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Studentinnen erhalten für Teilhabe-Projekt ein Sonderlob

Die Universitätsgesellschaft Vechta verleiht ihre Förderpreise erstmals in einer Online-Veranstaltung. Die Vielfalt der wissenschaftlichen Arbeiten ist groß.

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Screenshot zur Erinnerung: Die Universitätsgesellschaft Vechta holte die Preisverleihung aus dem Vorjahr nach. In der Online-Veranstaltung wurden diverse Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen gewürdigt. Foto: Universität Vechta

Screenshot zur Erinnerung: Die Universitätsgesellschaft Vechta holte die Preisverleihung aus dem Vorjahr nach. In der Online-Veranstaltung wurden diverse Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen gewürdigt. Foto: Universität Vechta

Vor eineinhalb Jahren haben sich Laura Heckmanns und Vera Huneck ganz intensiv mit dem Thema Teilhabe beschäftigt. Die beiden Studentinnen der Universität Vechta nahmen Kontakt zu Frauen aus der Justizvollzugsanstalt Vechta, behinderten Mitarbeitern des Andreaswerks sowie Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf. Die Erfahrungen aus den Begegnungen mündeten in eine wissenschaftliche Arbeit. Nun wurde ihre Leistung mit einem Sonderpreis der Universitätsgesellschaft Vechta gewürdigt.

Im vergangenen Jahr war die Preisverleihung wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Nun holte die Universitätsgesellschaft Vechta das Versäumte nach. Statt sich in der Aula der Hochschule zu versammeln, trafen sich die Teilnehmer am Donnerstagabend in einer Videokonferenz. Der lautstarke Applaus blieb bei der digitalen Begegnung auf der Strecke, aber das sollte die überdurchschnittlichen wissenschaftlichen Leistungen der 15 Empfänger nicht mindern.

Der Vorsitzende der Universitätsgesellschaft Vechta, Uwe Bartels, hob die Bedeutung der Nachwuchsförderung und des wissenschaftlichen Netzwerkes für das Oldenburger Münsterland hervor. Es gehöre zum Selbstverständnis seines Vereins, "mit bescheidenen aber nicht unbedeutenden Mitteln die Forschung und Lehre zu unterstützen und gute Ergebnisse auch in der Öffentlichkeit bekannt zu machen".

"Die Vielfalt der Themen, die uns heute auch wieder durch die herausragenden Leistungen der Arbeiten präsentiert wird, ist immer wieder beeindruckend."Uwe Bartels, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Vechta

Die Preisvergabe verschaffe die Möglichkeit, einen Einblick in das breite Themen- und Forschungsfeld der heimischen Universität zu erhalten, so Bartels. Er stellte mit Blick auf die erbrachten Leistungen anerkennend fest: "Die Vielfalt der Themen, die uns heute auch wieder durch die herausragenden Leistungen der Arbeiten präsentiert wird, ist immer wieder beeindruckend."

Professor Dr. Michael Ewig, Vizepräsident für Forschung, Nachwuchsförderung und Transfer an der Universität Vechta, begrüßte die Fortsetzung der Tradition durch die Universitätsgesellschaft. In Zukunft werde auch das Graduiertenzentrum der Hochschule einen Beitrag zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses leisten, sodass weitere Karrieren zu solchen Preisen führen könnten.

Die Preisverleihung zeige, dass es der Universität gelungen sei, den Weg trotz der schwierigen äußeren Bedingungen fortzusetzen, so Ewig. Die Zahl und Qualität der Arbeiten habe sich gegenünber den Vorjahren nicht geändert. Sie würden zudem immer wieder Forschungsergebnisse liefern, die sich zur Weiterentwicklung von wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen transferieren ließen.

Aktueller denn je: Antisemitismus in Deutschland

Bei der Preisvergabe durch Uwe Bartels und seine Vorstandskollegen Helmut Dornieden und Christof Pekeler wurde deutlich, wie vielfältig die Inhalte der Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen tatsächlich sind. Und sie sind teilweise aktueller denn je, wie die Masterarbeit von Anna Katharina Hemmes zeigt. Ihr Thema: "Versteckter Antisemitismus – Eine Bestandsaufnahme des Antisemitismus in Deutschland am Beispiel der Israelkritik“.

Laura Heckmanns und Vera Huneck wurden für ihr Werk "Gemeinsam statt einsam" – Evaluation eines Lehrprojekts mit Begegnungsaspekten" mit einem Sonderpreis für regional bedeutsame Arbeiten geehrt. Die beiden Preisträgerinnen und weitere Studierende hatten sich im Wintersemester 2019/2020 mit Inhaftierten, Behinderten und Migranten getroffen und dabei etwas über Personengruppen erfahren, zu denen viele Menschen vermutlich nicht so oft Kontakt in ihrem Alltag haben.

