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#Stillstand – vom Stau auf der Autobahn

Kolumne: Irgendwas mit # – Eins ist klar: die gewöhnliche Baustelle soll die Deutschen nicht ärgern – nein, unsere Landsleute sollen erzogen werden!

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Philipp Ebert

Philipp Ebert

Stau ist gerne gesehen in Deutschland. Unser Volk liebt zwar das Auto. Doch zur vollen Entfaltung kommt die Romanze erst im Stillstand.

Im Stau auf der Autobahn, da stehen wir. Da warten wir. Auf… ja, auf was denn? Manchmal warten wir, weil vor uns um Menschenleben gekämpft wird. Dann heißt es: "Klappe halten, Anstand bewahren und abwarten".

Häufiger aber stauen wir uns aus staatsbürgerlicher Loyalität. "Baustelle" kündet ein Schild. Warnblinker an, rechter Fuß auf die Bremse und dann ab in Richtung Fahrbahnrand: Rettungsgasse nicht vergessen.

Wir braven Schäfchen zweifeln nicht

Doch gerettet werden muss oft niemand. Nein, wir braven Schäfchen tun einfach so, als ob wir der Baustellenbehauptung Glauben schenken wollten.

Dabei wissen wir doch, dass diese Ausbesserungs- und Neubaumaßnahmen eine Erfindung der Mächtigen sind, um uns zu disziplinieren. Lernt, dass Unausweichliche zu akzeptieren. Lernt, nicht weiter Fragen zu stellen. Lernt, in Reih und Glied zu stehen, wenn wir es befehlen. Das sind die Lektionen, die man sich in Kanzleramt, EU-Kommission und überhaupt bei der Weltregierung ausgedacht hat. Und die wir gerne annehmen.

Wie etwa auf der Jadelinie. Wer sich hinter der Landeshauptstadt Oldenburg auf die A29 begibt, der kann nur ein Ziel haben: natürlich die Strände von Hooksiel und Schillig.

Wer sich einen Wochenendausflug an die Küste erlaubt, der wird auf dem Rückweg daran erinnert, dass das von Regierungsseite nicht erwünscht ist. Die A29 – auf weiten Strecken teilgesperrt. Der Grund – unklar. Keine Baumaßnahme, kein Baumschnitt. Nur ein einsamer Bagger parkt in dem auf 6 Kilometer abgesperrten Streifen.

"Welchen Zweck die Sperrung hat, ob sie gar eine Berechtigung besitzt, das hinterfragt der Teutone nicht."Philipp Ebert

Feststellen freilich kann das der rückreisende Südoldenburger erst, wenn er sich durch den langen Stau vor der Baustelle gekämpft hat.

Welchen Zweck die Sperrung hat, ob sie gar eine Berechtigung besitzt, das hinterfragt der Teutone nicht. Nein, wir sind froh, dass die Regierung die Dinge für uns regelt und Fragen der Verkehrsführung nicht auch noch — Stichwort Neoliberalismus — marktradikalen Effizienzkriterien unterwirft. Denn nichts anderes wäre es doch, wenn wir es dem Baggerfahrer versagten, sein Gefährt auf der A29 zu parken, nur weil Tausende Autos und Lastwagen dann nicht mehr gut vorankommen.

So sitzen wir also im Auto und freuen uns darüber, dass wir in der Baustelle wartend durch die Mächtigen zu besseren Menschen gemacht werden. Darüber, dass wir ohne Not im Stau stehen und die Kinder ob ihrer Müdigkeit im Fonds des Autos krakelen, ärgern wir uns nicht. Gelassen blicken wir stattdessen nach rechts und – noch viel lieber – nach links, wo es grün ist und die Bäume, zumindest aktuellen Umfragen zufolge, immer höher in den Himmel wachsen.


Zur Person:

  • Dr. Philipp Ebert ist Redakteur der OM-Mediengruppe.
  • Sie erreichen den Autor unter redaktion@om-medien.de

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