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Tafel bedient viele neue Kunden in Vechta

Die Inbetriebnahme der Zweigstelle an der Oldenburger Straße erweist sich als richtige Entscheidung. Die kurzen Wege zahlen sich offenbar aus.

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Der Lieferverkehr ist dank des neuen Transporters gesichert. Die Vertreter der Tafel danken der Bürgerstiftung Vechta und auch den weiteren Sponsoren für die Unterstützung. Die Aufnahme zeigt Anita Arling, Dr. Jutta Meerpohl, Norbert Fink, Hildegard Fischer-Flür, Josef Kleier, Sieglinde Rothe, Annelie Hemmersbach, Maria Thöle, Maria Siemer und Agnes Südkamp (von links). Foto: Bürgerstiftung Vechta

Der Lieferverkehr ist dank des neuen Transporters gesichert. Die Vertreter der Tafel danken der Bürgerstiftung Vechta und auch den weiteren Sponsoren für die Unterstützung. Die Aufnahme zeigt Anita Arling, Dr. Jutta Meerpohl, Norbert Fink, Hildegard Fischer-Flür, Josef Kleier, Sieglinde Rothe, Annelie Hemmersbach, Maria Thöle, Maria Siemer und Agnes Südkamp (von links). Foto: Bürgerstiftung Vechta

Die Regale und Kühltruhen sind gut gefüllt, Menschen aller Altersgruppen decken sich mit Lebensmitteln ein, marschieren mit voll bepackten Tüten aus dem Haus: In der neuen Zweigstelle der Tafel Lohne herrscht jeden Freitagnachmittag ein Kommen und Gehen. Das Angebot an der Oldenburger Straße in Vechta wird seit der Einweihung vor drei Monaten sehr gut angenommen.

Bedürftigen Menschen zu helfen, ist für die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Herzensangelegenheit, und eine große Herausforderung zugleich. Dass das neue Angebot in der Kreisstadt ankommt, ist für alle Beteiligten eine schöne Bestätigung. "Es war die richtige Entscheidung, eine Zweigstelle in Vechta zu eröffnen. Die Einrichtung lohnt sich für unsere Kunden", erklärt Vorsitzender Norbert Fink.

Einkommensgrenze liegt bei 950 Euro

Schon bei der Eröffnung am 12. März standen die Menschen vor der Tür der ehemaligen Gaststätte Mählmann Schlange. In den vergangenen Monaten ist der Zuspruch noch größer geworden. "Das Angebot ist sehr gut angelaufen. Wir haben etwa 80 bis 100 Familien, die jede Woche in unsere Ausgabestelle kommen", berichtet Fink. Einige kämen jeden Freitag, andere dafür etwas seltener.

Alle Hände voll zu tun: Die ehrenamtlichen Helferinnen der Tafel können sich über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Schon bei der Eröffnung am 12. März herrschte reger Andrang. Foto: SpeckmannAlle Hände voll zu tun: Die ehrenamtlichen Helferinnen der Tafel können sich über mangelnde Kundschaft nicht beklagen. Schon bei der Eröffnung am 12. März herrschte reger Andrang. Foto: Speckmann

Es sind zum Teil schon bekannte Gesichter, denn einige Kunden haben früher die Hauptstelle in Lohne aufgesucht. Wer in Vechta wohnhaft ist, kann sich nun den Weg und somit auch die Fahrtkosten in die Nachbarstadt sparen. Die örtliche Nähe ist für den Tafel-Vorstand ein Hauptgrund gewesen, neben den bisherigen Standorten in Lohne, Visbek und Damme eine weitere Ausgabestelle einzurichten.

"Wir sind näher am Kunden und haben schon mehr als 40 Neuaufnahmen."Norbert Fink, Vorsitzender der Tafel Lohne

Die Verantwortlichen wissen, dass vor allem ältere Leute häufig kein Auto besitzen und somit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Bedürften Menschen fehlen zudem die finanziellen Mittel für Bus oder Bahn. Ihnen kommt das Angebot vor Ort besonders entgegen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider, wie Fink feststellt: "Wir sind näher am Kunden und haben schon mehr als 40 Neuaufnahmen."