Es seien „zwischenmenschliche Begegnungen auf Augenhöhe“ gewesen, stellte die begleitende Professorin Dr. Britta Baumert damals bei der öffentlichen Vorstellung des Projektes fest. In Workshops seien neue Möglichkeiten der Teilhabe entwickelt worden. Es seien gerade die Gespräche gewesen, welche das Projekt ausmachten. Deutlich werde dies in einem Video, das eine der Studierenden-Gruppen produziert habe. Die Kamera sei bei vielen Treffen dabei gewesen.

Urkunden und Schecks kommen auf dem Postweg

Die Preisträger freuten sich über die anerkennenden Worte und dankten ihren Professoren für die Unterstützung. Ein gemeinsames Erinnerungsfoto, in Form eines Screenshots, rundete die Online-Veranstaltung ab. Die Zustellung der Urkunden und Schecks im Gesamtwert von 4.050 Euro erfolgt auf dem Postweg, versicherte Professorin Dr. Marie-Christine Vierbuchen, die als Wissenschaftliche Leitung des Graduiertenzentrums die Moderation übernommen hatte. Die Förderpreise 2021 sollen gegen Ende dieses Jahres vergeben werden.

Bachelorarbeiten: André Bernd Frank Busker (Thema: „Evidenzbasierung in der Behandlung von Zwangsstörungen: Kognitiv-behaviorale Psychotherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement“, Soziale Arbeit / Prof. Dr. Peter Kaiser), Annika Sanders („Sexualisierte Gewalt an Jungen vor dem Hintergrund hegemonialer Männlichkeit“, Soziale Arbeit / Dr. Julia Hahmann), Anna Surguchova („Mit der Sharing Economy zur sozial-ökologischen Transformation? Eine Reflexion der Chancen und Gefahren aus Postwachstumsperspektive“, Wirtschaft und Ethik / Dr. Corinna Dengler), Anna Katharina Hemmes („Versteckter Antisemitismus – Eine Bestandsaufnahme des Antisemitismus in Deutschland am Beispiel der Israelkritik“, Sozialwissenschaften / Prof. Dr. Peter Nitschke), Lena Kolde („Chancen und Grenzen antirassistischer Bildung in der Grundschule“, Politikwissenschaft / Prof. Dr. Karl-Heinz Breier), Fabian Küpper („Die Rolle von Whistleblowing in der Demokratie am Fallbeispiel der Vereinigten Staaten von Amerika", Politikwissenschaft / Dr. Martin Schwarz), Jeremy Apken („Spendenbereitschaft von Ehrenamtlichen – Substitut oder Komplement?", Management Sozialer Dienstleistungen / Prof. Dr. Vanessa Mertins)

Masterarbeiten: Lisanne Habijan („Das Erkennen von Lügen mithilfe von Mikroausdrücken im Kontext Sozialer Arbeit", Soziale Arbeit / Prof. Dr. Peter Kaiser), Sandra Yvonne Rogowski („Auswirkungen von Yoga in der Schule auf Schüler und Schülerinnen der 1.-6. Jahrgangsstufe: Bestandsaufnahme in angelsächsischen und deutschsprachigen Ländern (Evidence Map)", Bildungswissenschaften / Prof. Dr. Karin Zimmer), Fenja Gruetz („Die Wahrnehmung des Fremden in der interkulturellen Interaktion", Kulturwissenschaften), Devin Kwasniok („A comparison of the effects of incentive devices on objectively measured physical activity", Management Sozialer Dienstleistungen / Prof. Dr. Vanessa Mertins)

Dissertationen: Sophie Weingraber („Sexueller Missbrauch – Disclosureprozesse betroffener Kinder mit Migrationshintergrund aus Sicht von Akteur*innen im Kinderschutz", Erziehungswissenschaften / Prof. Dr. Margit Stein), Corinna Dengler („Feminist Futures: Was Degrowth von feministischer Wissenschafts-, Wirtschafts- und Wachstumskritik lernt", Management Sozialer Dienstleistungen / Prof. Dr. Ulrike Knobloch).

Sonderpreis für besonders innovative und/oder regional bedeutsame Arbeiten: Laura Heckmanns und Vera Huneck, „Gemeinsam statt einsam“ – Evaluation eines Lehrprojekts mit Begegnungsaspekten", Katholische Theologie / Prof. Dr. Britta Baumert

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