Handwerker anrücken, um neue Fußböden zu verlegen und Wände zu streichen. Gleichwohl rechnet die Tafel mit nicht unerheblichen Kosten. Sie muss sich um die Inneneinrichtung kümmern, neue Regale, Rolltische und Kühlbehälter anschaffen.

„Die Ware kommt fix und fertig hierher."Norbert Fink, Vorsitzender der Tafel Lohne

Die alte Einrichtung der Gaststube bleibt erhalten. Die Theke dient als Empfang, das Clubzimmer als Ausgaberaum. „Die Ware kommt fix und fertig hierher“, sagt Fink. Die Sortierung der von regionalen Verbrauchermärkten und Firmen zur Verfügung gestellten Produkte erfolgt in Lohne und wird dann in Vechta angeliefert. Die Ausgabe soll voraussichtlich jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr erfolgen.

An personeller Unterstützung mangelt es offenbar nicht. Der jüngste Aufruf in der Oldenburgischen Volkszeitung habe gefruchtet, freut sich der Vorsitzende. Inzwischen stünden fast 190 Helfer auf der kreisweiten Liste. Und wann startet der Betrieb in Vechta? „Anfang Februar“, hofft der Vorsitzende und fügt mit Blick auf die schwierigen Rahmenbedingungen hinzu: „wenn Corona will“.

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