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Susanne Bohlmann, erfolgreiche Dokumentarfilmerin aus Langwege

Für ihr neuestes ZDF-Projekt arbeitet sie gerade mit Collien Ulmen-Fernandes zusammen. Die 44-Jährige wollte schon immer zum Film – aber ursprünglich vor der Kamera.

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Foto: privat

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Susanne Bohlmann ist Filmemacherin. Sie arbeitet gerade an der ZDF-Dokumentation „Die Moral von der Geschicht“ mit Collien Ulmen-Fernandes. Die Dreharbeiten sollen in dieser Woche beginnen und das Ergebnis an Ostern zu sehen sein. Die Regisseurin ist in der Dinklager Bauerschaft Langwege aufgewachsen und hat in Lohne ihr Abitur gemacht. Bereits in dieser Zeit träumte die 44-Jährige davon, Schauspielerin zu werden und erzählt: „Ich wollte unbedingt zum Film.“ Ihr ursprünglicher Gedanke war, sich im Bereich Filmregie zu engagieren.

„Es ist ein High und gibt einem ein ganz wunderbares und großartiges Gefühl, aber das tut man zu 90 Prozent nicht, sondern ist mit anderen Sachen beschäftigt.“Susanne Bohlmann über die Schauspielerei

Eine Regie-Hospitanz beim Oldenburgischen Staatstheater, in der sie ein positives Feedback auch zu ihrer Schauspielkunst bekam, wurde zum Wendepunkt und gab ihr das Selbstbewusstsein, Privatunterricht zu nehmen und auf Schauspielschulen in Berlin und Köln zu gehen. Nach dem Abschluss folgten Rollen im Fernsehen, am Theater oder in studentischen Kurzfilmen. „Es ist unheimlich schwer und die Konkurrenz ist riesig“, sagt Susanne Bohlmann über den harten Weg in der Schauspielerei. Äußerlichkeiten und Glück spielten dabei eine große Rolle. Spielen mache ihr unglaublich viel Spaß – „es ist ein High und gibt einem ein ganz wunderbares und großartiges Gefühl, aber das tut man zu 90 Prozent nicht, sondern ist mit anderen Sachen beschäftigt.“ Rückblickend sagt sie über die Zeit, in der sie als Schauspielerin aktiv war: „Es ist oft frustrierend, man bekommt immer Gegenwind.“

Keine einfache Zeit also, in der sich stets die Frage stellte, wie sie sich  finanzieren sollte. Sie war damals mit einem Kameramann liiert und übernahm bei seinen Projekten immer häufiger die Regie und lernte dabei das Handwerk. Eine der Folgen: Sie schrieb, organisierte und drehte ihr eigenes Demoband und bot dies als Dienstleistung für Schauspieler an. „Das hat ein paar Jahre funktioniert“, meint sie. Parallel versuchte Susanne Bohlmann weiterhin ihre Schauspielkarriere voranzutreiben, doch dann kam erneut ein Wendepunkt in ihrem Leben, als sie 2011 mit der Arbeit an ihrer Dokumentation „Pink Elephants“ begann. 6 Jahre lang arbeitete sie daran, bis das Werk 2017 ins Kino kam. Inhaltlich geht es um einen Hollywoodcoach der Schauspiel-Workshops anbietet, die einen „extremen Seelenstriptease darstellen“, bei dem die Teilnehmer „physisch und psychisch an ihre Grenzen gebracht“ werden.

„Als Schauspielerin möchte man in andere Leben eintauchen. Das habe ich beim Dokumentarfilmen auch.“Susanne Bohlmann

Während der Arbeiten an diesem Projekt merkte die Wahl-Kölnerin, dass ihr das Beobachten von Menschen auf eine dokumentarische Weise sehr viel gibt. „Als Schauspielerin möchte man in andere Leben eintauchen. Das habe ich beim Dokumentarfilmen auch“, sagt Susanne Bohlmann. Sie entschied sich letztlich nach einem langen Erkenntnisprozess, ihren Fokus auf Dokumentarfilme zu legen. „Das erforderte Mut, sich einzugestehen, dass es nicht mehr mein Traum ist“, meint sie über die Abkehr von der Schauspielerei.

In ihren Dokumentationen möchte sie Menschen zeigen, ihre inneren Prozesse und deren Erfahrungen transportieren. Damit einher geht eine große Verantwortung ihren Drehpartnern gegenüber. Grundlage einer guten Dokumentation sei Vertrauen, und „ich darf dieses Vertrauen niemals missbrauchen“, sagt Susanne Bohlmann, das sei ihr „absolut heilig“.

Mit ihren Themen und Protagonisten möchte sie Geschichten erzählen, die etwas bewegen, und dafür braucht sie ein größeres Publikum und nutzt die ganze Bandbreite des Mediums, Geschichten zu transportieren. Film vereine Elemente wie Bild, Ton, Musik, Textformen, Effekte und noch einiges mehr. Gerade der Umgebungston sei wichtig, um den Zuschauer hineinzuziehen und ihm das Gefühl zu vermitteln, mit dabei zu sein.

Ihre Arbeit beschreibt sie so: Auf einem Tisch stünden ihr verschiedene Puzzleteile zur Verfügung, und sie dürfe diese wie ein Kunstwerk zusammensetzen. Trotz der Vielseitigkeit des Mediums seien ihr aber auch Grenzen gesetzt, sagt sie mit Blick auf die kommende ZDF-Dokumentation zum Thema Moral. „Ich kann in 45 Minuten große Themen nur anreißen sowie Gedanken aufbringen und anstoßen.“

Susanne Bohlmann ist ihren eigenen Weg gegangen - auch mit Unterstützung ihrer Eltern. Ihre kreative, unkonventionelle Seite habe sie von Mutter Sabine, es sei „ein bisschen die verrückte Seite“. Im Stammbaum mütterlicherseits fänden sich viele Schriftsteller, der wahrscheinlich berühmteste sei Levin Schücking (1814 bis 1883). Dieser sei mit Annette von Droste-Hülshoff (1797 bis 1848) liiert gewesen.  

„Ich bin genau dort, wo ich sein will. Doku ist mein Leben!“Susanne Bohlmann

Ihr 2018 verstorbener Vater Michael sei eher pragmatisch orientiert gewesen und habe sie ebenfalls stark beeinflusst. Wortgewandtheit sowie der Ehrgeiz und die Ausdauer, Projekte durchzuziehen, seien Eigenschaften, die sie auf ihn zurückführe. Wenn Susanne Bohlmann auf ihren bisherigen Lebensweg zurückblickt, sagt sie: „Ich bin genau dort, wo ich sein will. Doku ist mein Leben!“ Sie würde gerne noch einmal für das Kino eine Doku oder eine Doku-Serie machen.

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