Wer Anspruch auf die kostenlosen Lebensmittel hat, hängt von den finanziellen Verhältnisse ab. Neben Beziehern von Arbeitslosengeld II kommen auch Rentner, Alleinerziehende und Geringverdiener in Betracht. Die Einkommensgrenze liegt bei 950 Euro. Jeder weitere Erwachsene einer Familie darf zusätzlich 350 Euro haben. Für Kinder unter 16 Jahren werden 250 Euro, über 16 Jahre 300 Euro akzeptiert.

Die Anträge auf die Ausstellung eines Tafelausweise können während der Ausgabezeiten gestellt werden. Bei der Überprüfung der Einkommensverhältnisse stellt der Vorstand immer wieder fest, dass manche Rentner weit unter den Einkommensgrenzen liegen. Außerdem zählen viele alleinerziehende Eltern oder auch Personen mit Zeitverträgen zu den Bedürftigen.

Pandemie wirkt sich auf die Zahlen aus

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse haben in jüngster Zeit viele Bedürftige den Weg zur Tafel gescheut. Nicht unbedingt aus Scham vor der Inanspruchnahme der Hilfe, wie es den Erfahrungen zufolge häufig der Fall ist, sondern wegen der Corona-Pandemie. Vor allem ältere Menschen hätten Kontakte gescheut. Doch durch die gesunkenen Inzidenzzahlen und die Zunahme an Impfungen verbessere sich die Situation. "Die Zahlen ziehen zurzeit wieder an", sagt Fink.

Um die Ausgabe der Lebensmittel kümmern sich ehrenamtliche Kräfte. Fast 20 Frauen und Männer sind in der Zweigstelle in Vechta im Einsatz. Bei dem Großteil handelt es sich um Neulinge, die zuvor am Hauptsitz in Lohne eingewiesen worden sind und nun ganz routiniert ihren Job machen. "Alle ziehen sehr gut mit, es gibt nichts zu meckern", freut sich der Vorsitzende über das soziale Engagement.

Dankbar ist der Vorstand auch über die Unterstützung der Lieferanten, ohne die eine Tafel gar nicht funktionieren würde. Die Warenbeschaffung bereitet trotz des zusätzlichen Bedarfs durch die neue Zweigstelle keine Probleme. Jede Woche gebe es etwa 50 Kontakte zu Verbrauchermärkten und fast zehn Kontakte zu Herstellern aus den Landkreisen Vechta und Cloppenburg, berichtet der Vorsitzende.

Sponsoren finanzieren neues Lieferfahrzeug

Um die Ware bei den Lieferanten abzuholen, hat die Tafel einen alten Transporter durch einen nagelneuen Sprinter mit kühlbarer Ladefläche ersetzt. Die Anschaffung kostet etwa 45.000 Euro, davon mehr als die Hälfte finanziert durch Spenden. Zu den Sponsoren gehören die Bürgerstiftungen Vechta und Lohne, die Stiftung Windpark Borringhauser Moor, die Maria-und-Norbert-Ostendorf-Stiftung sowie der Discounter Lidl. Ihnen hat der Vorstand jetzt bei zwei getrennten Terminen in Vechta und Lohne gedankt.

Mit der räumlichen Ausstattung der neuen Außenstelle ist der Vorsitzende sehr zufrieden. Die Stadt Vechta stellt die Immobilie kostenlos zur Verfügung. Nur einen kleinen Haken gibt es noch: Bei schlechtem Wetter stehen die wartenden Kunden vor der Tür buchstäblich im Regen. Die Verantwortlichen hätten gerne einen Unterstand auf dem Parkplatz und führen jetzt das Gespräch mit der Stadtverwaltung.

  • Info: Die Tafel ist jeden Freitag von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 04442/808640 und im Internet: www.tafel-lohne.de.

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