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Streit, wenn Beziehungen auseinandergehen

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Eine Trennung ist Privatsache. Doch wenn der Ex-Partner seine Ex-Freundin im Auto ausbremst und sich auf die Motorhaube lehnt, wird es doch Sache des Gerichts.

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Nötigung und Sachbeschädigung: Das sind typische Straftaten, die passieren können, wenn eine einst gute, vermeintlich glückliche  Beziehung ein plötzliches und unerwartetes Ende findet. Einen solchen Fall gab es auch in Bakum. Das Gericht hatte es gut gemeint und einen Strafbefehl wegen Nötigung und Sachbeschädigung erlassen, inklusive einer Geldstrafe und einem einmonatigen Fahrverbot gegen einen 33-Jährigen. Damit wäre es das gewesen, ich als Gerichtsreporter hätte die Geschichte nie erfahren. 

Der Mann legte jedoch Einspruch ein. So kam alles neu auf den Tisch. Es gab eine Hauptverhandlung. Eigentlich gab der Angeklagte dann fast alles zu, nur die "Kleinigkeiten" – Straftatbestände wie Nötigung und Sachbeschädigung –  sah er milder und sein Anwalt als gar nicht gegeben an. Heraus kam dann auch das, was schon im Strafbefehl stand: eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 40 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Angeklagte folgte der Frau im Auto

Die Vorgeschichte: Der Bakumer und seine heutige Ex, eine Frau  aus Oldenburg, lernten sich Ende 2019 kennen. Der Angeklagte war Vater von 2 Kindern, alles war gut. Die Frau zog zu ihm. Es dauerte jedoch nicht lange, da war ein Zusammenleben nicht mehr möglich. An dieser Stelle lass ich mal die Details weg. Man kam überein, sich zu trennen. Das war aber nicht so einfach. Es dauerte. Schließlich war es die Frau, die nicht mehr wollte.

Die Miete für das Haus war zu hoch. Eine neue Wohnung für den Mann musste gefunden werden. Das klappte auch. Jeder packte seine Sachen. Der Mann fand eine neue Wohnung in der Gemeinde, die Frau wohnte zunächst 2 Wochen im Hotel und zog dann zu ihrer Mutter. Im Haus indes waren noch Sachen, die die Frau holen wollte. Das sah ihr Ex. Und sie sah ihn.

Über die Molkenstraße in Richtung Autobahn wollte sie nun das schöne Bakum verlassen. Auf der nicht gerade breiten Straße fuhr der Angeklagte hinterher, hupte und rief. Dann überholte er sie und bremste vor ihr, sodass sie auch stoppen musste. Er ging auf das Auto zu und landete auf der Motorhaube, so die Staatsanwaltschaft, was zu leichten Beulen führte, die sich das Gericht auf dem Parkplatz vor dem Amtsgericht ansah. Die Beulen waren fast nicht zu sehen, aber es gab sie. Das war also die Sachbeschädigung; das Hupen, das Überholen und das Abbremsen führten zur Nötigung.

Der Verteidiger bliebt bei seiner Forderung auf Freispruch

Was die Ex-Freundin als Zeugin zu sagen hatte, will ich an dieser Stelle mal nicht vertiefen, es klang aber ziemlich glaubhaft. Die Gründe für das Ende der Beziehung waren nachvollziehbar. Der Staatsanwalt schenkte ihr auch Glauben und meinte, er könne verstehen, dass sie in der Beziehung die Reißleine gezogen habe. Er beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen und das Fahrverbot.

Der Cloppenburger Verteidiger blieb bei seiner Forderung auf Freispruch. Eine Sachbeschädigung sah er nicht. "Die Motorhaube sähe anders aus, wenn der 130 Kilo schwere Angeklagte dort gelegen hätte", mutmaßte er. Und das Überholen? Das Ausbremsmanöver? Das sei keine Nötigung. Die Frau habe ja vorbeifahren können.

Ich gehe ganz stark davon aus, dass darüber noch mal in einer Berufungsverhandlung gesprochen wird. Vielleicht gibt es einen Tatorttermin auf der Bakumer Molkenstraße.

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