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Steinfelder Kläranlage soll bis Ende 2023 wachsen

Die Planungen für den Ausbau des kommunalen Eigenbetriebs in Düpe laufen. Laut Bürgermeisterin Manuela Honkomp werden die Arbeiten "auf jeden Fall einen zweistelligen Millionenbetrag" kosten.

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Das "Tafelsilber" der Gemeinde: Das Abwasserwerk war vor fast 3 Jahrzehnten an der Dinklager Straße errichtet worden. Jetzt muss es modernisiert und ausgebaut werden. Foto: Timphaus

Das "Tafelsilber" der Gemeinde: Das Abwasserwerk war vor fast 3 Jahrzehnten an der Dinklager Straße errichtet worden. Jetzt muss es modernisiert und ausgebaut werden. Foto: Timphaus

Seit etwa einem Jahr steht fest, dass Steinfeld die Kläranlage in Düpe ausbauen muss. "Die Gemeinde ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Dieser Entwicklung müssen wir Rechnung tragen", konstatiert Manuela Honkomp. Die Planungen für das aufwendige Vorhaben, das nach Angaben der Bürgermeisterin "auf jeden Fall einen zweistelligen Millionenbetrag" kosten wird, nehmen langsam Fahrt auf. Nach Angaben von Bauamtsleiter Heinrich Sandmann soll das Projekt bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Während eines Pressegesprächs informierten Honkomp und Sandmann jüngst gemeinsam mit Michael Gronemeyer, der demnächst das Steinfelder Bauamt leitet und sich aktuell in die Prozesse und Themen einarbeitet, sowie Mitarbeiterin Antje Pfitzner über den Planungsstand bei der Erweiterung des kommunalen Eigenbetriebs.

Das Abwasserwerk an der Dinklager Straße, oft auch als "Tafelsilber" der Gemeinde bezeichnet, war laut Sandmann bei seinem Bau vor fast 3 Jahrzehnten in einer Größe von etwa 28.000 Einwohnerwerten (EW) konzipiert worden.

Aktuell liegt die Auslastung des Abwasserwerks bei etwa 62.000 Einwohnerwerten (EW). Bis 2023 steigt sie laut Prognose auf 72.000 EW. Foto: TimphausAktuell liegt die Auslastung des Abwasserwerks bei etwa 62.000 Einwohnerwerten (EW). Bis 2023 steigt sie laut Prognose auf 72.000 EW. Foto: Timphaus

Zur Erläuterung: Bei Abwässern von Industriebetrieben, insbesondere Schlachtereien, sind die Schmutzfrachten deutlich höher als bei Privathaushalten. Deshalb wird der EW als Referenzwert herangezogen. Ein EW steht für einen Steinfelder Bürger.

Die Kapazitäten waren damals mit einem großzügigen Puffer versehen worden, was sich in der jüngeren Vergangenheit bestätigt hatte. Sonst wäre ein Ausbau der Steinfelder Kläranlage wahrscheinlich schon viel früher fällig gewesen. 

Belastung der Anlage steigt bis 2023 deutlich an

Denn: Vor allem durch die Erhöhung der Schlachtzahlen bei den Geflügelspezialitäten Steinfeld, die Einrichtung von Kistenwäschen bei Speditionsunternehmen wie Schwarzer und Rubetrans sowie dem Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde sind die Zahlen in den vergangenen 5 Jahren deutlich angestiegen. 

Aktuell liegt die Auslastung des Abwasserwerks bei etwa 62.000 EW. Bis 2023 steigt sie laut einer Prognose des Büros Frilling + Rolfs, das die Anlage aus dem Effeff kennt und deshalb von der Gemeinde mit den Planungen für eine Erweiterung beauftragt wurde, auf 72.000 EW.

Gut-Bergmark-Pläne waren ein Unsicherheitsfaktor

Schon heute sind alle Kapazitätsreserven des Abwasserwerks vollständig aufgebraucht. Deshalb hatte die Gemeinde im Frühjahr 2020 als Provisorium einen Schlammspeicher zu einem zweiten Belebungsbecken umfunktioniert. Laut Sandmann entstanden dadurch Kosten von etwa 120.000 Euro.

