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SV Bethen "verleiht" einen Mann für alle Kinder

Justus Baro pendelt im Freiwilligen Sozialen Jahr zwischen Fußballplatz, Schule und Kindertreff.

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Von Kindern bemalt, vom Betreuer montiert: Justus Baro beim Sichtschutz. Fotos: Kreke

Von Kindern bemalt, vom Betreuer montiert: Justus Baro beim Sichtschutz. Fotos: Kreke

So viel herumgekommen ist Justus Baro in seiner ganzen Schulzeit nicht wie in den letzten elf Monaten. Seit der 19-jährige Cloppenburger sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim SV Bethen absolviert, hat der Abiturient drei Jugendmannschaften betreut, Lehrgänge besucht und in der Johann-Comenius-Oberschule eine Fußball-AG geleitet. Zurzeit leitet er eine zehnköpfige Kindergruppe in der Ferienbetreuung des Sozialdienstes katholischer Frauen.

Was als Überbrückung gedacht war, weil er sich über seine Studienpläne unklar war, hat sich als Glücksgriff entpuppt. "Ich kann‘s nur jedem ans Herz legen, der nach der Schule unsicher ist", sagt der Fußball-Fan: "Viele behaupten, das sei verlorene Zeit, aber das hat mich wirklich weitergebracht." Da der 19-Jährige mit Kindern verschiedenen Alters gearbeitet hat, weiß er jetzt: "Es geht besser mit den Älteren, die schon etwas weiter sind." Seinen Idee, die soziale und/oder pädagogische Arbeit mit Jugendlichen zu studieren, hat sich aber in der Praxis gefestigt.

An drei Universitäten bewirbt sich der Cloppenburger inzwischen. Entweder wird‘s die Schulsozialarbeit als Schwerpunkt oder das Lehramt an Gymnasien, "je nachdem, wo ich angenommen werde". Diese Bandbreite hat mit seinen neuen Erfahrungen zu tun. Zwar wär‘s mit Gymnasiasten wahrscheinlich einfacher, einen Lehrstoff zu vermitteln. An der Johann-Comenius-Schule hat Baro allerdings erlebt, wie Kinder aus unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich vorbereitet von ihren Eltern, die unterschiedliche Bildungsabschlüsse besitzen, mitunter aufeinanderprallen.

Baros Rasselbande: Der 19-Jährige betreut Mädchen und Jungen aus der Ferienbetreuung des SkF. Foto: KrekeBaros Rasselbande: Der 19-Jährige betreut Mädchen und Jungen aus der Ferienbetreuung des SkF. Foto: Kreke

"Da war‘s als 18-Jähriger oft schwer, sich durchzusetzen", räumt Baro ein: "Da bin ich in der siebten oder achten Stunde an meine Grenzen gestoßen. Aber auch da habe ich etwas mitgenommen." Die Aufgabe, das Verhalten der Kinder zu verstehen, ihren Hintergrund zu erfahren und unterstützend bei Konflikten einzugreifen, das reizt Baro.

Den SV Bethen auch im Studium nicht aufgeben

Egal, wie die Entscheidung ausfällt: Auch mit den jüngsten Kids in der Ferienbetreuung ist der Cloppenburger gut klargekommen. In der ehemaligen Tenne des Mehrgenerationenhauses an der Löninger Str. 16 hat er mit den Kindern Holzbretter bemalt, um einen Zaun zu bauen. Geduld hat er: Jede einzelne Latte, die bemalt worden ist, musste Baro einzeln anpassen, anbohren und verschrauben, während seine Gruppe um ihn herumschwirrte.

Den SV Bethen wird Baro wohl selbst im Studium nicht aufgeben. Der Verein ist dem ehemaligen BVC-Kicker zur zweiten Heimat geworden. "Da ist alles so familiär, da kennt jeder jeden", sagt er: "Das macht einfach Spaß."

Sich die Zeit zwischen Studium und Fußball einzuteilen, könnte dem 19-Jährigen durchaus gelingen, denn er führt strikt einen Wochenplan. "Das habe ich mir angewöhnt, weil ich mich dran lang hangeln kann, gerade wenn‘s mal stressig wird", erklärt er: "Dann habe ich immer auch einen Blick auf die schönen Sachen, die ich geplant habe."

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