Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Suchtvorbeugung per Adventskalender

Weil die Schulen auf Gäste verzichten, hat Daniela Janssen Schätzfragen und kleine Aufgaben in 24 Umschläge gesteckt. Zudem hält die Fachstelle Edith Stein ein Unterrichtsprogramm bereit.

Artikel teilen:
Statt Päckchen und persönlicher Prävention: Daniela Jannsen (links) und Verena Höffmann verschicken Adventskalender an die Schulen. Jeden Tag gibt‘s für die Klasse eine Anregung oder eine Rätselfrage zu Suchtthemen. Foto: Kreke

Statt Päckchen und persönlicher Prävention: Daniela Jannsen (links) und Verena Höffmann verschicken Adventskalender an die Schulen. Jeden Tag gibt‘s für die Klasse eine Anregung oder eine Rätselfrage zu Suchtthemen. Foto: Kreke

Hinterm Türchen wartet eine Schätzfrage für Raucher und solche, die es nicht werden wollen: Wie viele Giftstoffe stecken in einer Zigarette? Die Antwort sollen Schüler ab Klasse 8 im Advent selbst geben. Einen kleinen Tipp hat Daniela Janssen (33) der Redaktion trotzdem erlaubt: Wer zweistellig tippt, liegt schon mal falsch.

Die Fachkraft für Suchtprävention hat den (Beinahe)-Stillstand ihrer Arbeit in den Schulen für eine pädgagogisch wertvolle Bastelarbeit genutzt: 25 Schulklassen erhalten den handgemachten Kalender aus der Fachstelle für Suchtprävention in Cloppenburg. Die Idee: Mit einer kurzen Anregung jeden Tag soll das Ziel, nüchtern und nikotinfrei zu bleiben, im Unterricht aufgefrischt werden.

Die kleinen Aufgaben sind bewusst knapp gehalten. "Wo Zeit ist, kann nur natürlich eine ganze Stunde daraus gemacht werden", erklärt Verena Höffmann, die Leiterin der Fachstelle.

Schon Viertklässler erfahren, was Cybermobbing ist

Die Präventionsarbeit in den Schulen ist zwar zurzeit stark eingeschränkt, aber arbeitslos sind Höffmann und Janssen nicht geworden. Denn das Team hat vorgesorgt: Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hat Janssen einen virussicheren Unterrichtskoffer für die Schulen gepackt, in dem sogar die Themen-Blätter laminiert und damit desinfektionstauglich sind.

Der Inhalt, den Lehrer für eigene Unterrichtsstunden nutzen können, dreht sich ums Handy in Kinderhand. Das Gemeinschaftsprojekt mit der Kreisjugendpflege erklärt Schülern ab der 4. Klasse, was Cybermobbing und Kettenbriefe sind, welche Fotos man nicht ohne Rechtsverstoß einfach weiterversenden darf und wie man sich selbst schützt.

Cybermobbing in der 4. Klasse ist zwar (noch) nicht die Regel, aber Höffmann hat beobachtet, dass schon Neunjährige zur Kommunion ihr erstes Smartphone geschenkt bekommen. "Nichts gegen das Handy", sagt die Diplom-Sozialpädagogin: "Aber wer kümmert sich um die Nutzung?" Wenn sich Jugendliche bereits an ihre Form der Handy-Nutzung gewöhnt haben, sei es schwer, Verhaltensänderungen zu vermitteln, meint die Fachfrau. Da lohne es sich, bereits Kindern eine Orientierung zu geben, um ihre Medienkompetenz zu stärken.

Beratungsstelle bietet im Notfall Treffen an

Die Leiterin hat zudem erlebt, dass sich Kinder oft noch nicht im Klaren darüber sind, wie das, was sie schreiben, auf den Empfänger wirkt. Auch das kann nun im Unterricht zum Thema werden.

Ausgebremst durch die Pandemie-Auflagen ist dagegen zurzeit der so genannte "Klarsicht"-Parcours an Schulen. Denn er besteht aus interaktiven Stationen, die in Gruppen besucht werden, um sich mit Suchtthemen auseinanderzusetzen. Weil dazu eine Moderation an jeder Station notwendig ist, verzichten die Schulen: Sonst müssten zu viel Gäste ins Haus geholt werden.

In der regulären Arbeit mit Suchtkranken verzichtet die Fachstelle im Lockdown notgedrungen auf Gruppentherapie-Sitzungen, zumal sich unter den Klienten auch Risiko-Patienten befinden.Für die Betroffenen sei es "nicht einfach, die nötige soziale Distanz heil zu überstehen", sagt Höffmann, die selbst Therapien betreut. Der Ersatz sind immer noch Telefon- und notfalls auch Einzelgespräche in der Fachstelle Am Capitol 4.

Froh ist die Leiterin, dass in allen Fällen die Kostenträger mitziehen, auch wenn "nur" Telefongespräche möglich sind. Die Renten- und Krankenversicherungen zahlen dennoch "bis auf Weiteres" das volle Honorar. Sonst würden die Beratungsstellen rasch in Finanznot rutschen oder müssten Personal abbauen, das in und nach der Pandemie dringend benötigt wird.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Suchtvorbeugung per Adventskalender - OM online