Als "Unsicherheitsfaktor" bei den Planungen für eine Erweiterung hatte zwischenzeitlich die mögliche Ansiedlung eines Geflügelschlachthofs der Firma Gut Bergmark Premium Geflügel im Raum gestanden. Doch der Gemeinderat blockte das für den Neubau notwendige Grundstücksgeschäft letztlich ab.

Klärschlamm ist ein großer Kostenfaktor

Jetzt kann die Gemeinde mit soliden Zahlen operieren. Laut Pfitzner wird seit dem Frühsommer 2020 bereits der Harpendorfer Mühlenbach untersucht. "Die Gewässerqualität darf sich nicht verschlechtern. Das ist gesetzlich vorgeschrieben." Weiter laufen Probeversuche für die Flotation. Dabei handelt es sich um das physikalische Verfahren zur Reinigung des Abwassers. Weiter sind Ausfaulversuche zum Umgang mit dem Klärschlamm berücksichtigt.

In den Ausbau einbezogen werden soll auch die Anlage zur Entwässerung des Klärschlamms, die seit einiger Zeit nicht mehr funktioniert, da sich die Zusammensetzung des schlammigen Konzentrats aus Feststoffen verändert hat. Dazu hatte es jüngst im Gemeinderat einen verbalen Schlagabtausch zwischen Mitgliedern der UWG/SPD-Gruppe auf der einen und Vertretern der CDU-Fraktion sowie der Verwaltung auf der anderen Seite gegeben. "Ziel ist es, die Klärschlammmengen deutlich zu reduzieren. Das ist ein großer Kostenfaktor", sagt Sandmann.

Erstes Konzept soll im März vorgestellt werden

Aus diesem Grund beabsichtigt die Gemeinde, sich möglicherweise auch einige Klärschlamm-Pilotprojekte im Nordwesten anzuschauen. "Die Problematik betrifft ja alle Kommunen", sagt Sandmann und verweist auf die 2017 novellierte Düngeverordnung, die zu einem exorbitanten Anstieg der Entsorgungskosten geführt hatte. 

Nach Angaben von Bürgermeisterin Manuela Honkomp soll in der März-Sitzung des Betriebsausschusses ein erstes Konzept vorgestellt werden. Doch ob die Tagung des Gremiums angesichts der Corona-Lage überhaupt stattfinden kann, ist aktuell noch unklar.

Zur Klärschlammproblematik weist Honkomp darauf hin, dass sich die Gemeinde in der geplanten Klärschlammverbrennungsanlage in Bremen "gewisse Kapazitäten gesichert" habe.

Erweiterung besteht aus mehreren Einzelprojekten

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) baut gemeinsam mit weiteren Unternehmen über die eigens dafür gegründete "Klärschlammentsorgung Nordwestdeutschland" (Kenow) eine Monoverbrennungsanlage am Industriehafen. Vor wenigen Tagen haben die Arbeiten für das Projekt begonnen.

Laut dem Büro Frilling + Rolfs sind folgende Einzelprojekte bei dem Ausbau voraussichtlich zu erwarten: Neubau eines zweiten Belebungs- sowie Nachklärbeckens, Erneuerung des Ablaufreglers, Frischschlammspeicher, Faulbehälter, Faulschlammspeicher, Gasgehälter (Blockheizkraftwerk), Notfackel, Maschinenhalle mit mechanischer Vorbehandlung und Flotation sowie Sanierung bestehender Bauwerke.

Modernisierung des Kanalnetzes steht bald an

Die Finanzierung des Millionenprojekts "Erweiterung der Kläranlage" stellt die Gemeinde vor eine Herausforderung. Honkomp sagt: "Man wird im Prozess auch die Gebührenkalkulation betrachten müssen." Letztlich trage die Gemeinschaft den Ausbau, "die Hälfte zahlen die Bürger, die andere Hälfte die Starkverschmutzer".

Es ist noch mit weiteren Investitionen zu rechnen. Laut Pfitzner rücke im Zuge der Erweiterung des Abwasserwerks auch die Modernisierung des Kanalnetzes auf die Agenda.

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