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Tafel Lohne: "Unsere Kapazitäten sind ausgelastet"

Die gestiegenen Preise, der Ukraine-Krieg und die Pandemie hinterlassen auch bei dem Verein seine Spuren. Seit einem Monat können keine Neukunden aufgenommen werden.

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Bereiten die Lieferung aus Lohne nach Vechta vor: (von links) Margret Hafkemeyer-Zinke, Christine Körbel, Manuela Heiland, Renate Meyer, Luise Sieveke, Bernadette Bosbach, Dimen Sami, Hildegard Fischer-Flüher und Emma Schneider. Foto: E. Wenzel

Bereiten die Lieferung aus Lohne nach Vechta vor: (von links) Margret Hafkemeyer-Zinke, Christine Körbel, Manuela Heiland, Renate Meyer, Luise Sieveke, Bernadette Bosbach, Dimen Sami, Hildegard Fischer-Flüher und Emma Schneider. Foto: E. Wenzel

Inflation, Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und seine Folgen – immer mehr Menschen leben in Armut. Auch der Landkreis Vechta bleibt davon nicht unberührt. Diese Entwicklung macht sich unter anderem bei einer Institution sichtbar: der Lohner Tafel. So war die Tafel am 1. Juli gezwungen, die Aufnahme neuer Kunden zu stoppen. "Unsere Kapazitäten sind ausgelastet", meint der erste Vorsitzende Norbert Fink. Bis wann der Aufnahmestopp anhalten wird, kann der Vorsitzende nicht sagen.

Mit 4 Standorten im Landkreis Vechta ist die Tafel gut aufgestellt. Sie bedient insgesamt 1792 registrierte Kunden – in der Woche seien circa 600 bis 700 Kunden vor Ort, sagt Norbert Fink. Auf die einzelnen Standorte verteilt seien es rund 100 Personen in Visbek, 150 in Damme, 160 in Vechta und in Lohne zwischen 140 und 180. Für eine große Veränderung habe der Ukraine-Krieg gesorgt. Etwa 500 ukrainische Familien seien dazugekommen. 

Durch die große Kundenanzahl mache sich besonders ein Problem bemerkbar: Die Tafel hat zu wenig Personal. Rund 150 Ehrenamtliche und zwei Festangestellte arbeiten insgesamt bei der Tafel Lohne, am Standort Lohne sind es circa 50. Bei hunderten von Kunden komme bei der Ausgabe der Ware in dem Frauenteam oft Stress auf, sagt Fink. Es seien dringend mehr Helfer für die Ausgabe nötig. 

Fahrer nutzen für Lieferungen ihre privaten Autos

Darüber hinaus würden aber auch Fahrer gesucht, meint der Vorsitzende weiter. Einige Kunden der Tafel seien nicht mehr in der Lage, sich persönlich ihr Essen abzuholen, weiß Fink aus Erfahrung. Hierbei handle es sich besonders um Senioren und schwerbehinderte Menschen. Zu diesen werden die Essenspakete geliefert. Probleme durch zu hohe Spritpreise habe die Tafel dank Spenden nicht. Aber: Es sei ein weiteres Auto für Lieferungen zu Senioren nötig. Bisher müssen die Fahrer ihre privaten Fahrzeuge nutzen. 

Ein Grund, weshalb vor allem Senioren oft nicht mehr zur Ausgabe der Tafel kommen, ist, dass dabei auch einiges an Zeit eingeplant werden muss. Es kann zu Wartezeiten von bis zu 1,5 Stunden kommen, berichtet Fink. Damit die Verteilung dennoch gerecht ist, werden die Nummern ausgelost, welche die Reihenfolge vorgeben – sonst könnten Personen mit mehr Zeit als erste vor der Tür stehen. Denn die Kundschaft der Tafel setzt sich aus verschiedenen Personengruppen zusammen. Rund 40 Prozent seien Rentner und Arbeitslose, die restlichen 60 Prozent sind Flüchtlinge, teilt Fink mit. Woher die Geflüchteten kommen, dokumentiert die Tafel nicht mehr. Fink erklärt, dass er bei der Kategorisierung einen unschönen Beigeschmack hätte.

Gestiegene Kosten können durch Spenden ausgeglichen werden

Auch die gestiegenen Preise wirken sich auf die Tafel aus. Die Ausgaben für Benzin bei der Tafel seien um ungefähr 50 Prozent gestiegen. Auch die Ware sei weniger geworden. Das könne aber andere Gründe haben, sagt Fink. Trotzdem könne sich Fink nicht beklagen. Es sei genug Ware vorhanden, da die Tafel ihre Ware aus dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel und von vielen weiteren Unternehmen erhält. Außerdem sei die Organisation besonders durch Spenden gut aufgestellt. Der erste Vorsitzende lobt das Engagement der Menschen aus dem Landkreis Vechta. In anderen Kreisen sei die Spendenbereitschaft nicht so hoch. 

Auch die höheren Strompreise würden der Tafel kein Problem machen. Sie können noch durch die 2 Euro der jeweiligen Kunden gedeckt werden. Wie es in Zukunft weitergeht, können Fink und der Schriftführer Otto Averbeck nicht einschätzen. Sie könnten nicht abschätzen, wie sich etwa die Situation mit den ukrainischen Flüchtlingen weiterentwickelt. Ein Wunsch für die Zukunft bleibt aber: "Wir hoffen, dass dann weniger Kunden da sind", sagt Averbeck. 

  • Info: Die Tafel Lohne sucht noch Helferinnen und Helfer für die Waren-Ausgabe. Diese findet meist Nachmittags statt. Der Kontakt zu dem ersten Vorsitzenden Norbert Fink ist möglich unter Telefon 0157/75351762.

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