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Straßenumbau kann Friesoyther Klus nichts anhaben

Die kleine Kapelle an der Straße "Grüner Hof" ist denkmalgeschützt. Ein Abriss kommt deshalb nicht infrage, eine Versetzung ist mit hohen Auflagen und Kosten verbunden.

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Wurde 1725 zum ersten Mal erwähnt: Die Marienklus, die an der Straße „Grüner Hof“ steht. Fotos: Claudia Wimberg

Wurde 1725 zum ersten Mal erwähnt: Die Marienklus, die an der Straße „Grüner Hof“ steht. Fotos: Claudia Wimberg

Die Marienklus am Grünen Hof wird auch weiterhin Bestand haben. Bei der städtischen Vorstellung hatte die Überschrift „Überplanung Kapelle“ für Diskussionen gesorgt. Ein Abriss des rund 300 Jahre alten Gebäudes wäre ohnehin nicht realisierbar gewesen, da es unter Denkmalschutz steht. Eine Versetzung an einen anderen Standort ist mit hohen Auflagen und Kosten verbunden und deshalb „sicher die letzte Möglichkeit, die für uns infrage kommt“, betonte Bauamtsleiter Klaus Sandmann.

Das Häuschen von historischer Bedeutung ist optisch in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. „Auch das Umfeld hat sich so entwickelt, dass es für ein sakrales historisches Element nicht mehr passend ist“, so Sandmann und verweist auf den unmittelbaren Straßenrand sowie Tankstelle und Drive-In-Restaurant an. „Einfach“ rund um die Klus zu bauen, sei keine Option, so Sandmann im Einklang mit Bürgermeister Sven Stratmann,

„Wir werden ein so schönes und bedeutendes Stück Friesoyther Stadtgeschichte natürlich nicht einfach entfernen“, sagte der Verwaltungschef. Vielmehr gelte es, eine gute Lösung zu finden, um die Klus besser als bisher zur Geltung zu bringen. Darüber hinaus sollen möglichst auch die Eigentumsverhältnisse geklärt werden, denn ein Teil des Areals gehöre dem Esso-Konzern.

Madonna mit Kind: Seit 1989 steht diese Statue in der Klus, nachdem die vorherige zerstört worden war.Madonna mit Kind: Seit 1989 steht diese Statue in der Klus, nachdem die vorherige zerstört worden war.

Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung sollen Anlieger und Geschäftsinhaber an der Europastraße und eines Teilstücks der Kirchstraße ebenso befragt werden wie Vertreter des Handels- und Gewerbevereins, die Familie Peters, die sich seit Jahrzehnten um die Pflege kümmert, und auch Vertreter der katholischen Kirchengemeinde.

In Karten markiert ist die Existenz der „Capelle“ bereits seit 1826, wie Heimatexperte Ferdinand Cloppenburg recherchiert hat. In der oldenburgischen Landesvermessung von 1838 ist sie dann genau dort verzeichnet, wo sie heute noch steht.

Geschichtlich interessant sei eine sogenannte „Armenrechnung“ von 1725, über die Peter Sieve in seinem Buch „Die Stadt Friesoythe im 18. Jahrhundert“ berichtete. Danach wurden damals in der städtischen Armenfürsorge Spenden auch über Opferstöcke gesammelt. In einer Armenrechnung wird „der new Armenblock bey die Kirchstraeßer Cluhße“ genannt.

Madonna auf den Bahngleisen zerstört

1890 berichteten die Oldenburgischen Blätter in Vechta aus Friesoythe, man wolle anstelle des alten ein neues Heiligenhäuschen bauen. Daraus wurde zumindest eine Erneuerung des Gebäudes durch einen Giebel und eine Innengestaltung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 670 Mark. Wie Cloppenburg weiter mitteilte, wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges das Dach der Kapelle beschädigt. Die Anlieger sorgten für die Reparatur.

Die Interessengemeinschaft Grüner Hof ließ 1987 die Madonna mit dem Kind sorgfältig restaurieren. Empörung herrschte in den Morgenstunden des 12. Dezember 1988, als man feststellte, dass die auf einem Sockel stehende 124 Zentimeter hohe und 42 Kilogramm schwere Statue auf die nahe gelegenen Bahngleise gebracht und dort zerschlagen worden war. Den oder die Täter hat man nicht ermittelt.

Die Interessengemeinschaft ließ mit Spenden aus der gesamten Bevölkerung eine neue Madonnenstatue fertigen, die am 3. Juni 1989 nach einem Abendgottesdienst von der Marienkirche in einer Prozession zur Klus gebracht wurde.

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